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Von der Kunst und der Technik - Besuch im Dresdner Tonstudio "Klangbüro"

Von der Kunst und der Technik - Besuch im Dresdner Tonstudio "Klangbüro"

Im Zeitalter der modernen Medien ist der Aufwand, seine eigene Band aufzunehmen und die dabei entstandenen Songs auf eine CD zu packen, nicht mehr allzu groß.

Im Zeitalter der modernen Medien ist der Aufwand, seine eigene Band aufzunehmen und die dabei entstandenen Songs auf eine CD zu packen, nicht mehr allzu groß. Derjenige, der sich etwas mit der Technik auskennt, kauft sich eine Soundkarte, ein Mikrofon und schließt alles an seinen Laptop an. Dabei wird aber gerne vergessen, dass hinter dieser Arbeit weit mehr steckt, als sich so mancher vorstellen kann. Deshalb überlässt man die Aufnahmen lieber den Profis. Für die DNN-Serie "Wir öffnen Türchen" besuchte DNN-Mitarbeiterin

Annette Thoma ein Dresdner Tonstudio und blickte in die wundersame Welt der Kunst, Kabel und der Knöpfchen.

Von Annette Thoma

Grün leuchtende Balken, ausschlagende Zeiger und unzählige kleine Knöpfchen. Ein Blick auf das große Mischpult lässt den Ahnungslosen schwindlig werden. Mit unterschiedlichen Farben und Zahlen sind die einzelnen Reihen gekennzeichnet - aber das nützt dem Laien herzlich wenig, sich angesichts dieser Anzahl an Schräubchen und Reglern zurechtzufinden. Kai Hoffmann scheint dies weniger zu stören. Fast schon blind bewegen sich seine Hände über das Mischpult, alle Finger wissen ganz genau, wo sie hin müssen. Was in seinem Beruf auch durchaus von Vorteil ist. Denn Kai Hoffmann ist Toningenieur und - gemeinsam mit seinem Kollegen Tom Forberg - Inhaber des Tonstudios "Klangbüro" in Dresden.

Die beiden leiteten schon vorher ein gemeinsames Tonstudio im "Alten Wettbüro". Doch aufgrund der Fülle an Aufträgen vergrößern sie sich nun zum "Klangbüro" und ziehen in die Meschwitzstraße im Industriegelände. Noch ist das neue Studio nicht fertig, aber es wird eifrig gebaut. "Im Februar starten wir mit den ersten Aufnahmen", so Kai Hoffmann.

Wie aufwendig es ist, ein Tonstudio auf die Beine zu stellen, sieht man als Außenstehender erst einmal nicht. Die schrägen Winkel im Regieraum beispielsweise, in dem sich auch das Mischpult, quasi das Herzstück des gesamten Tonstudios, befindet, nimmt man auf den ersten Blick für gegeben hin. Aber: Der Raum war vor ihrem Einzug quadratisch. "Die schrägen Wände haben wir nachträglich eingebaut", so Kai Hoffmann. "Sie müssen sein, damit die Schallwellen umgelenkt werden." Hinter den verwinkelten Schrägen verbergen sich zusätzlich akustische Helferlein aus Schaumstoff, um einen Raum für den optimalen Hörgenuss zu schaffen.

Doch nicht nur die lokalen Gegebenheiten, auch die Technik muss punktgenau den physikalischen Eigenschaften des Schalls entsprechend positioniert werden. So auch die in die schräge Wand eingefassten Monitore. Sie sind exakt an den Raum angepasst - und stehen zum Toningenieur im so genannten "goldenen Dreieck". Das heißt, Tonmeister und Monitore befinden sich in einem gleichwinkligen Dreieck zueinander.

Nichts ist im Regieraum dem Zufall überlassen. Auch nicht die Absorber, die an den Wänden stehen. Diese länglichen Boxen, die mit Mineraldämmwolle gefüllt und mit Leinen bespannt sind, verhindern, dass ein Hall im Raum entsteht. Denn das würde den Klang- und Höreindruck stören.

Es wird schnell klar, dass die Arbeit eines Toningenieurs nicht nur mit der Kunst der Musik, sondern auch mit viel Elektronik und Physik zu tun hat. "Aber die Geräte hier sind nur Werkzeuge. Es geht bei meiner Arbeit um das Endprodukt. Und das ist die Musik", betont Kai Hoffmann. Und für dieses Endprodukt sind er und Kollege Tom Forberg nicht nur im Regieraum zugegen. Das "Klangbüro" besitzt zusätzlich dazu einen Technikraum, eine Lounge für die Musiker, zwei Aufnahmeräume und einen Amp-Raum, der eigens für Gitarren-Aufnahmen eingerichtet wird.

Nicht nur Solo-Künstler, auch Bands in voller Besetzung finden den Weg ins Tonstudio. Die Arbeit fängt für Kai Hoffmann und Tom Forberg aber schon vorher an. "Vor der ersten Aufnahme besuchen wir die Band in ihrem Proberaum, um zu hören, in welche stilistische Richtung sie gehen. Und zur Aufnahme bitte ich die Musiker immer, eine CD mit Titeln von anderen Bands mitzubringen, damit wir ihren gewünschten Sound erkennen können", erklärt Kai Hoffmann das Prozedere.

Ist die Band dann in der Meschwitzstraße angekommen, beginnt im Aufnahmeraum der Soundcheck. Jeder Instrumentalist und jeder Sänger erhält ein oder mehrere Mikrofone: Kleinmembran-Mikrofone für akustische Gitarren oder die Becken des Schlagzeuges, Großmembran-Mikros für die Sänger und dynamische Mikrofone für die Bass-Drum. Der Soundcheck bedeutet viel Arbeit und mindestens genauso viel Erfahrung für die Toningenieure - denn versetzt man das Mikrofon nur wenige Zentimeter, resultiert daraus ein hörbarer Klangunterschied.

Wer glaubt, nach dem Aufnahme-Prozess wäre die Arbeit vorbei, der irrt. Das Abmischen ist der nächste Arbeitsschritt des Toningenieurs. Dabei werden unter anderem die einzelnen Aufnahme-Spuren der Musiker in ein gutes Lautstärke-Verhältnis gebracht. Das heißt, die Stimme des Sängers wird beispielsweise etwas lauter gedreht als die Bass-Gitarre.

Aufnehmen und abmischen bedeutet für den Toningenieur, eine große Verantwortung zu tragen und sich in umfangreichen Aufgabengebieten auszukennen. Auf der einen Seite müssen die Wünsche der Musiker und Bands berücksichtigt werden, auf der anderen qualitativ hochwertige Endprodukte entstehen. Doch auch wenn eine Menge Arbeit dahinter steckt - die Leidenschaft von Kai Hoffmann ist nicht zu übersehen. Er könne sich in seinem Leben nichts anderes vorstellen. Platten für die Ewigkeit machen - so nennt er liebevoll seinen persönlichen Anspruch.

Nirgendwo anders als in einem Tonstudio wird so deutlich, dass sich Kunst und Technik nicht widersprechen. Sie ergänzen sich. Und das auf eine wunderschöne Art und Weise. Denn was gibt es schöneres für einen Musiker, als seine eigene CD in den Händen zu halten?

Klangbüro Dresden, Meschwitzstraße 15, www.klangbuero-dresden.de, Tel. 0351/ 85 18 87 04

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.12.2012

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