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Uniklinik Dresden im Minus - Interview mit Vorstand Albrecht

Uniklinik Dresden im Minus - Interview mit Vorstand Albrecht

Das Uniklinikum Dresden hat Erfolgsgeschichte geschrieben. Im bundesweiten Vergleich des Nachrichten-magazins "Focus" belegte das Krankenhaus Platz 3 nach den Klinken in Berlin und München und den ersten Platz in Sachsen.

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Uniklinikums-Vorstand Michael Albrecht sieht zentrale Gründe für die Verluste im Gesundheitssystem.

Quelle: Dietrich Flechtner

Zudem vereint es drei deutsche Zentren gegen Volkskrankheiten. Das Klinikum baute ein Defizit von 18 Millionen Euro (Stand 2002) ab und erwirtschaftete längere Zeit Gewinne. Jetzt bricht der Erfolg anscheinend ab: Erstmals schreibt das Klinikum wieder Verluste. DNN-Redakteurin Katrin Tominski sprach mit Vorstand Michael Albrecht über Fehler im System und Geld in der Medizin.

Nach langer Zeit hat das Uniklinikum im vergangenen Jahr kein positives Ergebnis erzielt. Wie konnte das passieren?

Die Gründe sind vielseitig und unterschiedlicher Natur. Zum einen haben wir im Jahr 2011 insgesamt 18 Millionen Euro Eigenmittel in Investitionen gesteckt. Zum anderen ist unsere Medizinische Fakultät unterfinanziert und wird vom Klinikum querfinanziert. Die Tariflohnsteigerung war immens und langsam schlägt sich auch der Systemfehler unseres Gesundheitswesens auf das Klinikum nieder.

Unser Gesundheitswesen hat einen Systemfehler?

Ja, leider. Die Aufwandssteigerungen durch Personalkosten und Investitionen bilden sich nicht in den Erlössteigerungen ab. Das heißt de facto, die Aufwände steigen, aber die Krankenkassen zahlen nicht ausreichend mehr Geld pro Krankheitsfall. Daraus ergeben sich mittelfristig finanzielle Probleme. Das sehen wir zum Beispiel auch an den ankündigten Streiks der niedergelassenen Ärzte. Von 32 Uniklinika in Deutschland werden 2012 wahrscheinlich nur noch fünf Krankenhäuser ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaften. Es arbeiten aber nicht überall plötzlich Management-Idioten. Nein, es handelt sich hier nicht um ein kollektives Managementversagen, sondern um einen Systemfehler.

Warum sind Sie sich da so sicher?

Sehen Sie, wenn Sie Verluste schreiben, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Ausgaben zu senken und/oder die Einnahmen zu steigern. Um die Ausgaben zu minimieren, können sie Personal kürzen oder aus der Tarifbindung fliehen. Beides kommt für uns nicht in Frage, weil wir seit Jahren mit sehr effizienten Strukturen arbeiten und keine Luft zur Personalreduktion haben. Bleibt also noch die Option, die Einnahmen zu steigern. Das haben wir getan. 2011 sind unsere Erlöse aus Krankenhausleistungen um 9,7 Millionen Euro sowie aus ambulanten Leistungen um 1,9 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Trotzdem reicht es nicht. Das liegt auch daran, dass die Leistungen nach oben gedeckelt sind, was bedeutet, dass die Krankenkassen ab einem bestimmten Punkt nur noch 70 Prozent vergüten. Leistungszuwachs wird also mit Abschlägen bestraft. Das führt dazu, dass auch diese Kompensationsmöglichkeit für ein ausgeglichenes Ergebnis verbaut ist.

Es gibt also keine wirklich durchschlagenden Strategien gegen das Minus?

Schwer, wenn man bereits an allen verfügbaren Stellschrauben gedreht hat.

Ist die Reform des Gesundheitswesens mit der Einführung der Fallpauschalen also gescheitert?

Nein, prinzipiell nicht. Früher wurden die Krankenhäuser pro belegtem Bett bezahlt. Die Motivation bestand damals darin, möglichst viele Betten mit Patienten zu belegen. Die Bezahlung der Fallpauschale pro Diagnose ist da eindeutig der bessere Weg. Allerdings müssten die Pauschalen zum Beispiel den immensen Lohnsteigerungen adäquat angepasst werden.

Wie kann man das verstehen?

Nehmen wir eine Hüftoperation, die mit zirka 6000 Euro vergolten wird. In der Regel sind pro Pauschale etwa 70 Prozent Lohnkosten veranschlagt. Wenn die Personalkosten steigen, muss also einfach schlichtweg auch die pauschale Vergütung steigen. Das würde eine Menge Druck aus dem System bezüglich Mengensteigerung nehmen.

Doch Sie sagen selbst, dass auch die Ausweitung des Leistungskatalogs zusätzliche Einnahmen einspielen kann.

Die Krankenkassen berechnen die Pauschalen an den Durchschnittskosten ausgewählter Krankenhäuser. Weiten jedoch alle Häuser ihren Leistungskatalog aus, kommt es mittelfristig durch Einfluss auf den Landes-Basisfallpreis über die Mengendeckelung zu einer Pattsituation. Am Ende bekommt jeder trotz einem Plus an angebotenen Leistungen das gleiche oder sogar weniger Geld.

Die Personalkosten spielen dabei eine so herausragende Rolle?

Ja. Jedes Jahr steigen sie etwa um drei bis vier Prozent, die Erlössteigerungen über die Veränderungsrate liegen jedoch meistens um ein Prozent. Im vergangenen Jahr haben wir rund 190 Millionen Euro an Personalkosten bezahlt. Das ist eine Steigerung um 69 Prozent seit dem Jahr 2000.

Viele Mitarbeiter sind bestimmt froh über die Tarifssteigerungen...

Sicher, das ist auch ihr gutes Recht. Hier beginnt allerdings die Diskussion, ob das Tempo für die steigenden Löhne wirklich gerechtfertigt ist.

Und: Sind sie das?

Nein, teilweise nicht. Besonders bei den Ärzten verzeichnen wir in den letzten Jahren vor allem bei den Berufseinsteigern einen sehr überproportionalen prozentualen Anstieg.

Wie sieht Ihre Strategie für die Zukunft aus?

Im bundesweiten Vergleich hat das Uniklinikum Dresden mit die produktivsten Mitarbeiter. Doch wir können das Personal nicht weiter wie eine Zitrone ausquetschen, schon jetzt schuften alle aus vollsten Kräften. 1995 hat in Deutschland niemand gewusst, dass es in Dresden ein Uniklinikum gibt. Mittlerweile sind wir zum Top-Standort gewachsen. Diese Position geben wir nicht einfach wieder auf. Mit allen verfügbaren Strategien werden wir unseren Platz in der ersten Krankenhaus-Liga verteidigen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.09.2012

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