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Was würde Knigge sagen? - Benimmkurse für Kinder

Was würde Knigge sagen? - Benimmkurse für Kinder

typisch Pubertät - ein Problem mit der unförmigen Kochschürze. Für die beiden 13-jährigen Mädchen ist gutes Aussehen lebenswichtig.

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Karen Hammer leitet einen Kochkurs für Teenager. Sie coacht seit fünf Jahren mit «erlebnissimo» Kinder und Jugendliche in Kochen und Benehmen.

Quelle: dpa

Antonia und Hannah haben. Energisch zieht Hannah ihren Pullover herunter, so dass wenigstens die Schultern frei liegen. Antonia nimmt den Zopfgummi aus ihren braunen Haaren und schüttelt sie kopfüber. Dann machen sie das Foyer des Dresdner Kochloft kurzzeitig zum Laufsteg. Dabei sind sie mit der Klasse zum Benimmkurs à la Knigge da.

Sieben Jungs haben sich unterdessen schon einen Platz an der frei stehenden Arbeitsfläche gesichert, auf der Bretter und Schüsseln bereit stehen. Konzentriert sind auch sie noch nicht. Jacob rempelt Luis an, der schubst zurück. Karen Hammer runzelt kurz die Stirn. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin soll mit den Teenagern aus der Montessorischule ein Menü zusammenstellen und ihnen wichtige Regeln bei Tisch beibringen. Die 38-Jährige hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und coacht seit fünf Jahren mit „erlebnissimo“ Kinder und Jugendliche in Kochen und Benehmen.

„Diese Kurse sind extrem wichtig, weil richtiger Umgang oft im Alltag untergeht“, sagt sie. „Ein gemeinsames Kochen und Zusammensitzen bei Tisch gibt es in vielen Familien wegen Zeitmangel oder Tiefkühlessen nicht mehr.“ Bevor es losgeht erklärt Hammer den Teenies, wie ein scharfes Messer richtig von einem Ort zum anderen zu tragen ist: mit der Klinge nach unten vor dem Bauch. Sofort ignoriert Johann die Anweisung und fuchtelt mit dem Messer in der Gegend herum. Hammer muss sehr laut sprechen, um den Lärm der Jugendlichen zu übertönen, als sie das geplante Menü verkündet: frühlingshaft, mit Zutaten der Saison.

Zum Hauptgang sollen es gesunde Burger mit viel Gemüse sein. Burger finden die Jungs cool - Gemüse eher nicht. Im Benimm- und Kochkurs lernen die elf Schüler der Montessorischule gesund zu kochen, aber auch wichtige Regeln bei Tisch. Arbeitsteilung ist ein wichtiger Tipp. Während Oskar aus Karotten kleine Blüten schnitzt, decken die Mädchen den Tisch. Gabel links, Messer rechts, die Servietten ordentlich auf die Teller, Stühle heranschieben. Hans-Michael Klein, Vorsitzender der Deutschen Knigge Gesellschaft, sieht ein klares „Defizit“ in Sachen Benehmen bei Kindern und Jugendlichen.

Ab den späten 60er-Jahren galten viele Umgangsformen als verdächtig und unauthentisch, wie er sagt. „Dadurch fehlt den jungen Leuten etwas Wichtiges bei Bewerbungsgesprächen, im Beruf oder beim ersten Date.“ Firmen laden gern zum Essen ein, um die Manieren des Bewerbers zu testen, berichtet Hammer den Jugendlichen. „Da muss man wissen, was man sagt, wenn das Essen nicht schmeckt.“ Mit einem „Danke“ am Satzanfang könne man durchaus auch sagen, was man von dem Essen hält. Das probieren die Jugendlichen prompt aus. „Danke, es schmeckt nicht“ wird jeder Probierbissen beim Gemüse-Schnibbeln kommentiert. „Manchmal habe ich das Gefühl, alles, was sie bis zur Kindheit wissen, haben sie in der Pubertät vergessen“, sagt Klassenlehrerin Ivonne Fichte-Schnabel. Benehmen lernen sie am Besten durch Reflexion von Fremden.

Benimmkurse bietet auch die Deutsche Knigge Gesellschaft bundesweit an - dabei zweimal im Jahr für etwa zehn Teilnehmer in Leipzig. Das Interesse ist im Süden größer als im Norden und Osten. Kinder seien spielerisch gut formbar und nähmen viel aus den Kursen mit, berichtet Hammer. Auch die Teenies sitzen nach zwei Stunden brav mit ernstem Blick vor ihren Vorspeisetellern mit den Früchten ihrer Arbeit: Brötchen, Salat und gebackene Eier. Die Rücken sind durchgestreckt, die Augen auf Hammer gerichtet, die Hände liegen ordentlich an der Tischkante. „Wer wünscht guten Appetit?“, fragt die Expertin.

Ratlosigkeit. „Immer der Gastgeber“, antwortet Hammer sich selbst. Ihre Zöglinge kauen langsam und schweigend vor sich hin. Das aber ist Hammer zuviel. Knigge war für gutes Benehmen, aber ebenso für Geselligkeit und Natürlichkeit, mahnt sie. „Reden ist okay, nur nicht mit vollem Mund.“

Lisa Neugebauer, dpa

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