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Unterstützung für Unverheiratete

Unerfüllte Kinderwünsche Unterstützung für Unverheiratete

In Dresden werden nach wie vor so viele Kinder geboren wie in kaum einer anderen deutschen Stadt. Gleichwohl haben es nicht alle Familien leicht, sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Mittlerweile gibt es aber verschiedene Möglichkeiten, doch noch zu einem Baby zu kommen.

Dr. Hans Jürgen Held betreut wöchentlich bis zu 20 Paare, die wegen ihres unerfüllten Kinderwunschs zu ihm kommen. Manchmal reiche auch schon ein Beratungsgespräch, berichtet er.

Quelle: Anja Schneider

Dresden, . In Dresden werden nach wie vor so viele Kinder geboren wie in kaum einer anderen deutschen Stadt. Gleichwohl haben es nicht alle Familien leicht, sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Mittlerweile gibt es aber verschiedene Möglichkeiten, doch noch zu einem Baby zu kommen. Und seit 1. Juli besteht in Sachsen auch für unverheiratete Paare die Möglichkeit, sich die künstliche Befruchtung fördern zu lassen.

„Eine künstliche Befruchtung kostet mindestens 3000 Euro“, teilt Hannelore Strobel, Sprecherin der sächsisch-thüringische Gesundheitskasse AOK Plus, mit. Allein 800 bis 900 Euro für Medikamente müssten berechnet werden, erklärt Dr. Hans-Jürgen Held von der Kinderwunschklinik Dresden die hohe Summe. Die private Krankenkasse der Allianz Deutschland AG rechnet sogar mit Kosten von bis zu 10 000 Euro pro Versuch.

Nach Angaben aus dem Sozialministerium werden künstliche Befruchtungen seit 2009 gefördert. Mehr als 4300 Befruchtungen seien es seitdem gewesen. Sachsen gebe jährlich sechsstellige Summen für ungewollt kinderlose Paare aus. „Allein in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres wurden 700 Behandlungen mit 334  000 Euro bezuschusst“, heißt es aus dem Ministerium.

Sachsen war das erste Bundesland, das sich an der Finanzierung von künstlichen Befruchtungen beteiligt. Das 2009 aufgelegte Förderprogramm findet seit 2013 auch Unterstützung durch den Bund. „Sachsen und der Bund übernehmen jeweils bis zu 25 Prozent des Eigenanteils, den Paare tragen müssten. Das Land hilft auch beim vierten Versuch noch mit einem Zuschuss“, teilt das Sozialministerium weiter mit.

„Sachsen und Thüringen sowie der Bund übernehmen jeweils weitere bis zu 25 Prozent des Eigenanteils, den Paare tragen müssten“ erklärt AOK Plus-Sprecherin Strobel. Mit diesen Zuschüssen sei eine Entlastung von bis zu 100 Prozent von den erstattungsfähigen Behandlungskosten möglich.

Bisher konnten nur verheiratete Paare diese Zuschüsse beantragen, doch das ist seit diesem Jahr anders. Seit Januar werden vom Bundesfamilienministerium auch unverheiratete heterosexuelle Paare bei der künstlichen Befruchtung finanziell unterstützt. Voraussetzung für die Förderung ist, dass das jeweilige Bundesland sich an dem Förderprogramm des Bundes beteiligt und die unverheirateten Paare ihren Hauptwohnsitz in einem solchen Bundesland haben, teilt Strobel weiter mit.

Seit 1. Juli ist die Förderung auch in Sachsen für unverheiratete Paare möglich. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich allerdings nicht daran. „Die AOK Plusund auch alle anderen gesetzlichen Krankenkassen können auch weiterhin keine Kosten bei unverheirateten Paaren übernehmen“, sagt Strobel. Grund sei das Urteil des Bundessozialgerichts vom November 2014, es bedürfe einer Änderung des Sozialgesetzbuches Teil 5, so Strobel.

Die Allianz Private Krankenversicherung (APKV) dagegen übernimmt auch Kosten bei unverheirateten Paaren, sofern die Voraussetzungen gegeben sind. Dazu zählt, dass die Frau das 41. Lebensjahr noch nicht vollendet haben darf. Die Paare müssten zudem einen Therapie- und Kostenplan vorlegen, teilt die Sprecherin der Allianz Deutschland AG Susanne Kluge mit. „Wir erstatten die Kosten für maximal vier Behandlungszyklen In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder IVF+ Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Unsere Leistungspflicht endet mit der zweiten Geburt nach reproduktionsmedizinischen Behandlungen, sprich nach zweimaligem Erfolg“, ergänzt sie.

