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Watttron-Gründer wollen Plastebecher umweltfreundlicher machen

Gründer & Ideen Watttron-Gründer wollen Plastebecher umweltfreundlicher machen

In Zusammenarbeit mit Fraunhofer-Instituten haben Forscher der TU Dresden ein Verfahren entwickelt, das bei der Herstellung von Kunststoff-Verpackungen eine Menge Material und Energie sparen kann. Weil niemand ihre Idee in die Produktion überführen wollte, haben sie selbst eine Firma gegründet.

Bei der Herstellung von Plastebechern wird erhitztes Material gedehnt. Wie stark, das zeigen die Linien auf der Probe (oben). Keramische Heizer, die an unterschiedlichen Stellen unterschiedliche Temperaturen erzeugen, sollen helfen, Material und Energie zu sparen.

Quelle: Watttron

Dresden. Die Idee hatte der promovierte Ingenieur Sascha Bach bereits 2007 auf einer Forschungskonferenz in Berlin. Dort trafen sich Leute, die Heizsysteme fürs Thermoformen entwickeln – ein Verfahren, mit dem zum Beispiel Joghurtbecher produziert werden. Eine Plastefolie wird erwärmt und dann mit Druckluft oder einem Stempel in die gewünschte Form gepresst. Problem dabei: Je nach Verfahren werden entweder die Seitenwände der Becher recht stabil, aber der Boden gefährlich dünn oder umgekehrt. Das liegt daran, dass das erhitzte Material beim Formen gedehnt wird. Könnte man das Ausgangsmaterial an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich stark erwärmen, so die Überlegung, wäre es möglich die Materialverteilung beim Formen zu optimieren. Damit könnte die Dicke der Ausgangsfolie verringert werden, die wir zum Beispiel noch am Rand der Fruchtzwerge erkennen können, auf den die Verschlussfolie geklebt ist. Bei Milliarden von Verpackungen, die jedes Jahr durch Thermoformen hergestellt werden, ergäbe das ein gewaltiges Potenzial für Materialeinsparung.

Bach baute mit seinen Kollegen Marcus Stein und Ronald Claus am Institut für Verarbeitungsmaschinen und Mobile Arbeitsmaschinen der TU Dresden erste Heizsysteme aus Keramik, deren ringförmige Strukturen sie unterschiedlich stark erwärmen konnten. In Zusammenarbeit mit den Fraunhofer-Instituten IKTS und IVV entwickelten die Ingenieure ihre Idee weiter zu einem Heizer, der wie ein Flachbildschirm aus kleinen Quadraten (Pixeln) besteht, von denen jedes einzelne gezielt angesteuert werden kann.

Das war der Durchbruch, denn so konnten sie über eine Software ein und denselben Heizer für die Herstellung ganz unterschiedlicher Plastebecher optimieren. Nun standen sie vor der Herausforderung, die Ergebnisse ihrer Grundlagenforschung in eine sichere Technologie zu überführen und damit vor einem Problem. „Verpackungsmaschinenhersteller“, sagt Marcus Stein, „sind meist mittelständische Unternehmen, oft auf ein ganz bestimmtes Produkt spezialisiert. Da gibt es keine Massenfertigung.“

Die Ingenieure waren von ihrer Erfindung so überzeugt, dass sie beschlossen, sie selbst auf den Markt zu bringen. Sie holten die Volkswirtschaftlerin Michaela Wachtel ins Boot und gründeten im Februar 2016 die Watttron GmbH. Bis September 2017 erhalten sie Fördermittel aus dem EXIS-Forschungstransfer des Bundesforschungsministeriums.

Das Gründerteam der Watttron GmbH

Das Gründerteam der Watttron GmbH: Ronald Claus, Michaela Wachtel, Marcus Stein und Sascha Bach (v. l.). vom Institut für Verarbeitungsmaschinen und Mobile Arbeitsmaschinen der TU Dresden.

Quelle: Watttron

„Eigentlich hatten wir nicht vor, eine Firma zu gründen“, sagt Marcus Stein, der jetzt kaufmännischer Geschäftsführer ist. Aber nun wollen die vier richtig durchstarten, sich im Oktober auf der Kunststoffmesse „K“ in Düsseldorf als Start-up präsentieren, im nächsten Frühjahr die Messe „Interpack“ zur Kundenakquise nutzen. Gute Argumente haben sie. Einsparungen von 10 bis 30 Prozent beim Material und 30 Prozent bei der Energie seien drin, sagt Marcus Stein. Den Heizer haben sie inzwischen so weiterentwickelt, dass er wie ein Lego-System aus einzelnen Platten zusammengesetzt werden kann. Das erleichtere nicht nur die Umrüstung der Maschinen auf andere Verpackungen, sondern auch Wartung und Reparaturen. Ein wichtiger Punkt, denn deutsche Maschinenbauer hätten Exportquoten bis zu 80 Prozent.

Neben der Herausforderung, die Heizsysteme für jahrelange Beanspruchung rund um die Uhr fit zu machen, haben die Gründer auch weitere Innovationen im Blick. Die Heizpixel sind gleichzeitig Sensoren, die ihre eigene Temperatur dokumentieren. Das, so Markus Stein, sei für die Pharmaindustrie interessant, die bislang die Einhaltung enger Grenzwerte für die Erhitzung verwendeter Verpackungsmaterialien nur schwer überprüfen könne. Angesichts der exakten Steuerbarkeit der Temperatur wollen sich die Erfinder jetzt auch an die Verarbeitung biologisch abbaubarer Kunststoffe wagen. Und sie planen einen kontaktlosen Heizstrahler, der die Herstellung von PET-Flaschen optimieren soll.

Für all diese Pläne benötigt die junge Firma Geld, Platz und weitere Mitarbeiter. „Erst einmal wollen wir schnell eine studentische Hilfskraft und einen Techniker oder Entwickler einstellen“, sagt Michaela Wachtel. Aber in fünf Jahren soll die Firma 30 Angestellte haben. Noch für dieses Jahr ist der Umzug in neue Räume nach Freital geplant, wo es bereits ein Versuchslabor gibt. Auf der Suche nach Investoren soll auch die Teilnahme am Futuresax-Ideenwettbewerb helfen. Internet-Nutzer können dort noch bis zum 15. Mai Watttron und über 60 weiteren Teams ihre Stimme für den Online-Sonderpreis geben.

www.futuresax.de

Von Holger Grigutsch

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