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Wann ist ein Mann ein Mann? - Drei Dresdner setzen sich für ein neues Männerbild ein

Wann ist ein Mann ein Mann? - Drei Dresdner setzen sich für ein neues Männerbild ein

Im Garten in Dresden-Lockwitz ist es ruhig. Das einzige, was man hört, ist Vogelgesang, hin und wieder fährt hinter dem Haus ein Bus vorbei. Unter einem Apfelbaum sitzen drei Männer, umgeben von einem Kräuterbeet, Sträuchern und einer Feuerstelle.

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Setzen sich für ein neues Männerbild ein: Manfred Richter, Frank-Ole Haake und Stephan Brücker (v.l.) vom Männerteam Dresden.

Quelle: Dietrich Flechtner

Sie wählen ihre Worte bedächtig, ihnen ist das Thema zu wichtig, um einfach drauflos zu sprechen. Eine Herzensangelegenheit, das merkt man schnell. Es geht um das Thema Mannsein, um Männlichkeit, um die Rolle des Mannes in der heutigen Gesellschaft. Immer mehr Männer, Väter und Söhne fragen sich, wer sie wirklich sind. Was sie leisten müssen. Was sie als Mann ausmacht. Wahre Identität, ohne vorgegebene Rollen. Manfred Richter, Stephan Brücker und Frank-Ole Haake gehören dazu. Sie haben sich 2011 zusammengefunden und das Männerteam Dresden gegründet.

"Kinder, Karriere, Haus: Heute funktioniert man nur noch. Es fehlt der Raum, sich selbst zu entdecken. Dafür sollen Männer sensibilisiert werden", erklärt Frank-Ole Haake, Männer-Coach und Künstler, das Ziel ihrer Arbeit. "Männer leben in Rollenerwartungen und diese Rollen werden ganz selbstverständlich übernommen", ergänzt Stephan Brücker. "Dabei verliert man aber den Kontakt zu sich selbst, zur Natur, zu dem, was eigentlich in uns ist."

Durch die immer schneller werdende Gesellschaft fehlen in der Tat Ruhe und Zeit für sich selbst. Man muss verfügbar sein, es herrscht ein ständiger Druck. Nicht nur im Büro, sondern auch zu Hause. Ohne Reflektion seines Handelns lässt man alles geschehen, fügt sich den Anforderungen - und vergisst, wer man ist, was man eigentlich wollte. "Kinder haben oft Bilder und Wünsche, wohin sie wollen", so Stephan Brücker, Arzt und Psychotherapeut. "Erwachsene dagegen denken in Lebensplänen."

Als Mann sei es besonders wichtig, sich in solchen Lebensfragen an das gleiche Geschlecht zu wenden. Männer unter sich lassen mehr zu, tauschen sich eher über die eigenen Verletzungen und Enttäuschungen aus. Männer haben andere Bedürfnisse, andere Ansichten. Alle drei sprechen sich daher auch dafür aus, dass mehr Männer in Kitas und Schulen arbeiten. "Aber da hat sich schon viel getan", bemerkt Manfred Richter. "Das ist auf einem guten Weg."

Besonders der Mann als Vater hat eine wichtige Funktion. "Nur ein Mann kann den Sohn beim Mannwerden begleiten", so Manfred Richter. Die Beziehung, die zwischen Vater und Sohn, aber auch zwischen Vater und Tochter besteht, sei einzigartig, so der Diplom-Ingenieur weiter. "Auch die Frage nach dem Verhältnis zum eigenen Vater hilft oft weiter. Man muss sich mit seinem Vater auseinandersetzen und versuchen, aus der Erkenntnis zu lernen, wenn man selbst Kinder hat."

Aber wie wird der Mann nun zum Mann? Dabei helfen nicht nur Treffen und austauschende Gespräche untereinander, es gibt auch noch einen weiteren Ansatz: die Initiation. Auch dieses Jahr findet wieder ein Zusammenkommen von Männern statt, die unsicher oder unzufrieden mit ihrer Rolle sind und ihre eigene Identität erfahren wollen. Vom 4. bis zum 8. September treffen sich die Teilnehmer in Nordbayern. Manfred Richter ist Mitorganisator des diesjährigen Treffens, das nach den Prinzipien Richard Rohrs durchgeführt wird. Richard Rohr, amerikanischer Franziskanerpater, ist Pionier auf dem Gebiet der christlichen Männerbewegung. "Für eine Initiation muss man bereit sein", meint Manfred Richter. "Gewisse Erfahrungen im realen Leben müssen vorhanden sein."

Bei der Initiation werden die Männer mit Fragen konfrontiert, verbringen Zeit in großen oder kleineren Gruppen und mit sich selbst in der Natur. "Dort ist eine Gemeinschaft von Männern, auf die ich mich verlassen kann", beschreibt Frank-Ole Haake seine Erfahrungen bei der Initiation. Der offene Begegnungsraum für Männer, die tiefgreifenden, ehrlichen Gespräche, "ein Ort, als Mann unter Männern zu sein - das ist immer wieder toll", so Stephan Brücker.

Aber auch in Dresden versuchen Manfred Richter, Frank-Ole Haake und Stephan Brücker ihren Zielen auf diesem Gebiet gerecht zu werden. Stephan Brücker veranstaltet Ende Juni ein sogenanntes Achtsamkeitswochenende unter dem Titel "Raus aus allen Rollen - hin zur eigenen Mitte". Dieses Wochenende sieht er als einen möglichen ersten Schritt vor einer Initiation. Frank-Ole Haake bietet regelmäßig Workshops mit dem Thema "Die Kraft der eigenen Grenze" an.

Im Gespräch mit dem Männerteam Dresden wird ersichtlich, dass das Gebiet der Männerarbeit größer als erwartet ist. So viele Ideen, so viele Ansätze, so viele Themen. Aber für alle drei ist klar, dass das für sie erst der Anfang ist. Der Anfang eines langen, aber lehrreichen Weges.

iFragen an das Männerteam Dresden per Mail an: maennerteam-dresden@gmx.de;

Infos und Anmeldung zur Initiation unter www.maennerpfade.org. Die Anmeldefrist wurde bis zum 30. Juni verlängert.

Fragen und Anmeldung zum Achtsamkeitswochenende unter s.bruecker@live.de; Homepage mit allen Angeboten von Frank-Ole Haake unter www.ole-bildermensch.de

Annette Thoma

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