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Was wird aus der Gläsernen VW-Manufaktur in Dresden?

Der letzte Phaeton Was wird aus der Gläsernen VW-Manufaktur in Dresden?

Das VW-Flaggschiff Phaeton versinkt ruhmlos in den Fluten der Autogeschichte. In wenigen Tagen – dem Vernehmen nach am 18. März – rollt in der Gläsernen Manufaktur von VW Dresden der letzte der Luxusliner vom Band. 300 der 503 Mitarbeiter pendeln danach für ein Jahr an andere Standorte.

Quelle: dpa

Dresden, Dresden, Dresden.  Der Phaeton ist so gut wie Geschichte. In einer Woche – am 18. März – rollt das vorerst letzte Exemplar der glücklosen Luxuslimousine in der Gläsernen VW-Manufaktur in Dresden vom Band. Die Wiederkehr als Elektromodell im Jahr 2019 ist Beschlusslage, doch Europas größter Autokonzern kämpft mit seiner Abgaskrise. Und das versieht Gewissheiten eher mit dicken Fragezeichen.

Dies wiederum treibt die gut 500 Mitarbeiter der Manufaktur durchaus um. Obwohl nach Informationen aus dem Werk klar ist, dass mindestens 300 von ihnen für ein Jahr in andere VW-Standorte pendeln – die meisten nach Zwickau – und danach in der umgebauten Manufaktur verschiedene Premium-Modelle der Volkswagengruppe montieren, hält sich eine gewisse Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft des Dresdner Standortes.

Fertigungs- und Erlebniswelt

Die Homepage der Manufaktur erfreut Besucher Mit folgender Ansprache bereit: „Vorsorglich möchten wir darauf hinweisen, dass die Fertigung des Phaeton im Frühjahr 2016 nach vierzehn erfolgreichen Jahren ausläuft und die Gläserne Manufaktur danach in eine Umbauphase startet. Das Haus bleibt jedoch für Besucher, Veranstaltungen und Fahrzeugauslieferungen geöffnet. Die Führungen werden in der gewohnten Qualität organisiert und durchgeführt. An den Inhalten wird bereits mit Hochdruck gearbeitet. Auf der Agenda stehen vor allem automobile Themen der Zukunft.“

Das klingt noch nicht nach einem Top-Plan für die schillernde und oft gepriesene „Kombination aus Fertigungsstätte und Erlebniswelt“ am Rande des Großen Gartens. Doch immerhin: Auch VW-Markenchef Herbert Diess hatte den Dresdner Beschäftigten versichert, dass die Manufaktur fester Bestandteil der Volkswagen-Familie bleibt. „Keiner der Kollegen wird seinen Arbeitsplatz verlieren“, heißt es aus der Konzernzentrale.

Seit 2002 hat der VW-Konzern seine Oberklasse-Limousine in der von Gunter Henn entworfenen Gläsernen Manufaktur gefertigt

Seit 2002 hat der VW-Konzern seine Oberklasse-Limousine in der von Gunter Henn entworfenen Gläsernen Manufaktur gefertigt. Nun rollt im März der letzte Phaeton vom Band.

Quelle: dpa-Zentralbild

Pause für die blaue Güterstraßenbahn

Als die Manufaktur am Rande des Großen Gartens im Dezember 2001 mit viel Pomp im Beisein des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder eingeweiht wurde und im März 2002 an den Start ging, hoffte VW-Patriarch Ferdinand Piëch noch, rasch 20 000 der Nobelkarrossen pro Jahr auf den Markt werfen zu können. Die Realität war ernüchternd. Im Spitzenjahr 2011 produzierte VW in Dresden 11 166 Phaeton, gut 70 Prozent davon für den chinesischen Markt. 2014 waren es noch etwas mehr als 4000, dann 1410. Zuletzt wurden neben ein paar Bentleys täglich nur noch vier der VW-Luxusautos zusammengebaut.

