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Verschlafende Rinder und zwickende Euter

Verschlafende Rinder und zwickende Euter

Wenn Milchbauer Carsten Pöhl am kommenden Sonntagmorgen seine Kühe im Stall begrüßen will, wird das übliche Morgenritual etwas anders ablaufen als sonst.

Um drei Uhr morgens ist eigentlich die erste Melkrunde auf dem Milchhof Mohorn fällig. Doch die Tiere werden nicht, wie gewohnt, in Reih und Glied am Gatter mit prall gefüllten Eutern auf ihren Bauern warten. Aller Voraussicht nach dösen die Kühe an diesem Tag noch in ihren Ruheboxen vor sich hin und denken gar nicht daran, Milch zu geben. Denn statt drei ist es eigentlich erst zwei Uhr. "Es ist jedes Mal das Gleiche. Die Zeitumstellung bringt die Tiere aus ihrem Biorhythmus", ärgert sich der 39-Jährige Landwirt.

Denn die Kühe haben, genauso wie wir Menschen, eine innere Uhr. Wird der Zeiger eine Stunde vorgestellt, kommt auch ihr Schlaf- und Lebensrhythmus ins Wanken. "Wir müssen die Kühe dann leider regelrecht für das Melken aus dem Schlaf reißen", meint der Bauer. Denn auf dem Milchhof Mohorn mit insgesamt 1.000 Rindern gibt es feste Futter- und Melkzeiten, an die sich auch die Tiere halten müssen. Etwa eine Woche brauchen die Vierbeiner, bis sie sich an den neuen Rythmen gewöhnt haben.

Doch die Tiere kommen dabei nicht nur schlecht auf die Beine. Für Carsten Pöhl hat die Zeitumstellung im Frühjahr vor allem wirtschaftliche Nachteile. "Die Kühe geben nach der Zeitumstellung für ein paar Tage weniger Milch", erklärt der diplomierte Agrarwissenschaftler. Bis zu 1.500 Liter Milch am Tag büßt Carsten Pöhl allein wegen der Zeitumstellung ein. Mehrere Tausend Euro gehen ihm deswegen flöten. "Das ärgert mich natürlich besonders, vor allem weil die Umstellung ja erwiesenermaßen niemanden etwas bringt", erzählt der gebürtige Hesse.

Im Herbst, wenn Europa die Uhren eine Stunde zurück dreht, ergeht es den Kühen noch schlechter. Denn sie müssen eine Stunde länger auf das erste Melken warten. Die meisten Tiere würden unruhig, weil die zusätzliche Stunde dann gehörig in ihrem Euter zwickt. "Unsere besten Kühe geben bis zu 70 Liter am Tag. Sie können sich vorstellen, was sich da in einer Stunde so ansammelt", erläutert der Landwirt.

Den Kühen zu Liebe hat Pohl bereits versucht, sie über einen bestimmten Zeitraum langsam über mehrere Tage an die Umstellung zu gewöhnen. Erst mit einer Viertel Stunde Zeitunterschied, am Tag darauf mit einer Halben bis schließlich die "richtige" Zeit erreicht war. "Gebracht hat das nichts. Die Kühe waren genauso verwirrt, wie jedes Mal", meint Pöhl. "Die Zeitumstellung ist und bleibt Stress für jede Kuh. Deshalb muss sie auch weg", findet Pöhl.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.03.2014

Susann Schädlich

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