Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Google+
Unterhalb des Pegels: Wie der Dresdner Studentenclub Bärenzwinger gerettet wurde

Unterhalb des Pegels: Wie der Dresdner Studentenclub Bärenzwinger gerettet wurde

Eigentlich wollte der Dresdner Studentenclub Bärenzwinger in dieser Woche in aller Ruhe und Ausgelassenheit sein 45-jähriges Bestehen feiern. Doch die Elbe machte den Studenten einen Strich durch die Rechnung.

Voriger Artikel
Freiwillige Helfer errichten Fluthilfe-Zentrum am Dresdner Glücksgas-Stadion
Nächster Artikel
Hochwasser in Dresden geht zurück - das große Aufräumen beginnt

Am Dresdner Studentenclub Bärenzwinger halfen Hunderte, um das Eindringen der Elbe zu verhindern.

Quelle: Stephan Lohse

Denn der Club unterhalb der Brühlschen Terrasse liegt deutlich unter den 8,76 Metern, auf die der Fluss anschwoll. Johannes Graubner vom Bärenzwinger-Team berichtet, wie die Rettung gelang.

45 Jahre ist der Club inzwischen alt. Wisst ihr, wie oft der Bärenzwinger in all den Jahren abgesoffen ist?

Johannes Graubner: Nein, Keine Ahnung. 2002 und 2006 nicht, aber da war es knapp. Und dieses Jahr haben wir es auch verhindert und ich hoffe, das wird auch die nächsten 45 Jahre so sein.

Wann habt ihr in dieser Woche angefangen, den Club zu schützen?

Wir haben am Montagmorgen angefangen. 5.30 Uhr kam der erste Lkw mit Sand. Seitdem haben wir bis Mittwochmittag kontinuierlich gebaut, auch wenn wir zwischendurch auch mal warten mussten. Aber es waren immer viele Helfer am Werk, denen möchten wir natürlich Danke sagen.

phpf2b8965ef9201306081319.jpg

An vielen Stellen ist der Rückgang des Hochwassers jetzt sichtbar. Die Lage in Dresden ist trotzdem noch nicht entspannt.

Zur Bildergalerie

Ihr hattet teilweise hunderte Helfer. Wo kamen die alle her?

Wir hatten über Facebook einen Aufruf über die Dresdner Studentenclubs gestartet. Alle 16 Studentenclubs haben dann ihre Gäste drauf hingewiesen, so hat sich das wie ein Lauffeuer verbreitet. Innerhalb von 24 Stunden haben Tausende unseren Hilferuf geteilt. Wir hatten außerdem viele Leute, die einfach mal so mit angepackt haben, wenn der Lkw kam und die dann auch geblieben sind Am Montag hatten wir zum Glück noch den Kamin im Club an, da konnten sich die Helfer wenigstens aufwärmen. Ab Dienstag ist das Wetter dann zum Glück besser geworden. Da sind wir sehr froh. Denn sonst wäre es echt eklig geworden.

Hattet ihr auch professionelle Hilfe beim Bauen des Dammes?

Ja, wir hatten am Montag Unterstützung von der Jugendfeuerwehr. Die haben uns gezeigt wie gebaut wird und haben uns auch bei der Koordination geholfen. Vor allem einer der Jungs hat das dann übernommen mit dem Entladen der Lkw , mit der Reihenbildung und so weiter. Er hat den Helfern gesagt "dort und dort muss das hin". Außerdem hatten wir Hilfe von der Bundeswehr aus Thüringen. Das waren 10 Leute, die hatten noch keinen Einsatzbefehl. Die haben gesagt, bevor wir untätig warten, machen wir mit. Das hat noch mal richtig geholfen.

Wo habt ihr den ganzen Sand und die Säcke herbekommen?

Den Sand am Montag und Dienstag haben wir selbst bestellt und auch die Säcke kamen von uns, die haben wir gekauft. Am Dienstag hat uns dann auch die Berufsfeuerwehr Säcke gebracht. Das war die Feuerwehr aus Bühlau, die haben uns 1800 Säcke geschickt, worüber wir sehr froh waren.

Wie war denn die Stimmung unter den Helfern vor Ort?

Montag war es noch ein bisschen gedrückt. Es hat geregnet, das Wasser stieg und man wusste nicht wie schlimm es wird. Am Dienstag und Mittwoch wurde es dann aber mit jedem Sandsack, der aus dem Lkw raus kam besser. Beim letzten Sandsack haben die Leute applaudiert, haben gefeiert, haben untereinander Wettstreite gemacht, welche Reihe zuerst mit ihrem Lkw fertig ist. Das war eine bombastische Stimmung.

Ab Mitte der Woche hattet ihr vor Ort auch eine Art Info-Stand. Wie ist es dazu gekommen?

Das kam dadurch zustande, dass wir einen Engpass hatten. Wir hatten am Dienstag und Mittwoch Probleme, an Sandsäcke zu kommen und wussten auch nicht, wie hoch das Wasser steigt und wie hoch wir bauen müssen. Und weil wir dem Wasser ungern beim Steigen zuschauen, haben wir gesagt, wir müssen jetzt irgendwas machen. Wir haben dann hier die ersten Zettel aufgehängt und uns mit der Facebook-Gruppe "Fluthilfe Dresden" zusammengeschlossen. Wir haben miteinander die Hilfe koordiniert und uns Informationen zugespielt, die wir auch von der Feuerwehr bekommen hatten. Wir haben uns ein paar Kreidetafeln und Stadtpläne besorgt. Und dann ist das immer mehr geworden. Die Leute haben Verpflegung zu uns gebracht, die wir dann verteilt haben. Wir haben Leute losgeschickt, Sonnencreme zu kaufen und, und, und. Und das hat super funktioniert.

Wie geht es bei euch jetzt weiter?

Ja, nun muss aufgeräumt werden. Ich hoffe, das läuft genauso gut wie die Abwehr des Wassers.

Ab wann soll der Club Bärenzwinger wieder öffnen?

Ich denke, wir werden jetzt noch eine Woche brauchen. Wir werden das gleich nutzen um ein bisschen Budenschwung zu machen, da wir ja eh alles rausgeräumt haben. Mit einer Woche müssen wir da auf jeden Fall rechnen. Und wir wollen auch in Dresden noch ein bisschen was machen. An anderen Stellen sieht es ja wesentlich schlimmer aus. Auch dort ist tatkräftige Hilfe gefragt.

Stephan Lohse

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.