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Verbesserungen am Wiener Platz in Dresden auf dem Prüfstand

Händler bleiben skeptisch Verbesserungen am Wiener Platz in Dresden auf dem Prüfstand

„Sobald die Beamten weg sind, kommen die Dealer wieder aus ihren Verstecken.“ Marco Zeidler von der Fleischerei Korch findet klare Worte zum bisherigen Erfolg der Sicherheitsbehörden am Dresdner Hauptbahnhof: Gemischte Gefühle trotz neuer Citystreife und erhöhter Aufmerksamkeit.

Die Citystreife besteht also nur aus Bürgern in Phantasie-Uniformen ohne Vollzugsrechte. Ob sie für den Mindestlohn Strafanzeigen oder gar ihr Leben riskieren ist fraglich - nur echten Polizisten ist es erlaubt und möglich echte Polizeiarbeit zu leisten.

Quelle: sl

Dresden. „Die vielen Polizeieinsätze haben doch keinen Sinn!“ Marco Zeidler von der Fleischerei Korch findet klare Worte zum bisherigen Erfolg der Sicherheitsbehörden am Hauptbahnhof: „Sobald die Beamten weg sind, kommen die Dealer wieder aus ihren Verstecken.“ Von der Theke aus haben er und seine Mitarbeiter freie Sicht auf das Treiben am Wiener Platz - laut CDU-Angaben der „kriminelle Brennpunkt Dresdens“.

Mittlerweile würden die Drogendealer Kinder auf Fahrrädern einsetzen, so Zeidlers Beobachtung, diese brächte noch nicht einmal Polizeipräsenz aus der Ruhe. Der von CDU-Kreisvorstand Christian Hartmann hochgelobte „Dreiklang aus Landesregierung, Stadtverwaltung und Unternehmen“, gemeint sind damit die Polizei, das Ordnungsamt und private Sicherheitsdienste, um der Kriminalitätssituation her zu werden, sieht der Fleischerei-Chef kritisch. Trotz seines Hinweises auf ein Drogenversteck in einem zusammengefalteten Sonnenschirm, hätte eine Streife des Ordnungsamtes diesen weder überprüft, noch Polizeibeamte verständigt, äußerte sich Zeidler gegenüber den DNN.

In der Tat erstreckt sich laut Polizeiordnung der Landeshauptstadt der Einsatzbereich des Ordnungsamtes auf Tätigkeiten wie: die Sicherung des stehenden Verkehrs, der Einhaltung der Ordnung auf Kinderspielplätzen oder die Kontrolle nach mitgeführten Hundekotbeuteln – kriminalistische Ermittlungen und die Konfiszierung von Drogenfunden gehören nicht zu ihren Befugnissen.

Im Gegensatz zu Zeidler fühlt sich Alexander Klepzig, Mitarbeiter im Jack Wolfskin, durch die alle anderthalb Stunden patrouillierende Citystreife deutlich sicherer. Im Laden werde auch deutlich weniger gestohlen, so der Verkäufer. Ein Problem, welches im Laufe des vergangenen Jahres so dringlich wurde, dass sich der Outdoorladen einen einigen Sicherheitsmann leistet. Seit Dezember können sie darauf wieder verzichten. Doch auch er bestätigt die Beobachtung, wie nach den Patrouillen, auch die der Polizei, alles wieder seinen „normalen“ Gang gehe.

„Abends haben meine Kolleginnen und ich schon ein mulmiges Gefühl,“ gesteht Katrin, die Verkäuferin eines kleinen Geschäftes. Sie könne weder eine Verbesserung bestätigen, noch sehe sie den Zweck der Citystreife. „Wir fühlen uns unsicher, genau wie unsere Kundschaft - vor allem die Älteren.“

Im Vergleich zum Ordnungsamt haben die Mitarbeiter von privaten Sicherheitsdiensten, wie der Citystreife, noch weniger Befugnisse. Sie dürfen Verbrecher nur auf frischer Tat ertappt stellen und sich lediglich in Notwehr verteidigen -  sogennante Jedermannsrechte. Sollten sie sich irren und es liegt kein Verbrechen vor, drohen Anzeigen wegen Nötigung, Freiheitsberaubung oder Körperverletzung.

Sicherheitsmänner können auch nur auf privaten Grundstücken Platzverweise aussprechen, im öffentlichen Raum, besteht keine Notwendigkeit ihren Anweisungen Folge zu leisten. Die Citystreife besteht nur aus Bürgern in Phantasie-Uniformen ohne Vollzugsrechte. Ob sie für den Mindestlohn Strafanzeigen oder gar ihr Leben riskieren, ist fraglich - nur echten Polizisten ist es erlaubt und möglich, echte Polizeiarbeit zu leisten.

Damit die Beamten einmal den Alltag am Wiener Platz abseits von Medienterminen oder Großrazzien erleben wollen, hat Marco Zeidler einen Vorschlag: „Die Polizeibeamten können sich gerne einen Tag lang undercover an meine Wursttheke stellen, damit sie sehen, was hier wirklich alles passiert.“

Paul Felix Michaelis

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