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Uniklinik- Vorstand Michael Albrecht: Dresdner Medizin ist Marke geworden

Uniklinik- Vorstand Michael Albrecht: Dresdner Medizin ist Marke geworden

Das Dresdner Universitätsklinikum beherbergt 25 Jahre nach dem Mauerfall eines der renommiertesten Krebszentren der gesamten Bundesrepublik. Anders als viele andere Universitätskliniken schreibt das Dresdner Klinikum schwarze Zahlen und hat sich zur überregionalen Marke entwickelt.

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Mit viel Mühe zum guten Ruf: Uniklinik-Vorstand Michael Albrecht ist überzeugt, dass sich langfristige Strategien positiv als Standortvorteil auszahlen.

Quelle: Carola Fritzsche

Die DNN fragten Vorstand Michael Albrecht, wie Dresden das geschafft hat.

Professor Albrecht, zwei Drittel der Unikliniken in Deutschland schreiben rote Zahlen. Wie sieht es in Dresden aus?

Nachdem das erste Halbjahr 2013 ziemlich schwierig war, sind die Ergebnisse im zweiten Halbjahr deutlich gestiegen. Am Ende konnten wir mit einem Betriebsergebnis von 3,4 Millionen Euro abschließen. Davon sind 1,4 Millionen Euro in Projekte der Medizinischen Fakultät geflossen und der Rest in Abschreibungen. Letztlich blieb eine schmale Summe von 53 000 Euro im Plus. Wir schreiben also eine schwarze Null.

Schwarz ist immer gut, doch könnte das Ergebnis nicht fulminanter ausfallen?

Wir hatten ein gutes Jahr mit deutlichen Problemen. Das Gesamtfinanzierungsproblem hält an. Wir als Uniklinikum nehmen als sogenannter Supramaximalversorger eine Sonderrolle ein. Durch die Ausbildung der Ärzte, die Notversorgung oder auch die Behandlung von seltenen und besonders schwierigen Erkrankungen sind wir extremen Mehrbelastungen ausgesetzt. Diese werden im Vergütungssystem nicht angemessen abgebildet. Dies wiederum hat dazu geführt, dass immer mehr Unikliniken in Deutschland mit Verlusten kämpfen. Mittlerweile summieren sich diese in bundesweit 32 Unikliniken auf 161 Millionen Euro.

Droht das Verlust-Szenario auch Dresden?

Die Probleme haben sich fortgesetzt, auch wir erwarten in diesem Jahr ein leicht negatives Ergebnis. Das liegt einerseits an unserer Protonentherapieanlage, die seit Mai zur genauen Anpassung in der Anlaufphase läuft. Da wir erst im September die ersten Patienten dort behandeln können, haben wir hier ein großes Defizit zu verzeichnen. Andererseits sind es die bereits erwähnten "systemrelevanten" Mehrbelastungen.

Sie setzen sich als Chef des Verbandes der Uniklinika Deutschlands seit Jahren für ein neues Finanzierungsmodell für alle Universitätskliniken ein. Wie ist der Stand der Dinge?

Mittlerweile ist ein Bewusstsein dafür entstanden, dass sich etwas ändern muss. Die Koordinaten bleiben jedoch unklar. Die Bundeskanzlerin hat jetzt eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, welche die Angelegenheit bis zum Jahresende prüfen soll. Es wird etwas passieren - auf welche Art und Weise, in welcher Größenordnung und mit welcher Finanzierung, ist jedoch ungewiss.

Multiresistente Erreger (MRE) gelten als große Herausforderung unserer Zeit. Wie geht das Uniklinikum damit um?

Viele Patienten im Krankenhaus haben Infektionen. Die Herausforderung besteht darin, ein hohes Maß an Vorsicht bei der durchgängig hohen Leistungsdichte walten zu lassen. Außerdem müssen die Infektionen genau erfasst werden. Trotz steigender Patientenzahlen sind unsere Infektionen auf gleichem Niveau geblieben. Im Jahr 2013 hatten wir 224 Patienten mit dem erstmaligen Nachweis von MRSA-Erregern, im Jahr 2012 waren es sogar noch fünf Patienten mehr. Zur Vorsorge haben wir im vergangenen Jahr extra eine Abteilung für Krankenhausinfektiologie aufgebaut. Auf den Stationen prüfen Hygienebeauftragte regelmäßig die Bedingungen, Stationsapotheker überwachen die Einnahme von Antibiotika und melden Auffälligkeiten.

Wo spielen die Antibiotika-Resistenzen die größte Rolle?

Das hängt vom Fachbereich ab. Man muss jedoch restriktiv mit dem Einsatz von Antibiotika umgehen. Hier sind deutsche Ärzte viel zu nachlässig, nicht nur im stationären, sondern auch im ambulanten Bereich. Allerdings nehmen viele Menschen Antibiotika auch durch Nahrungsmittel - wie zum Beispiel Hühnerfleisch - auf.

Dresden gehört zu den wenigen Unikliniken in Deutschland, die noch nicht mit Verlusten kämpfen. Was machen Sie besser als andere?

Das Uniklinikum ist zur Marke geworden. Das liegt einerseits an einem guten Management in unserem Haus, andererseits haben wir unsere Strategien immer weitsichtig entwickelt. Schon 2003 haben wir das Krebszentrum gegründet, heute gehört es zu den Top-Standorten in Deutschland. Vor acht Jahren wurde mit der Carus Consilium GmbH Sachsen ein Grundstein für umfassende Netzwerke gelegt. Heute kooperieren unsere Ärzte per Telemedizin mit vielen Experten der Region. Vor zwei Jahren haben wir das Zentrum für evidenzbasierte Gesundheitsversorgung gegründet. Ich bin der Überzeugung, dass auch dies in kurzer Zeit ein Standortvorteil ist. Die gute Reputation hat uns Jahre gekostet, doch jetzt sind wir erfolgreich. Finanzprobleme, sinkende Organspendebereitschaft, Fachkräftemangel - die Luft wird dünner, doch ich bin optimistisch.

Interview: Katrin Tominski

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