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Vortragsreihe im Hygienemuseum: Wenn die eigenen Kinder hilflos machen

Vortragsreihe im Hygienemuseum: Wenn die eigenen Kinder hilflos machen

Professor Gahr: Das ist nicht die Frage. Doch junge Eltern wohnen in unserer mobilen Gesellschaft oft weit von ihren eigenen Eltern. Sie können also die langjährige Erfahrung ihrer Familie nicht nutzen.

DNN: Professor Gahr, warum braucht es die Kinderhilfe? Sind Mütter und Väter heute nicht mehr imstande intuitiv das Richtige zu tun?

Dazu kommt, dass es viele alleinerziehende Mütter gibt, die auf sich selbst gestellt sind.

Sie wollen also sagen, dass junge Eltern ohne die Unterstützung der Familie aufgeschmissen sind?

Nein, das will ich nicht. Doch Familie vermittelt ein Urvertrauen. Den Ratschlägen der eigenen Mutter vertrauen viele junge Mütter mehr als Fachzeitschriften.

Junge Mütter und Väter sollten also doch auf ihre Eltern hören?

Nicht immer. Natürlich gibt es immer ein paar unsinnige Regeln. Wie zum Beispiel, dass Barfuß-Laufen schädlich ist. Doch im großen Ganzen bringen die eigenen Eltern Erfahrungen und Vertrauen mit, die sehr hilfreich sein können.

Die vielfältigen Hilfsangebote für junge Mütter sind also weniger wert als die Ratschläge der Eltern?

Sagen wir es so: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es junge Mütter und Väter gibt, die immer unsicherer werden, je mehr sie lesen. Das führt manchmal zu Verwirrung. Sind Eltern unsicher, können sie jedoch weniger auf ihre Kinder eingehen. Ein Teufelskreis. Langfristig besteht die Gefahr, dass die seelische Entwicklung der Kinder gestört wird und zum Beispiel Schreibabys psychische Störungen entwickeln.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen drastisch gestiegen. Hängt das damit zusammen?

Nicht nur. Viele Kinder haben heute gar nicht mehr die Möglichkeit, in einer kindgerechten Umgebung aufzuwachsen. Schon jung unterliegen sie einer Reizüberflutung durch Spielsachen und Lebensmittel. Der komplexe Mix kann sich zum Problem entwickeln.

Diesen Teufelskreis möchte die Dresdner Kinderhilfe durchbrechen?

Ja. Aufklärung ist das Wichtigste. In unserer Veranstaltungsreihe möchten wir Müttern und Vätern die Möglichkeit geben, sich medizinisch fundiert zu informieren. Wir machen auf spezifische Schwierigkeiten in den einzelnen Entwicklungsphasen aufmerksam, informieren über Hilfsangebote und diskutieren auch über das Für und Wider bestimmter Konzepte.

Die erste Veranstaltung informiert heute über die Präimplantationsdiagnostik (PID), die der Erkennung von Erbkrankheiten dient. Lange Zeit war sie sehr umstritten...

Das stimmt. Deswegen sprechen wir heute über die Möglichkeiten und die Grenzen dieser Untersuchung. Eltern sollten sich gewahr sein: Wenn sie sich für die PID entscheiden, müssen sie sich auch imstande fühlen, über Abtreibung und Weiterleben zu urteilen.

Warum ist die frühkindliche Entwicklung so wichtig?

In den ersten drei Lebensjahren eines Kindes werden die Fundamente für das ganze Leben gelegt. Hier können große Fehler gemacht werden. Über die Bedeutung der frühen Kindheit für die seelische Entwicklung des Individiums sprechen wir im März. Wichtige Fragen sind: Wie soll ich mit meinem Kind umgehen, wenn es viel schreit? Oder: Wie bekomme ich mein Kind ins Bett? Kinder wollen nie ins Bett gehen, sie testen immer alle Strategien. Für Kinder, die viel schreien gibt es mittlerweile "Schreiambulanzen", in denen Eltern geholfen wird.

Die Zeit nach der Einschulung ist die nächste schwere Periode für Kinder und Eltern. Warum?

Die Kinder müssen sich an einen neuen Rhythmus gewöhnen und in ein neues Umfeld eingliedern. Manchmal erleben Eltern auch, dass ihre Kinder nicht so klug sind, wie sie es sich immer erhofft haben. Das muss erst einmal verdaut werden. Oft sind damit Ängste vor dem sozialen Abstieg des Kindes verbunden. Wichtig ist aber, dass die Eltern ihr Kind so nehmen wie es ist. Nur unter diesen Bedingungen kann es sich optimal entwickeln. Über den Einfluss von Selbstvertrauen auf den Schulerfolg berichten wir im Mai.

Der letzte Teil der Vortragsreihe widmet sich dem Thema Pubertät...

Die Pubertät ist oft eine schwierige Zeit für Kinder und Eltern. Das größte Problem in dieser Phase sind Drogen, Alkohol und Schulverweigerung.

Sie haben die Kinderhilfe vor vielen Jahren gegründet. Warum?

Viele Kinder haben schwere chronische Krankheiten, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Ihnen und ihren Familien wollten wir helfen. Nachdem wir sehr viel Unterstützung erfahren haben, wollen wir mit den Vorträgen auch etwas zurückgeben - für gesunde und kranke Kinder.

Sie sind Opa von sieben Enkeln. Was raten Sie den Dresdner Müttern und Vätern?

Gelassenheit. Gelassenheit ist das wichtigste Prinzip. Damit kann sehr viel erreicht werden.

Nirgendwo in Deutschland werden derzeit so viele Kinder geboren wie in Dresden. Über 7000 Babys erblickten im vergangenen Jahr das Licht der Welt. Doch viele Eltern sind verunsichert. Ihnen fehlt die Unterstützung der Familie, die oft weit weg wohnt. Im Hygienemuseum startet heute die Vortragsreihe der Dresdner Kinderhilfe "Entwicklungsphasen der Kinder als Herausforderungen für die Eltern". Katrin Tominski sprach mit Professor Manfred Gahr, ehemaliger Leiter der Uni-Kinderklinik, warum es so wichtig ist, gelassen zu bleiben und welche Schwierigkeiten jungen Müttern und Vätern bevorstehen.

"-Eltern sein dagegen sehr - Entwicklungsphasen der Kinder als Herausforderungen für Eltern" heißt die vierteilige Vortragsreihe, die heute im Hygienemuseum in Kooperation mit der Dresdner Kinderhilfe e.V. beginnt.

> Heute, 20 Uhr, Marta-Fraenkel-Saal

Thema: -und wenn doch etwas ist? Möglichkeiten und Grenzen der Pränataldiagnostik

Referentin: Oberärztin Dr. med. Katharina Nitzsche von der Uniklinik Dresden, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

> 14. März, 20 Uhr, Marta-Fraenkel-Saal

Thema: Die Wurzeln des Ichs. Zur Bedeutung der frühen Kindheit für die seelische. Entwicklung des Individuums

Referent: Prof. Dr. med. Kai von Klitzing von der Uniklinik Leipzig, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie

> 15. Mai 2012, 19 Uhr

Thema: Das schaffst du! Der Einfluss von Selbstvertrauen auf den Schulerfolg

Referent: Prof. Dr. phil. Susanne Narciss von der TU Dresden, Institut für Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie

> 3. Juli, 19 Uhr, Marta-Fraenkel-Saal

Thema: Stürmische Zeiten. Die schwierigen Jahre der Pubertät

Referent: Prof. Dr. med. Veit Rössner; Uniklinik Dresden, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.01.2012

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