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Wachdienst soll Flüchtlinge in Dresdner Asylheim besser schützen

Wachdienst soll Flüchtlinge in Dresdner Asylheim besser schützen

Die Kontrollen im Asylheim Niederpoyritz werden verstärkt. Ab dem 23. April soll auch nachts ein Wachdienst in dem Gebäude und auf dem Grundstück an der Pillnitzer Landstraße patrouillieren.

Das bestätigte Betreiber Robert Jaudes von der Jaudes BauBoden GmbH & Co. KG gestern bei einem Vor-Ort-Termin. Erst Ende März waren in dem Heim, das auch unter dem Namen Gustavheim bekannt ist, zwei 29 und 37 Jahre alte Tunesier aufeinander losgegangen, die sich im Streit Schnittwunden zufügten und die Knochen brachen (DNN berichteten).

Begrüßt wurde der Schritt vom sächsischen Ausländerbeauftragten Martin Gillo (CDU). "Ich befürworte den Wachdienst. Wir müssen zeigen, dass das Heim ein sicherer Aufenthaltsort für Flüchtlinge ist", so Gillo. Überbewerten wollte Robert Jaudes den Vorfall trotzdem nicht: "Zum einen war die Körperverletzung eines von lediglich zwei Ereignissen in den vergangenen zwei Jahren. Zum anderen ist es bei der großen Anzahl von Menschen, die in dem Heim leben, normal, dass es auch mal Auseinandersetzungen gibt." Oftmals seien es nur kleine Kabbeleien ohne Verletzungsabsicht, bei denen halt "gerade ein Brotmesser in der Nähe gewesen" sei. Hinzu käme auch Frust über die Lebensumstände. "Viele Asylbewerber kommen aus gut situierten Familien und sind dann enttäuscht, wenn sie ihr Zimmer mit drei Personen teilen müssen und obendrein selbst dafür verantwortlich sind, Ordnung zu halten", sagt Jaudes. Erschwert wird die Situation zusätzlich durch kulturelle Konflikte.

"Beim Belegungsmanagement achten wir zwar auf Aspekte wie Religion, Geschlecht oder Alter, aber manchmal zeigt sich erst im Alltag, ob die Menschen miteinander klar kommen", sagt die Leiterin des Dresdner Sozialamtes, Susanne Cordts. Dass das Aggressionspotenzial beträchtlich ist, beweisen die zahlreichen Sachbeschädigungen im Haus. "Pro Jahr müssen etwa 90 bis 100 Glasscheiben ausgetauscht werden. Aus der Not heraus haben wir seit anderthalb Jahren eine eigene Glaserei", berichtet Robert Jaudes.

Ähnliche Probleme gibt es mit anderen Schönheitsreparaturen. Nach Angaben des Betreibers würden beispielsweise frisch gestrichene Wände manchmal bereits nach wenigen Wochen wieder unansehnlich aussehen, weil jemand im Streit seinen Kaffee dagegen schmeißt. Besonders schwierig ist die Lage im Haus 2 des Heimes, wo überwiegend einzelne Männer leben. In Haus 1 mit seinen sieben Familien und 14 Kindern geht es hingegen deutlich harmonischer zu. Trotzdem ist auch hier die Betreuung durch Sozialarbeiter sehr wichtig.

"Damit wir uns noch intensiver um die Heimbewohner kümmern kön- nen, wird ab sofort unsere Sozialarbeiterin Dr. Ingrid Blankenburg nicht nur einmal, sondern zweimal pro Woche ihre Sprechstunde im Heim abhalten", sagt Sozialamtsmitarbeiter Frank Bauer. Die Flüchtlinge, die unter anderem aus Serbien, Mazedonien oder Nordafrika kommen, sollen so noch wirkungsvoller integriert und unter anderem an Deutsch-Sprachkurse herangeführt werden.

Viel vorgenommen hat sich Heimbetreiber Robert Jaudes, der noch bis Ende 2015 einen Vertrag mit der Stadt hat und für jeden der 73 Bewohner sechs bis zwölf Euro pro Tag bekommt, auch für die Außendarstellung des Heims. "Ich werde in Zukunft verstärkt das Gespräch mit der Loschwitzer Ortsamtsleiterin Sylvia Günther suchen, damit wir die Sorgen der Anwohner, die sich häufig an sie wenden, noch besser aufgreifen können", so Jaudes. Sehr lange wird dieser Dialog aber voraussichtlich nicht mehr dauern. Es zeichnet sich ab, dass die Stadt den Mietvertrag Ende 2015 auslaufen lässt. "Das Wohnheim hat seine besten Jahre gesehen. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, den Mietvertrag nochmals zu verlängern", sagt Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos).

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.04.2014

Hönigschmid, Stephan

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