Was auch zur Folge hatte, dass die zwei blauen Güter-Straßenbahnen, die seit fast 15 Jahren Bauteile durch die Stadt befördern, deutlich seltener zu sehen waren. Nun werden sie wohl für mindestens ein Jahr eingemottet. Bis klar ist, was genau künftig in dem Glaspalast montiert wird.

Die blaue Güterstraßenbahn beförderte die Bauteile für die Luxusautos vom Stadtrand ins Zentrum zur Gläsernen Manufaktur

Die blaue Güterstraßenbahn beförderte die Bauteile für die Luxusautos vom Stadtrand ins Zentrum zur Gläsernen Manufaktur. Sie wird nun wohl für ein Jahr pausieren.

Quelle: DNN

Der Phaeton war – zumindest der Preisliste nach – das teuerste VW-Modell. Mit einem 335 PS starken 4,2-l-V8 kostete er mindestens 89 650 Euro, in der Langversion 98 550 Euro. Dass am Ende Dumpingpreise Kunden lockten, ist ein offenes Geheimnis. Das für 2016 avisierte Nachfolgemodell fiel den Querelen an der VW Spitze zum Opfer, der Abgasskandal tat ein Übriges. Die Wiederauferstehung als Elektro-Version wurde auf 2019 vertagt.

Um den chinesischen Markt nicht zu verlieren, schiebt VW dort den „Phideon“ also neue Chauffeurs-Limousine in die Modellpalette. Der bedient das Segment zwischen Passat und Phaeton und wird vom dritten Quartal an bei VW im chinesischen Anting gebaut. Der Name ist inspiriert von Fides, der römischen Treue-Göttin. Dass er dem Namen nach dem Phaeton nicht unähnlich ist, dürfte Kalkül sein.

Live-Show hinter Glas

Die Zukunft des Phaetons mit Elektroantrieb passt sowohl zur wachsenden Nachfrage in den USA und China als auch zum künftigen Konzernfokus auf die E-Mobilität. Für die Interimsphase bis 2019 stellte Markenvorstand Herbert Diess den Dresdnern in Aussicht, dass teure Premiummodelle von Audi oder Porsche in Dresden montiert werden, auch mehr Bentleys seien eine Option. Beschlüsse dazu fehlen noch.

Wann also die Besucher der Manufaktur den rund 300 Mitarbeitern wieder bei der Montage von Premiumwagen zusehen dürfen, ist offen. Klar ist: Das Interesse an der Live-Show hinter Glas und auf kanadischem Bergahorn-Parkett ist groß: Im vergangenen Jahr kamen 145000 Gäste – so viele wie noch nie und rund ein Drittel mehr als im Jahr zuvor.

Letzter Kunde ein Chinese

Wahrscheinlich noch eine Woche lang arbeitet man im Werk die offenen Phaeton-Aufträge ab. Der letzte VW-Luxusliner entsteht nach Angaben von Manufaktur-Sprecher Carsten Krebs – wie fast nicht anders zu erwarten – für einen Kunden aus China.

Von Barbara Stock

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Parole „Sparen auf Sicht“
Im gläsernen Turm der Volkswagen Gläserne Manufaktur in Dresden (Sachsen) ist am 03.03.2016 nur ein einziger Bentley zu sehen. Mit dem Phaeton wollte VW die Oberklasse erobern. 2001 bei der Eröffnung der Gläsernen Manufaktur in Dresden war die Zuversicht noch groß. Doch erst blieb der Erfolg aus und dann kam auch noch die Abgas-Krise.

Mit dem Phaeton wollte VW die Oberklasse erobern. 2001 bei der Eröffnung der Gläsernen Manufaktur in Dresden war die Zuversicht noch groß. Doch erst blieb der Erfolg aus, und dann kam auch noch die Abgas-Krise. In wenigen Tagen ist das Kapitel endgültig Geschichte.

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