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Vor allem kleine Firmen haben bei der Digitalisierung Nachholbedarf

Vor allem kleine Firmen haben bei der Digitalisierung Nachholbedarf

Die Eventreihe "Mittelstand - Die Macher"startete ihre jährliche Roadshow diesmal an der Elbe. Weiter geht es nach Hanau, Hannover, München, Mönchengladbach und Stuttgart.

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Dirk Backofen und Jessica Wunder, Segmentleiterin Kleine und Mittelständische Unternehmen bei der Telekom, gehören zu den Initiatoren der Eventreihe.

Quelle: Anja Schneider

Die DNN haben dazu mit Dirk Backofen, Leiter Marketing Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland, gesprochen.

Vor zwei Jahren, als die Initiative das letzte Mal in Dresden war, hatten Mittelständler große Vorbehalte hinsichtlich der Cloud. Inzwischen lässt die Skepsis nach, aber vor allem große Firmen nutzen Cloud-Lösungen. Wie können auch kleine profitieren?

Gerade kleinen Unternehmen kann die Cloud helfen. Sie müssen nicht in Rechenkapazität investieren, bezahlen nur das, was tatsächlich genutzt wird. Trotzdem können sie genauso professionell arbeiten und auftreten wie die Großen. Lizenzen können jederzeit hinzugebucht oder abbestellt werden, so eignen sich Cloud-Lösungen gut für Zeiten mit Auftragsspitzen, wenn zeitlich befristet mehr Mitarbeiter eingesetzt werden müssen.

Mittelständler äußern aber Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit...

Wenn es um die Vermeidung von Datenverlusten geht, bietet die Cloud sogar höhere Sicherheit. Für viele Unternehmen, die noch Backups auf externen Festplatten pflegen, ist das ein großer Aufwand. Bei der Sicherheit vor Spionage ist klar, dass kleine Unternehmen, die teilweise Weltmarktführer auf ihrem Gebiet sind, auf keinen Fall riskieren wollen, dass ihre Daten in falsche Hände geraten. Wir setzen auf Server, die hier in Deutschland gehostet werden. Daten werden verschlüsselt gespeichert und nur unsere Kunden - nicht einmal die Mitarbeiter der Telekom - können sie einsehen.

Erst in der vergangenen Woche haben in diesem Punkt Berichte über Wirtschaftsspionage, an der auch der Bundesnachrichtendienst beteiligt gewesen sein soll, für neues Misstrauen gesorgt...

Ich kann für die Telekom sagen, dass wir uns strikt an die gesetzlichen Regelungen halten und unsere Kundendaten mit höchsten Sicherheitsstandards vor einem unbefugten Zugriff von außen schützen.

Es scheint, als teilten sich Unternehmen bei der Digitalisierung in zwei Gruppen - eine, die vor allem mit einer Homepage sichtbar ist, und eine, die auch Produktionsprozesse ins Internet verlagert. Liegt das nur an der Ausrichtung der Firmen, oder nutzt die erste Gruppe noch nicht alle Chancen?

Sichtbarkeit ist natürlich ein wichtiger Aspekt. Ebenso das Internet als Verkaufskanal. Ein Onlineshop ist rund um die Uhr und auch international erreichbar. Damit können bisher regional tätige Unternehmen ihren Kundenkreis erweitern. Aber in der Tat haben vor allem kleinere Firmen bei der Digitalisierung Nachholbedarf und sind sich der Chancen nicht bewusst. Deshalb touren wir ja mit unserer Eventreihe durch Deutschland, als Lotsen für den Mittelstand.

Wie sieht das konkret aus?

