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Uniklinikum Dresden hat eine der modernsten Reinraum-Apotheken Deutschlands

Uniklinikum Dresden hat eine der modernsten Reinraum-Apotheken Deutschlands

Das Dresdner Uniklinikum hat eine der modernsten Reinraum-Apotheken Deutschlands - Fachleute aus nah und fern kommen nach Dresden, um sich die Erfahrungen in dem hochmodernen Pharma-Reinraum anzueignen, in dem 20 Apotheker, Pharma-Ingenieure, pharmazeutisch-technische Assistenten und andere ganz spezielle Salben, Lösungen und Medikamente für die Uniklinik-Patienten herstellen, die man teils in keinem Laden bekommt.

Das Dresdner Uniklinikum hat eine der modernsten Reinraum-Apotheken Deutschlands - Fachleute aus nah und fern kommen nach Dresden, um sich die Erfahrungen in dem hochmodernen Pharma-Reinraum anzueignen, in dem 20 Apotheker, Pharma-Ingenieure, pharmazeutisch-technische Assistenten und andere ganz spezielle Salben, Lösungen und Medikamente für die Uniklinik-Patienten herstellen, die man teils in keinem Laden bekommt. Hinein kommt nur geschulte Spezialisten, die Tag und Nacht in Reinraumanzügen arbeiten. Für unsere DNN-Serie "Wir öffnen Türchen" hat sich DNN-Redakteur Heiko Weckbrodt in Schale geworfen.

In andere Stationen auf dem Uniklinik-Campus in der Johannstadt kann jeder hereinspazieren - nicht aber ins Haus 60. Erst als ich an der Wechselsprechanlage als "befugt" eingestuft werde, summt der Türöffner und lässt mich ein. Während ich in einem Neonlichtflur warte, mustere ich die Wände. Ein großformatiger "Algorithmus Erwachsenen-Reanimation" fällt ins Auge. Ein schlechtes Zeichen? Aber da eilt auch schon Peter Gärtner herbei, lächelt, lotst mich zum 530 Quadratmeter großen Reinraum.

Jetzt beginnt der anstrengende Teil: erste Schleuse, Gamaschen über die Schuhe, Gastanzug überstreifen, Hände waschen, desinfizieren. Und das ist nur die abgespeckte Version, wie mir der 28-jährige "Leiter Herstellung" versichert: "Für Besucher machen wir ein paar Ausnahmen. Wer von uns bis in den Kern, in den A-Reinraum will, muss etwa 20 Minuten einplanen, bis er alle Schleusen passiert hat."

Hochsauberer Mix gefragt

Gärtner zeigt auf eine Fensterflucht: Ganz hinten, im Allerheiligsten, werkeln die Blauvermummten, die - ähnlich wie die Chipwerker in der Mikroelektronik - von Kopf bis Fuß in blauen Reinraumanzügen stecken, nur die Augen lugen hervor. Wo sie pipettieren, rühren und mischen, herrscht das A-Regime: höchstens 3520 Halbmikrometer-Partikel pro Quadratmeter, ermittelt durch "Abklatschplatten". "Die Kollegen dort stellen die Infusionen her und die Ernährungslösungen für die Frühchen", erklärt Gärtner. Die gehen direkt ins Blut der Patienten und müssen deshalb hochsauber gemixt werden.

Als wir uns durch die nächste Schleuse vorgearbeitet haben - neue Fußgemaschen, weiter vermummen, erneut desinfizieren -, bin ich froh, Gärtners Rat befolgt und meinen Pullover vorher ausgezogen zu haben: Ich komme ins Schwitzen und beneide die Apotheker nicht, die den Mummenschanz von früh bis spät durchhalten - teils auch nachts, wenn eine Eilorder eintrifft. "Ach, das ist schon ganz okay, man gewöhnt sich dran", versichert mir Petra Menzer. "Nur das Tageslicht fehlt mir." Sie geht gerade die Bestellungen für die Zytostatika durch, die per Fax oder elektronisch im Reinraum eingetroffen sind. Das sind speziell zubereitete Therapie-Lösungen für die Patienten auf den Krebsstationen im Uniklinikum. Pro Tag sind etwa bis zu 180 Zytostatika zuzubereiten, erzählt Gärtner und macht mich auf einen Ampullen-Schrank hinter Menzers Rücken aufmerksam: Dort lagern die Wirkstoffe und einige davon repräsentieren den Wert eines Kleinwagens.

Stoffe im Wert eines Autos

Wenn hier versehentlich ein Beutel aufplatzt oder ein Wirkstoff-Fläschlein zerschellt, sind nicht nur gleich mal 10 000 Euro futsch - das kann auch sehr gefährlich werden. "Viele Krebstherapien sind für gesunde Menschen hochtoxisch", betont Gärtner. Deshalb gilt in der Reinraumapotheke ein genau abgezirkeltes Sicherheitsregime, daher sind zum Beispiel die blauen Anzüge für die höchste Reinraumklasse wasserabweisend: damit eine überlaufende Lösung möglichst nicht den Körper trifft.

Da mache ich doch lieber einen Abstecher zur Rezeptur, vorbei an einem Lager unerwarteter Zutaten: Mandelöl steht da, daneben Kakaobutter (nicht fürs kollektive Frühstück, sondern die Narbenpflege), Zinkpaste, Zuckersirup... Fasziniert stehe ich schließlich vor einem Glasriesen, der den Erlenmeyerkolben aus dem Chemieunterricht ähnelt, nur größer. Assistentin Corina Lehmann rührt da mit Engelsgeduld. "Harziges Dexpanthenol für Mundspülungen", erklärt sie. "Das dauert lange, bis es gelöst ist."

17 Millionen Euro investiert

Man meint die Präzision, mit der die Frauen und Männer im Reinraum arbeiten, in der Luft zu spüren. Hier darf nichts schief gehen, jede kleinste Überdosierung kann später, am Krankenbett, fatale Folgen haben. "Vor 20 Jahren wurden vieler dieser Lösungen noch von Schwestern auf den Stationen gemischt", erzählt Gärtner. "Aus Gründen der Arbeitssicherheit und Genauigkeit wurden diese Prozesse aber in den Reinraum verlegt."

Auch deshalb steige der Personalstamm in der Reinraumapotheke stetig an. Und die gilt deutschlandweit als vorbildlich: 17 Millionen Euro hat das Uniklinikum in das Haus 60 investiert, der Reinraum als Herzstück wurde 2010 fertig und zählt zu den modernsten in der Bundesrepublik. "Letzte Woche war eine Delegation aus Fulda da", sagt Gärtner. "Die wollten sich unsere Abläufe ansehen, an denen wir ein ganzes Jahr gefeilt haben."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.12.2012

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