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Vor dem 13. Februar: 40 Dresdner "trainieren" in der Trinitatiskirche das Blockieren

Vor dem 13. Februar: 40 Dresdner "trainieren" in der Trinitatiskirche das Blockieren

Exakt eine Woche vor dem 13. Februar in Dresden hat das Bündnis Dresden-Nazifrei noch einmal eines der umstrittenen Blockadetrainings veranstaltet. Im Keller der Trinitatiskirche in Dresden-Johannstadt informierten sich mehr als 40 Personen über Wissenswertes rund um Blockaden.

Am vergangenen Wochenende hatte das Bündnis eigentlich auf dem Altmarkt eine ähnliche Veranstaltung durchführen wollen. Diese war vom Ordnungsamt aber aufgrund von scharfen Auflagen faktisch verboten worden. Die Auflagen waren auch vom Verwaltungsgericht Dresden mit der Begründung bestätigt worden, das Training sei geeignet "die öffentliche Sicherheit unmittelbar zu gefährden“.

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Mit rund 40 Teilnehmern hat Dresden-Nazifrei am Mittwochabend ein Blockadetraining veranstaltet.

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Die Sicherheit unmittelbar gefährden wollten die mehr als 40 Teilnehmer am Mittwochabend aber offensichtlich nicht. "Es ist mir ein Anliegen irgendetwas zu tun", sagte beispielsweise einer der älteren Personen vor Ort. Die Menschenkette, von ihm als "Händchenhalten" bezeichnet, reiche ihm nicht. Auch die anderen einte der Gedanke: Sich symbolisch in einer Kette um die Altstadt aufzustellen reicht nicht aus, um die Nazis aus Dresden zu vertreiben.

Dabei ist rund um den 13. Februar nichts so umstritten wie die Rechtmäßigkeit von Blockaden. Während das Bündnis Nazifrei sie als vom Grundgesetz geschützte Versammlung ansieht, urteilen Polizei, Justiz und Politik anders. Um juristische Fragen ging es dabei am Mittwochabend nur ganz am Rande. "Ich bin kein Anwalt", erklärt Anna, eine der beiden "Trainer" von Dresden-Nazifrei. Lediglich in den Erfahrungsberichten der Anwesenden wurden Konsequenzen angerissen und besprochen.

Von den Teilnehmern war nur eine junge Frau noch nie auf einer Demo, alle anderen hatten zumindest schon einmal protestiert oder sogar schon blockiert. Mit "Kennenlernen und ausprobieren" umschrieben die Trainer Anna und Paul den Abend. Es gab kleine Spiele zur Kommunikation, viele Erklärungen und auch einige praktische Übungen.

Immer wieder stellten beide klar: Zum einen soll von den Blockaden keine Gewalt ausgehen. "Wir fangen nicht an Steine zu schmeißen", betonte Trainerin Anna. Mit Blockaden seien außerdem nur Menschen gemeint - einem Barrikadenbau erteile Nazifrei eine klare Absage. Zudem sollten alle Interessenten selber darüber nachdenken, wie weit sie gehen wollen. Es sei keine Schande, sich selber Grenzen zu setzen und zu gehen, wenn es einem zu viel werde.

Drumherum gab es Organisatorisches: Welche Handzeichen gibt es, wie ist auf Demos und Blockaden die Kommunikation und die Mitsprache aller geregelt, was sollte im Rucksack stecken und was nicht? Pfarrer Christian Haustein, der sich das Training als "Hausherr" selber in Teilen ansah, war zufrieden. Er lobte die sehr offene Atmosphäre und wie bewusst Dresden-Nazifrei mit der Problematik umgehe.

Die Stadt hingegen hatte befürchtet, dass Nazifrei mit dem "Training" für Blockaden werbe. Bei einigen der meist jungen Menschen in der Trinitatiskirche hatten die Schilderungen aber sogar gegenteilige Effekte. Berichte von Räumungen durch die Polizei, Wasserwerfern oder Blockierer-Prozessen sorgten für manch sorgevolles Gesicht. Für Spaß sorgte hingegen die praktische Umsetzung. Nach und nach durfte jeder ausprobieren, wie man im Ernstfall weggetragen wird.

Dabei zeigte Nazifrei auch gezielt, wie man es den Polizisten schwer machen kann. Auch wenn es immer wieder hieß: "Versucht euch angemessen zu verhalten."

Die Aktivisten von Dresden-Nazifrei beruhigten letztlich: "Ich habe auch schon sehr viele nette Polizisten getroffen", berichtete beispielsweise Trainerin Anna. Wer Angst habe, solle im Ernstfall einfach "aufstehen und gehen". Am 13. Februar will das Bündnis Dresden-Nazifrei wie in den Vorjahren versuchen, den angemeldeten Nazi-Aufmarsch mit Blockaden zu verhindern oder zumindest zu verkürzen. Nachdem es am 19. Februar 2011 dabei zu Ausschreitungen kam, blieb es 2012 komplett friedlich.

Polizeichef Jochen Kroll hatte kürzlich angekündigt, dass er darauf setzt, dass es auch in diesem Jahr friedlich bleibt. Kroll sagte dabei zwar, dass er gegen Blockaden vorgehen werde, betonte aber auch, dass er seine Beamten nicht für Nazis kämpfen lasse. Eine Versammlung von 3000 Personen beispielsweise könne schlicht nicht geräumt werden - ein Umstand, auf den auch Dresden-Nazifrei setzt.

Stephan Lohse

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