In Workshops erhalten die Teilnehmer Hilfestellungen und Praxistipps. Auf dem Marktplatz können sie sich über Produkte aller Partner informieren. Dieses Jahr haben wir als Erweiterung aktuelle CeBIT-Highlights im Gepäck und bieten einige davon zum Ausprobieren an. Mit neuen Collaboration-Tools, wie "TeamLike", können kleine Firmen nicht nur schnell und kostengünstig ein eigenes Intranet anlegen, sondern auch die Kommunikation mit Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden und Partnern optimieren. Mit weiteren Paketen für spezielle Bedürfnisse können Ladenbesitzer Kunden kostenloses WLAN anbieten, Zulieferer für die Industrie Menschen und Maschinen vernetzen. Wir denken, dass die Digitalisierung eine große Chance für den Mittelstand ist und ein "Wirtschaftswunder 4.0" auslösen kann. Um diesen Effekt zu beschleunigen haben wir fünf Wirtschaftswunder-Pakete für die Digitalisierung made in Germany geschnürt.

Muss denn aber wirklich jeder kleine Betrieb, auch der Metzger um die Ecke, auf diesen Zug aufspringen, damit er nicht den Anschluss verpasst?

Ein ganz klares Ja. Gerade die Metzgerei Böbel aus Franken ist da ein gutes Beispiel. Mit ihrem Onlineshop verkauft sie inzwischen ihre Produkte sehr erfolgreich auch außerhalb der Region und sogar in die ganze Welt. Aber es geht auch darum, dass viele Mittelständler Zulieferer für die Großindustrie sind. Die Industrie digitalisiert ihre Prozesse zunehmend. Wer da als Zulieferer nicht mitgeht, erleidet schnell Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen, die das tun.

Nicht wenige Unternehmer, die mitgehen wollen - vor allem auf dem Land - klagen über eine zu langsame Internetanbindung. Was kann die Telekom ihnen anbieten?

Das Problem ist uns bewusst. Deshalb investieren wir rund vier Milliarden Euro im Jahr in den Netzausbau und bie- ten verstärkt IP-Anschlüsse an. Bis 2018 soll breitbandiges Internet flächen_ deckend verfügbar sein. Schon jetzt können wir für jeden, der das möchte, auch in ländlichen Regionen eine Anbin- dung mit 10 Mbit/s realisieren. Ab Herbst werden es 20 Mbit/s sein. Jeweils im Download und im Upload, das ist ja ge- rade für die Geschäftskommunika- tion wichtig. Solche Lösungen sind allerdings wegen des hohen Aufwands noch etwas teurer als schnelles Internet in der Stadt.

Die Eventreihe bietet einen Tag voller Denkanstöße. Welche Unterstützung erhalten Mittelständler, die sich jetzt im ICC für ein verstärktes Engagement bei der Digitalisierung entschieden haben?

Unsere Digitalisierungspakete zum Ausprobieren sind die erste Unterstützung. Außerdem ist die Initiative "Mittelstand Die Macher - Die Eventreihe" im Internet und den sozialen Netzwerken präsent. Eine weitere Säule ist unser digitaler Support über eine Videokonferenzlösung. Solche Lösungen können übrigens auch die Unternehmer selbst für den Support ihrer Kunden einsetzen.

Sie touren mit der Eventreihe durch ganz Deutschland. Gibt es 25 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch Unterschiede zwischen den Mittelständlern in Ost und West?

Was die mittelständischen Unternehmen selbst betrifft, da gibt es kaum Unterschiede. Und die Produkte im Osten sind wettbewerbsfähig. Allerdings ist die Industriedichte hier immer noch viel geringer. Deshalb ist es auch für die Zulieferer schwieriger, Kunden zu finden. Gerade in dieser Situation können Internet und Digitalisierung helfen, Entfernungen zu überwinden.

Wann kommt "Mittelstand - Die Macher" das nächste Mal nach Dresden?

Genau kann ich das noch nicht sagen. Aber wir kommen bestimmt schon nächstes Jahr wieder nach Sachsen. Ich öfter, da ich meine Wurzeln in Sachsen habe-

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.04.2015

Holger Grigutsch

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