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Vergrämen oder beistehen - die Stadttaube ist in Dresden ein Streitobjekt

Vergrämen oder beistehen - die Stadttaube ist in Dresden ein Streitobjekt

Wenn herrenlose Tauben hungern oder verletzt sind, kann Ingeborg Funke nicht einfach wegsehen. Früher fütterte die Rentnerin oft Stadttauben am Postplatz. Dort wurde sie mehrmals vom Ordnungsamt erwischt und musste über 400 Euro für ihr Mitgefühl bezahlen.

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Stadttauben sind nicht sehr beliebt - und sie zu füttern, ist sogar verboten.

Quelle: Dietrich Flechtner

Denn laut Polizeiverordnung ist das Füttern verwilderter Haustauben verboten. Mit bis zu 1000 Euro kann man zur Kasse gebeten werden. Ausgereizt wird dieser Rahmen jedoch nicht, 2012 wurden nach Angaben der Stadtverwaltung nur drei Geldstrafen bis 40 Euro verhängt.

Heute hat sich Ingeborg Funke andere Ecken gesucht und denkt nicht daran aufzuhören: "Solange niemand etwas unternimmt, die Stadt nur Verbote aufstellt und die Tiere nur vertrieben oder ignoriert werden, sind sie auf unsere Hilfe angewiesen."

Andererseits haben die Tauben unerwünschte Nebenwirkungen. Marko Buttler vom Institut für Baustoffe an der TU Dresden kennt die Gefahr für Bauwerke: "Der Kot ist an sich ph-neutral. Die darin enthaltenen Bakterien produzieren jedoch Schwefel. In Verbindung mit Feuchtigkeit bildet sich Schwefelsäure. Diese greift Sandstein, Beton und Metall an." Einstürzende Gebäude seien nicht zu befürchten, Schönheitsreparaturen schon eher. Auch für die Gesundheit des Menschen sind Stadttauben weniger gefährlich als angenommen. "Sie übertragen nicht mehr Erreger als Wildvögel. Salmonellen kommen zwar vor. Sind in 97 Prozent aller Fälle aber eine eigene Art der Tauben und daher ungefährlich für den Menschen. Durch den Federstaub können zwar Allergien auftreten, dafür muss man sich aber oft und in unmittelbarer Nähe der Nistplätze oder Taubenschläge aufhalten. Auch für die Vogelgrippe sind sie viel weniger empfänglich als andere Tiere", weiß Prof. Elisabeth Krautwald-Junghanns von der veterinärmedizinischen Fakultät der Uni Leipzig.

Bleiben also vor allem die Gebäudeschäden. Die Möglichkeiten zur Vergrämung, also der Taubenabwehr sind vielfältig. Nagelförmige, bis zu 15 cm lange Spikes und elektrisch geladene Drähte sollen Vorsprünge an Fassaden vor dem Anfliegen schützen. Engmaschige Netze werden gespannt, wenn die Tiere großflächig ferngehalten werden sollen. Zu den exotischen und offensiveren Varianten zählen Raubvögelschreie oder Hochfrequenz-Töne aus installierten Lautsprechern sowie die Ansiedlung von Falken.

Die Stadt Dresden nutzt bevorzugt Netze und Spikes an öffentlichen Gebäuden. Am Turm des Neuen Rathauses wurden letztes Jahr Taubenvergrämungen von einer Fachfirma für Schädlingsbekämpfung angebracht. Die Spezialisten seilten sich mit Bergsteigerausrüstung ab. Kostenpunkt: 3800 Euro. Die einmalige Reinigung von Kot und Nistmaterial kostet durchschnittlich 380 Euro.

Für die Vermieter großer Wohnanlagen treten Probleme erst mit massivem Leerstand auf. Dann werden ganze Balkone mit Netzen versperrt um den Tauben keine Nistmöglichkeit zu bieten. "Zur Zeit gibts kaum Ärger, denn wir sind so gut wie ausgebucht. Trotzdem müssen wir gelegentlich Abmahnungen an Taubenfütterer verteilen", erklärt Gita Müller von der Wohnungsgenossenschaft Aufbau Dresden. Spikes als einzige Maßnahme zeigen kaum noch Wirkung: "Die Vögel haben sich daran gewöhnt und gelangen trotzdem an die Bausubstanz."

Ebenso wie Ingeborg Funke hält Steffen Keller von der Wildvogelauffangstation Dresden konventionelle Methoden für die Lösung des Taubenproblems für uneffektiv: "Man jagt sie von einem Ort zum Nächsten. Wenn sie so unter Stress stehen, haben sie kürzere Brutzeiten und produzieren mehr Nachwuchs." Sinnvoller sei es zusätzlich Taubenschläge zu errichten. Dort könnten die Tiere ungestört fressen und brüten. Ihre Eier würden dann gegen Imitate ausgetauscht, und die Population gesenkt - das sogenannte "Augsburger Modell".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.04.2013

Clemens Göhler

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