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Volkswagens Gläserne Manufaktur in Dresden feiert am Sonnabend zehnjähriges Bestehen

Volkswagens Gläserne Manufaktur in Dresden feiert am Sonnabend zehnjähriges Bestehen

Ein Verkaufsschlager sieht anders aus. Seit zehn Jahren will Volkswagen seine Luxusmarke Phaeton im Oberklassemarkt etablieren.

Dresden .

Dresden (DNN). Ein Verkaufsschlager sieht anders aus. Seit zehn Jahren will Volkswagen seine Luxusmarke Phaeton im Oberklassemarkt etablieren. Doch die Hoffnungen von einst, die Gläserne Manufaktur in Dresden zügig mit einer Jahresproduktion von 20 000 Phaetons auszulasten, erfüllten sich nicht. Heute feiert VW die Hälfte als Rekord. Aber auch wenn der Phaeton für Betuchte kein Knüller ist: Die Live-Show in der Manufaktur, wo der Wagen auf Edelparkett und hinter Glas montiert wird, die zieht allemal. Und vielleicht sehen Kunden schon bald dabei zu, wie in Dresden neben dem großen Phaeton das supersparsame 1-Liter-Auto XL1 entsteht.

Von Barbara Stock

Volkswagens Glaspalast war in Dresden lange umstritten. Nicht aus ästhetischen Gründen, sondern weil der Bau des Münchener Architekturbüros Gunter Henn im Herzen der Stadt, am Rand des Großen Gartens entstehen sollte. Bäume mussten weichen, die Parkeisenbahn verlegt werden, die Messe umziehen. Ein Bürgerbegehren gegen den Standort scheiterte Anfang 1999. Daraufhin enterte das 186 Millionen Euro teure Prestigeobjekt des damaligen VW-Konzernchefs Ferdinand Piëch die City und feierte am 11. Dezember 2001 offiziell seine Eröffnung.

Doch der Protest aus den Anfangsjahren verpuffte nicht wirkungslos. Er bescherte der Stadt die umweltschonende CarGo-Tram - jene blaue Güterstraßenbahn, die bis auf die Rohkarossen alle Montageteile aus dem Logistikzentrum in Friedrichsstadt auf den städtischen Straßenbahntrassen zur Manufaktur fährt. Mit ihr fegte VW die Befürchtungen endloser Lkw-Kolonnen vom Tisch.

Wer "Autobau" und "Manufaktur" in seinem Kopf nicht so recht zusammenbringt, sollte sich das Gläserne Werk anschauen. Die rund 8,3 Hektar große Anlage mit ihren 27 500 Quadratmetern Fensterfläche und der gut 55 000 Quadratmeter großen Fertigung ist alles andere als eine schnöde Fabrik: Hier können Kunden in einer Art Live-Show mitverfolgen, wie der Phaeton zusammengebaut wird. Und ebenso wie inzwischen mehr als eine Million Besucher nutzen sie die Chance auch: "Rund 80 Prozent der deutschen Phaeton-Kunden holen ihren Wagen in Dresden ab", erklärt Hans-Joachim Rothenpieler, Sprecher der Geschäftsführung bei VW Sachsen. Allein im laufenden Jahr seien es rund 1900 Kunden gewesen. Service und Eventprogramme überzeugten ebenso wie die "Symbiose mit der Stadt Dresden, deren Sehenswürdigkeiten und kulturellen Angeboten".

Zu sehen bekommen Gäste schon in der Manufaktur viel. In weiße Overalls gekleidete Arbeiter bewegen sich genau wie die Autos auf feinem Parkettboden aus kanadischem Bergahorn. Besucher müssen sich hier weiße Kittel überstreifen - damit die Luxusschlitten nicht schmutzig werden, versteht sich.

Die Exklusivität des Produkts drückt sich - leider - auch in den Verkaufszahlen aus: Wer die in zehn Jahren insgesamt rund 60 000 gebauten Phaetons mit den fast 300 000 Autos vergleicht, die allein in einem einzigen Jahr in Zwickau vom Band rollen, muss sich fragen: Rechnet sich das?