Arzt: Förderprogramm ist ein Segen

Dr. Hans-Jürgen Held vom Kinderwunschzentrum in Dresden bezeichnet das Förderprogramm als einen Segen. Zu ihm kommen pro Woche etwa 15 bis 20 Paare, die Probleme bei der Erfüllung des Kinderwunsches haben. Dennoch werden dabei nicht in jedem Fall künstliche Befruchtungen durchgeführt. „Oftmals reichen ein Beratungsgespräch und ein paar Tipps für konservative Maßnahmen und die Paare haben Erfolg“, berichtet Dr. Hans-Jürgen Held. Etwa 1100 Befruchtungen mit eingefrorenen befruchteten Eizellen führt er pro Jahr in seiner Klinik an der Prager Straße durch. Gesetzlich werden nur drei Versuche gefördert. „Das ist biologisch nicht zu rechtfertigen. Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, nimmt erst nach dem sechsten Zyklus ab“, erklärt Dr. Held. Ebenso sei es nicht nachvollziehbar, dass Frauen erst ab einem Alter von 25 Jahren gefördert werden, die Lebensumstände und biologischen Voraussetzungen seien bei jeder Frau anders, ergänzt er. Frauen unter 25 Jahren haben laut Dr. Held die höchste Chance auf eine erfolgreiche künstliche Befruchtung, da die Eizellen mitwachsen.

Wenn sich verheiratete Paare bei der AOK Plus Unterstützung holen möchten, müssen sie einige Voraussetzungen erfüllen. „Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung dürfen nur durchgeführt werden, wenn hinreichende Aussicht besteht, dass durch die gewählte Behandlungsmethode eine Schwangerschaft herbeigeführt wird“, teilt Sprecherin Strobel mit. Das bedeutet, dass es für jede Behandlungsform eine maximale Anzahl an Versuchen gibt. Klappt die In-vitro-Fertilisation (IVF) beispielsweise nach dem dritten Versuch nicht, ist die hinreichende Erfolgsaussicht laut AOK Plus nicht mehr gegeben. Eine Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) kann ebenfalls nur dreimal durchgeführt werden, danach wird die Behandlung nicht mehr von der AOK Plus gefördert.

Beide Behandlungen können im Kinderwunschzentrum von Dr. Held vorgenommen werden, wobei die ICSI-Behandlung eine Zusatzmaßnahme der IVF-Behandlung darstellt. Dabei wird ein Spermium direkt ausgewählt und in die Eizelle injiziert. Die Befruchtungsraten seien je nach Alter der Frau unterschiedlich und können bis zu 75 Prozent erzielen, erklärt Dr. Hans-Jürgen Held.

Jede fünfte Frau bekommt Zwillinge

Die IVF-Behandlung ist etwas umfangreicher und bezeichnet die Befruchtung einer Eizelle außerhalb des Körpers. Dabei werden die Eierstöcke vorher mittels Spritzen hormonell stimuliert. Diese Spritzen können sich die Patientinnen auch selbst verabreichen. „Durch die Hormonstimulation wird eine höhere Wahrscheinlichkeit erreicht, dass die Frau durch die Behandlung schwanger wird“, erklärt Dr. Hans-Jürgen Held. Etwa 36 Stunden nach dem Eisprung werden die Eizellen abgesaugt. Das bedarf einer etwa zehnminütigen Narkose. Diese Punktion berge die wenigsten Risiken, so Dr. Held. Nachdem die Spermien des Mannes entsprechend aufbereitet und vorbereitet wurden, werden sie mit den Eizellen in einer speziellen Nährlösung zusammengebracht. „In 20 Prozent der Fälle wird die Frau schwanger mit Zwillingen, sehr selten entwickeln sich auch drei Embryonen“, so der Arzt.

Dr. Hans-Jürgen Held erklärt, dass die Ursache zu jeweils 40 Prozent bei Mann und Frau liege und zu 20 Prozent sei es unklar, warum es nicht klappt. Das durchschnittliche Alter der Patienten in der Dresdner Kinderwunschklinik liegt bei 35 Jahren. In den letzten Jahren hat der Mediziner eine zunehmende Verschiebung nach oben festgestellt. Er vermutet soziale Aspekte, finanzielle und persönliche Gründe. „Die Techniken der künstlichen Befruchtung haben sich in den letzten Jahren extrem weiterentwickelt und sind auch bei sehr schlechter Spermienqualität möglich“, erklärt Dr. Held.

 

Von Lisa-Marie Leuteritz

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