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Vor 25 Jahren stürzte Günther Schmidt mit einer Cessna auf dem Dresdner Flughafen ab

Vor 25 Jahren stürzte Günther Schmidt mit einer Cessna auf dem Dresdner Flughafen ab

Günther Schmidt steht am Ende der Startbahn des Dresdner Flughafens und schaut sich um. "Hat sich viel geändert. Ist ja auch 25 Jahre her", sagt der 85-Jährige und zeigt auf das angrenzende Feld.

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Günther Schmidt am Ort des Flugzeugunfalles. Bis heute fragt er sich, ob die Stasi den Absturz herbeigeführt hat.

Quelle: Hauke Heuer

Hier ist er am 21. Juni 1990 mit einer geliehenen Cessna abgestürzt. "Zum Glück war der Boden des Ackers weich und hat unseren Aufprall gebremst", sagt Schmidt.

Der Senior und Hobbypilot war kurz vor dem offiziellen Ende der DDR nach mit seiner damaligen Frau und einem Fliegerfreund nach Dresden geflogen, um seinen Schwager zu besuchen. "In den Jahrzehnten vorher wäre es undenkbar gewesen, in die DDR zu fliegen. Jetzt bekam man eine Genehmigung. Die Chance wollten wir nutzen", erinnert sich Schmidt.

Doch der Ausflug mit der Cessna wurde zum Horrortrip. Der Flug von Rosenheim nach Dresden verlief noch ohne Probleme. Doch als Schmidt am 20. Juli zu einem Rundflug über Dresden starten wollte, gab es den ersten beängstigenden Vorfall. "Der Lotse gab mir zu verstehen, dass ich auf die Startbahn rollen soll. Zum Glück bin ich eher immer ein gemütlicher Flieger gewesen, denn im selben Moment landete eine große dreimotorige Maschine", erinnert sich Schmidt an die drohende Kollision.

Als die Truppe am Folgetag den Rückflug antreten wollte, kam es zum Unfall. Diesmal war Schmidt nur Copilot. Sein Fliegerfreund saß am Steuer. "Der Lotse hat uns auf den falschen Runway geleitet. Der verfügbare Rollweg war zu kurz zum Starten. Außerdem lag am Ende der Bahn Gerümpel", sagt Schmidt. Die Cessna wurde nicht schnell genug. Das frühzeitige Abheben, um den Hindernissen auf der Startbahn auszuweichen, verminderte das Tempo zusätzlich. Das Fahrwerk der Maschine verfing sich im Stacheldraht des Flughafenzaunes. Es kam zum Absturz. Alle Passagiere hatten Glück im Unglück und wurden nur leicht verletzt. Schmidts Frau zog sich Verbrennungen zu.

"Startbahnlänge nicht ausreichend genutzt. Angesichts der Hindernisse am Startbahnende zu früh abgehoben", heißt es nüchtern im Datensatz der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Doch Schmidt hat seine eigene Theorie: "Ich halte es für wahrscheinlich, dass sich die Stasi an mir rächen wollte."

Schmidts Verdacht kommt nicht von ungefähr. Als Absolvent der Polizeischule in Jüterborg hatte er sich am 17. Juni 1953 an den Demonstrationen in Jena beteiligt. "Wir haben 'Russe geh nach Hause' gebrüllt", erinnert er sich. Doch wenig später sollte er auf der Seite der Staatsmacht stehen. "Ich habe damals in Dresden gewohnt. Kurz nach den Protesten hat mich die Volkspolizei auf den Weißen Hirsch geholt. Ich wurde verpflichtet, Informationen zu sammeln", sagt Schmidt. Er habe dies damals für den richtigen Schritt gehalten. "Ich wollte den Weltfrieden sichern", erklärt er heute.

Schmidt Stasi-Karriere setzte sich fort. Nach mehreren Jahren im damals gerade gegründeten Wachregiment "Feliks Dzierzynski" wird er in Westberlin eingesetzt. Hier beobachtet er nach eigenen Aussagen unter anderem einen SPD-Bundesparteitag und die Landesgeschäftsstelle der CDU. Doch auch sonst findet er Gefallen am Westen und unterhält Kontakte zur Bevölkerung. Ich wurde aufgefordert, die Verbindungen abzubrechen. Schmidt entscheidet sich dagegen und zieht in den Westen.

"Das könnte der eigentliche Grund für unseren Absturz sein", mutmaßt Schmidt. Warum sich die Stasi nach ihrer offiziellen Auflösung im Frühjahr 1990 für einen entlaufenen Spion interessieren sollte, weiß er allerdings nicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.07.2015

Hauke Heuer

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