Solche Überlegungen fechten Volkswagen nicht an. "Die Entscheidungen für den Phaeton und für Dresden waren von Anfang an richtig und sinnvoll. Ein Auto, wie der Phaeton muss sich erst am Markt etablieren, mit seinen Vorteilen punkten und schließlich Kunden begeistern", entgegnet VW-Sachsenchef Rothenpieler notorischen Zweiflern. Für den Konzern sei die Manufaktur ein besonders Juwel: "So etwas wie hier, gibt es weltweit kein zweites Mal." Und: Mit dem Dresdner Werk, den Zulieferern und Dienstleistern seien etwa 2000 Arbeitsplätze entstanden.

In der Manufaktur selbst sind es derzeit rund 500. Die arbeiten inzwischen in zwei Schichten, um die vor allem in China boomende Nachfrage zu bedienen. Etwa 60 Prozent der Fertigung geht mittlerweile nach Fernost. Prognosen der Deutschen Bank zufolge könnte China bereits 2015 zum global größten Markt für Nobelkarossen aufrücken. Grund genug für Europas größten Autobauer, seine Phaeton-Repräsentanzen rasch von acht auf 30 aufzustocken - "lauter kleine sächsische Botschaften", wie sie in der Manufaktur gern genannt werden.

Investieren will der Konzern auch in Sachsen: 2,5 Milliarden Euro sollen bis 2016 in den Freistaat fließen. Das hat Konzernchef Martin Winterkorn vor vier Wochen verkündet. Da die Dresdner Manufaktur im Sommer gerade erst mit neuem Parkett und ergonomischeren Details an den Arbeitsplätzen aufgepeppt worden ist, sieht Rothenpieler eher in Zwickau und Chemnitz Geldbedarf: "Dort stehen in den kommenden Jahren mehrere Modellwechsel an, und die Fertigungstechnik wird den Anforderungen der zukünftigen Modelle mit den modularen Baukästen angepasst", sagte er den DNN.

Ob Volkswagens imposantes Hightech-Schlachtschiff nach dem jüngsten Facelift 2010 erneut überarbeitet wird, oder gar ein neues Oberklassemodell in Sicht ist - dazu schweigt der Konzern. Vielleicht schafft es China, dass der Phaeton irgendwann in einem Atemzug genannt wird mit Premiummarken wie Audi, BMW oder Mercedes. Die steigenden Produktionszahlen lassen hoffen - wenn auch nicht überschwänglich werden: "Ich sehe hier noch nicht das Ende der Fahnenstange", kommentiert Hans-Joachim Rothenpieler die angepeilten Zehntausend. "Da ist noch etwas Luft nach oben".

Solche Prognosen legen na-he, dass sich ein Gastspiel wie das für den Bentley nicht wiederholen muss. Den Nobelwagen seiner englischen Tochter hatte Volkswagen vom Sommer 2005 bis Ende 2006 zusätzlich in Dresden montieren lassen, um das Werk in Crewe zu entlasten und die Bänder in Dresden sinnvoll am Laufen zu halten. Rund 1350 Continental Flying Spur sind an der Elbe vom Band gerollt.

Wenn am Sonnabend in Dresden das zehnjährige Bestehen der Manufaktur mit einer Gala und 250 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Kultur gefeiert wird, dürften viele gespannt auf mehr als eine Wir-sind-toll-Rede von VW-Konzern-Chef Martin Winterkorn hoffen. So kurz vor Weihnachten wäre doch eine prima Gelegenheit, dem Phaeton (übersetzt: der Leuchtende) mit dem XL1 ein weiteres Glanzstück des Unternehmens an die Seite zu stellen! Ein tönernes Modell des Diesel-Hybriden schmückt seit Wochen die VW-Lounge in Dresden. Wo das 1-Liter-Auto ab 2013 in einer Kleinserie von 50 bis 100 Stück gebaut wird, ist bislang noch offen. Neben Dresden ist noch Wolfsburg im Rennen. Ab Samstag vielleicht nicht mehr...

2011: Ziel: 10 000

2010: 7477

2009: 4071

2008: 6189

2007: 5711

2006: 5024

2005: 6001

2004: 5485

2003: 5885

2002: 3403

Phaeton Produktion

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.12.2011

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