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Vier junge Dresdner initiierten vor 30 Jahren das erste Friedensforum in der Kreuzkirche

Vier junge Dresdner initiierten vor 30 Jahren das erste Friedensforum in der Kreuzkirche

Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Wenn ich heute noch einmal 18 Jahre alt wäre? Dann würde ich auf der Straße sitzen und Neonazis blockieren.

Dresden .

Dresden (DNN). Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Wenn ich heute noch einmal 18 Jahre alt wäre? Dann würde ich auf der Straße sitzen und Neonazis blockieren." Der das sagt, hat schon vor 30 Jahren zivilen Ungehorsam gelebt und damit alles riskiert - seine Freiheit und seinen beruflichen Werdegang. Pfarrer Eckehard Möller gehört zu den Initiatoren des ersten großen Friedensforums 1982 in der Kreuzkirche.

Die 1980er Jahre waren eine Zeit der Militarisierung in der DDR. Der Wehrkundeunterricht wurde an den Schulen eingeführt, die Bevölkerung auf einen Krieg gegen den "imperialistischen Aggressor" vorbereitet. "Dagegen gab es eine stille Form des Protests", meint Möller. Die Zeltplanen für die militärische Körpertüchtigung hätten er und seine Kumpels von der Erweiterten Oberschule Pestalozzi mitgehen lassen und daraus im Sommer Zelte gebaut. Aber die jungen Leute hätten mehr tun wollen gegen zunehmenden Drill in der Gesellschaft. "Wir standen am 13. Februar 1981 vor der Annenkirche und hörten das Läuten der Hofkirche und Kreuzkirche. Nur diese beiden Kirchen durften läuten, die anderen Glocken blieben stumm. Dagegen müssen wir etwas tun, haben wir uns gesagt."

Gemeinsam mit Torsten Schenk, Oliver Kloß und Annett Ebischbach fasste Möller den Plan, zum stillen Gedenken an der Ruine der Frauenkirche aufzurufen. "Wir haben gedacht: Wir gehen da einfach hin und setzen ein Zeichen. Legen Blumen nieder, zünden Kerzen an und singen zum Abschluss: 'We shall overcome'."

Eine zu DDR-Zeiten ungeheuerliche Absicht, die Annett Ebischbach, die heute als Johanna Kalex in der Neustadt ein Szenecafé betreibt, ins Unermessliche steigerte: Sie tippte auf einer Schreibmaschine Flugblätter mit dem Aufruf zum stillen Gedenken. Die Aufrufe verteilten die jungen Leute auf dem Bauernmarkt am Altmarkt, die Sache bekam eine unvorhergesehene Eigendynamik: "Irgendjemand hat unseren Aufruf abgeschrieben. Später wurde er sogar gedruckt und hundertfach verteilt. Wir wissen bis heute nicht, wer das war", erklärt Möller. Auch die Staatssicherheit tappte im Dunkeln, so sehr sie auch nach den Urhebern der Flugblätter fahndete.

"Nur durch einen Zufall sind sie auf uns gekommen: Meine Schwester war damals in der Gemeinde der Weinbergkirche, die als besonders subversiv und verdächtig bei der Stasi galt", so der Pfarrer, "doch als sie uns gefunden hatten, standen wir schon unter dem Schutz der Landeskirche." Er habe sich Pfarrer Rudolf Albrecht offenbart, so Möller, der ihn zum damaligen Landesjugendpfarrer Harald Bretschneider geschickt habe. "Mit ihm haben wir ausgehandelt, dass wir das Friedensforum in die Kreuzkirche verlegen." Am 13. Februar 1982 kamen aus allen Himmelsrichtungen junge Leute nach Dresden, die Kreuzkirche war mit 5500 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt. Der damalige Landesbischof Johannes Hempel sprach zur Friedensproblematik, die Initiatoren des Forums hielten Beiträge. Zum Gedenken an die Frauenkirche trauten sich danach nur wenige - zu allgegenwärtig war die Staatsmacht.

"Wir wollten nicht provozieren, sondern gegen das allgemeine Vergessen angehen in einer Stadt, in der die Spuren des Krieges allgegenwärtig waren", sagt Möller, der heute Pfarrer an der Martin-Luther-Kirche in der Dresdner Neustadt ist. Er stelle sich oft die Frage, ob das Friedensforum der Same für die heutige Dresdner Gedenkkultur war. "Ich frage mich auch, inwieweit wir den Neonazis Vorschub geleistet haben, die das Gedenken heute so fürchterlich ausschlachten." Doch schon die DDR habe das Gedenken an die Opfer der Bombenangriffe instrumentalisiert mit einer Terminologie, die der der Neonazis gleiche.

"Wir haben damals unser Betroffensein über die Bombenangriffe thematisiert", meint Möller. Und natürlich: Am 13. Februar stehe er in der Menschenkette.

Thomas Baumann-Hartwig

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