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Vorwurf der Veruntreuung gegen Dresdner Tafelchef

Verträge mit eigenem Unternehmen Vorwurf der Veruntreuung gegen Dresdner Tafelchef

Der Chef der Dresdner Tafel, Andreas Schönherr, sieht sich immer größerer Kritik ausgesetzt. Jetzt ist gegen ihn Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt worden. Klagen vor dem Amts- und Arbeitsgericht sollen folgen.

Andreas Schönherr
 

Quelle: DNN/Archiv

Dresden.  Der Chef der Dresdner Tafel, Andreas Schönherr, sieht sich immer größerer Kritik ausgesetzt. Jetzt hat der Dresdner Rechtsanwalt Mustafa Moussa im Auftrag von zwei ehemaligen Mitarbeitern Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Der Vorwurf: Schönherr soll mutmaßlich Gelder veruntreut und sich über die Satzung des Vereins hinweggesetzt haben.

In insgesamt 19. Punkten sieht Moussa Vergehen oder zumindest Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung. So hat der dreiköpfige Vorstand der Tafel immer wieder Aufträge an Schönherrs eigenes Unternehmen K.f.M vergeben. Das wiederum trat teils als Vertragspartner für andere Dienstleister auf. So flossen über K.f.M 9000 Euro an die IT-Firma „greenscale“ aus Chemnitz, die für die Tafel den Prototyp eines Dokumentenmanagementsystems entwickelt hat. Im Rahmen einer Veranstaltung am 29. Juni diesen Jahres stellte K.f.M eine Flasche Helium sowie Deko und Farbe für 511,70 Euro zur Verfügung, um nur einige Beispiele zu nennen.

Problematisch sieht Moussa auch die Vergabe von Krediten durch den Verein an Schönherr. In den vergangenen eineinhalb Jahren sollen zinslose Darlehen über rund 12200 Euro an Schönherr ausgezahlt worden sein. Hinzukommen rund 2.200 Euro, die Schönherr der Tafel noch aus dem Abkauf eines Autos schuldet. Einige dieser Verträge sollen nach dem Ausscheiden des dritten Vorstandsmitgliedes Klauspeter Meyer, alleine von der stellvertretenden Vorsitzenden Anja Hoke gezeichnet worden sein. Laut Satzung der Tafel sind zwei Unterschriften der drei Vorstände für einen Vertragsabschluss notwendig. Moussa hält es auch für möglich, dass Schönherr deshalb in Einzellfällen mit seinen eigenen Unternehmen Verträge geschlossen hat, was sich mit dem deutschen Recht nicht vereinbaren lässt. „Herr Schönherr verwaltet nicht sein eigenes Vermögen. Die Verquickungen zwischen seinem Amt und seinem Unternehmen sind nicht zulässig“, erklärt Moussa die Anzeigen, die er gegen Schönherr gestellt hat.

Der Anwalt fährt weitere schwere Geschütze auf. Zwei Mitarbeiter, die jüngst von Schönherr geschasst wurden, klagen vor dem Arbeitsgericht gegen die Entlassung. Sie gehören zu einer Gruppe im Verein, die seit Monaten gegen den Tafel-Chef opponiert. Stein des Anstoßes waren Parties mit elektronischer Musik und Familiennachmittag am Wochenende, die Schönherr eingeführt hat, um beispielsweise Studenten und Bedürftige zusammenzubringen. Der Haken: Um das Konzept nicht zu gefährden, wurde keine Prüfung der Hilfsbedürftigkeit bei der Ausgabe von Essen durchgeführt (DNN berichteten).

Auch vor dem Amtsgericht könnte Schönherr bald erscheinen. Als rund ein Fünftel der 200 Vereinsmitglieder der Satzung der Tafel entsprechend eine außerordentliche Mitgliederversammlung am 30. November einberiefen – offensichtlich um ihn zu stürzen – reagierte Schönherr und berief ebenso eine Versammlung am 23. November diesen Jahres ein. „Es gilt zu vermuten, dass Schönherr die erste Sitzung nutzen wird, um seine Position im Verein zu sichern – etwa in dem er neue Mitglieder aufnimmt und sich unliebsamen entledigt“, erklärt Moussa und kündigt an, „dagegen werden wir vorgehen“.

Schönherr selber sieht in den Klagen und Anzeigen einen Angriff auf seine Person durch eine Minderheit im Verein: „Das hat alles keine strafrechtliche Relevanz und dient nur dazu, mich loszuwerden“, sagt Schönherr und erklärt, „dass mein Unternehmen als Vertragspartner für Dritte auftritt, hat rein pragmatische Gründe und dient der leichteren Abwicklung. Mit den Darlehen, die mir ausgezahlt wurden, haben wir schnell und unkompliziert Menschen geholfen, die sonst ihre Wohnung verloren hätten. Ich habe nie einen Vorteil aus meinem ehrenamtlichen Engagement bei der Tafel gezogen, aber durchaus die Konzeption des Vereines und unserer Arbeit verändert, was vielen nicht passt“. Dass nun ein Anwalt eingeschaltet worden ist, sei das letzte Aufbäumen der Kritiker. Seit er das Steuer bei der Tafel im Mai vergangenen Jahres übernommen hat, sei die „Härte“ im Umgang mit den Menschen verschwunden, so der Tafel-Chef. Er und der Großteil der Ehrenamtlichen und Bedürftigen hätten nun Angst, dass wieder zum alten Modus zurückgekehrt wird, so Schönherr.

Von Hauke Heuer

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