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Uniklinikum Dresden betreut drogensüchtige Schwangere

Hilfe für Crystal-Babys Uniklinikum Dresden betreut drogensüchtige Schwangere

Das Uniklinikum Dresden hat sich zum Ziel gesetzt, Familien von Crystal-Meth-abhängigen Schwangeren und ihren Säuglingen eine Chance auf ein intaktes Leben zu bieten. Das Konzept setzt auf Vertrauen statt auf Vorurteile.

Für drogensüchtige Schwangere ist es oftmals schwer, Hilfe zu suchen und anzunehmen. Das Uniklinikum Dresden setzt deshalb auf Offenheit und Vertrauen.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden, .  Häufig kommen sie zu klein, untergewichtig und mit Schlaf- oder Aufmerksamkeitsstörungen zur Welt: sogenannte „Crystal-Babys“. Zwar können Ärzte diese Symptome in der Regel erfolgreich behandeln, doch meistens konsumieren die Mütter auch nach der Schwangerschaft weiter Drogen. Das zerstört die Familien und die Zukunft vieler Kinder. Das Uniklinikum Dresden hat sich zum Ziel gesetzt, den Familien von methamphetaminabhängigen Müttern zumindest eine Chance auf ein intaktes Leben zu bieten.

Dieses Konzept könnte nun als Beispiel für andere Kliniken dienen, der Ansatz zeigt erste Erfolge. „Wir haben in den vergangenen Monaten erreicht, dass etwa zwei Drittel der betroffenen Kinder zumindest vorerst bei ihren Familien bleiben konnten“, erklärt Psychologe Jörg Reichert vom Uniklinikum. Zum Vergleich: bis 2015 wurde noch etwa jedes zweite Kind vom Jugendamt in Obhut genommen, also etwa doppelt so viele wie aktuell. Reichert arbeitet seit 2008 beim Projekt „FamilieNetz“ des Uniklinikums, dass Frauen mit Risikoschwangerschaften versorgt.

Unter seiner Leitung entwickelte sich in den letzten Monaten auch das Konzept zur Fürsorge von Crystal-süchtigen Müttern. Das besondere daran: Es basiert auf Vertrauen. „Die meisten jungen Frauen schämen sich für ihre Sucht und fühlen sich durch Ärzte und Ämter sofort verurteilt“, so Reichert. Das führe in den meisten Fällen dazu, dass die Frauen ihre Sucht geheim hielten, Vorsorgeuntersuchungen mieden und im Extremfall ihre Babys sogar auf anderem Wege zur Welt bringen würden. So seien laut Reichert seit der medialen Berichterstattung im Jahr 2014 über den Anstieg von Crystal-Geburten und die damit verbundene „Stigmatisierung“ der Mütter die Geburtszahlen solcher Kinder in anderen Kliniken sachsenweit sogar rückläufig. Um genau das in Dresden zu verhindern, vereinigten die Abteilungen Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die Neugeborenenmedizin und die Ambulanz für Suchterkrankungen ihre Ressourcen und schufen ein „Auffangnetz“ für Crystal-süchtige Schwangere. „Wir bieten den Einstieg in den Ausstieg – auf Vertrauensbasis und ohne Vorurteile“, so Reichert.

In den meisten Fällen verbleibt das Neugeborene sieben bis 14 Tage im Krankenhaus, die Mutter besucht parrallel dazu täglich die Therapie in der Suchtambulanz. Am Ende werden beide unter Obhut des Jugendamtes nach Hause entlassen. „Für die Frauen ist es wichtig, als Mütter gesehen zu werden nicht als Junkies. Das Uniklinikum bietet Rat, Hilfe und Begleitung auf genau dieser Basis“, sagt Jörg Reichert. Man müsse auch verstehen, dass der Crystal-Entzug, anders als bei klassischen Drogen wie Heroin oder LSD, weniger körperlich, sonder psychisch stattfinde. Deshalb sei eine offene und vertrauensvolle Therapie notwendig.

„Ein Neugeborenes bedeutet Stress für junge Mütter. Selbst wenn eine Crystal-Süchtige zur Geburt clean ist, wird sie in ihrem alten Umfeld wahrscheinlich rückfällig“, so der Experte. Deshalb arbeite man eng mit dem Jugendamt zusammen, das bei den betroffenen Müttern ebenfalls mit Fingerspitzengefühl und auf Vertrauensbasis eher als Helfer und nicht als „Kontrolleur“ auftrete.

Doch bei weitem nicht alle Süchtigen springen auf das Angebot des Uniklinikums an. „Sicher gehen uns viele Mütter durch die Lappen“, so Reichert. Vor allem auswärtige Frauen können das Angebot gar nicht oder nur bedingt wahrnehmen. „Deshalb wollen wir unsere Reichweite erhöhen. Es wäre gut, vor allem in den peripheren Regionen ähnliche Angebote in den Kliniken zu haben“, ergänzt der Psychologe.

Doch Reichert warnt vor übereilten Schlüssen: „Wir schreiben gerade mal eine zehnmonatige Erfolgsgeschichte und befinden uns noch im Projektstatus.“ Man müsse das Konzept jetzt in aller Gründlichkeit auswerten, erklärte er. „Erst dann können wir das Modell anderen Kliniken vorschlagen.“ Derzeit finanziert sich das Projekt am Uniklinikum noch aus Drittmitteln. „Wir hoffen zukünftig auf Unterstützung durch die Politik, denn die Problemfälle werden in den nächsten Jahren sicher nicht weniger“, erklärt Reinhard Berner, Direktor der Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Uniklinikum.

Seit 2007 durchliefen offiziell 145 Crystal-süchtige Mütter das Programm allein am Uniklinikum. Die Dunkellziffer dürfte laut Reinhard Berner in Wirklichkeit fast doppelt so hoch liegen

 

Von Sebastian Burkhardt

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