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Wandel der Bestattungskultur

Totensonntag Wandel der Bestattungskultur

Die Familie wohnt am anderen Ende des Landes und die Angehörigen in der Nähe haben auch keine Zeit. Das ist oftmals die Begründung von Menschen, warum sie sich anonym, beziehungsweise in einem Gemeinschaftsgrab bestatten lassen wollen.

Der Johannisfriedhof in Dresden
 

Quelle: Carola Fritzsche

Dresden.  Die Familie wohnt am anderen Ende des Landes und die Angehörigen in der Nähe haben auch keine Zeit. Das ist oftmals die Begründung von Menschen, warum sie sich anonym, beziehungsweise in einem Gemeinschaftsgrab bestatten lassen wollen.

Auf den Dresdner Friedhöfen finden jährlich im Durchschnitt 5 600 Beisetzungen statt. Fast die Hälfte davon in Gemeinschaftsgräbern und anonym. Lediglich 11 Prozent sind Erdbestattungen, 42 Prozent Urnenbestattungen in Einzel- oder Familiengräbern, 20 Prozent Urnenbestattungen in Gemeinschaftsgräbern mit einem gemeinsamen Grabstein und Namensnennung und 27 Prozent der Menschen werden in einer anonymen Urnengemeinschaftsanlage beerdigt.

Die Auswahl an Beisetzungsstätten ist in Dresden also sehr groß. Einen Unterschied gibt es dennoch. Kommunale Friedhöfe bieten große anonyme Gemeinschaftsgräber an. Friedhöfe in kirchlicher Trägerschaft lehnen diese Form ab, da sie es nicht als eine würdige Bestattung ansehen.

Der Friedhofspfleger der ev.-luth. Landeskirche Sachsen, Jens Atmanspacher, besuchte am vergangenen Sonntag die Podiumsdiskussion auf dem Annenfriedhof zum Thema „Zwang oder Freiheit – Brauchen wir noch Friedhöfe?“. Der Wandel der Bestattungskultur war hier das zentrale Thema. „Ich würde eher von einem Verfall der Bestattungskultur reden, wenn mittlerweile auf vielen Friedhöfen – vor allem den kommunalen – die überwiegende Zahl der Beisetzungen in anonymen Massengräbern – nicht anderes sind die meisten Gemeinschaftsgräber – erfolgt. Diesen Umgang mit ihren Verstorbenen kann man wohl auch kaum im positiven Sinne als Errungenschaft einer modernen Zivilisationsgesellschaft bezeichnen“, meint Atmanspacher dazu.

An diesem Nachmittag stellte sich auch die Frage, ob der sogenannte Friedhofszwang gelockert werden sollte. Das würde unter anderem bedeuten, Hinterbliebene dürften die Urne mit nach Hause nehmen. Lediglich Andy Meyer, Geschäftsführer der VENERO GmbH, sprach sich dafür aus. „Es sollte jedem das ermöglicht werden, was er haben möchte, und man sollte alternative Bestattungsformen nicht verwehren, nur weil es schon seit tausenden von Jahren so ist“, begründet er seinen Standpunkt.

Doch die Friedhöfe haben bereits jetzt mit vielen Freiflächen zu kämpfen. Lara Schink vom Verband der Annenfriedhöfe Dresden bezeichnet es sogar als „Verramschung der Friedhofskultur“, wenn der Zwang gelockert werden würde. Die Trauerbegleiterin Sabine Frank erzählt aus Erfahrung, dass Angehörige einen Platz zum Trauern benötigen. Vor allem das „Kommen und Gehen können“ sei wichtig. „Das Verlassen der Grabstätte ist nicht möglich, wenn die Urne zu Hause im Schrank steht“, erklärte sie. Das kann auch Atmanspacher bestätigen. „Friedhöfe berichten mir regelmäßig von Nachfragen nach einer symbolischen Grabstätte, da diese beispielsweise aufgrund einer Seebestattung fehlt“, erzählt er.

Oberste Priorität sei es, mit der Familie über Bestattungswünsche zu sprechen. Und zwar früh genug, da sind sich alle Teilnehmer einig. Sabine Frank erinnert an die Notwendigkeit einer Grabstätte zur Trauerbewältigung. „Die Prioritäten ändern sich und die Zeit für die Grabpflege wird sich genommen“, sagt sie aus Erfahrung. Eine Auswahl der Grabstätte zu Lebzeiten ist jederzeit möglich.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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