Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Uneinigkeit über den Wiederaufbau des Dresdner Narrenhäusels

1a-Lage in Dresden Uneinigkeit über den Wiederaufbau des Dresdner Narrenhäusels

Die Dresdner Grünen schlagen einen städtebaulichen Wettbewerb für die Bebauung des Bereichs zwischen Blockhaus und Finanzministerium vor. Die Gesellschaft Historischer Neumarkt zeigt sich skeptisch und hält den Vorschlag für Verzögerungstaktik, denn ein Investor ist bereits gefunden.

Voriger Artikel
Dresdner Eltern sollen für Kitas tiefer in die Tasche greifen
Nächster Artikel
Protonentherapie am Uniklinikum Dresden zeigt Erfolge

Das Narrenhäusel (Mitte) soll nach dem Willen der Neumarkt-Gesellschaft wiederaufgebaut werden. Jetzt ist eine Diskussion entbrannt.

Quelle: Visualisierung: Neumarkt-Gesellschaft

Dresden. Die Dresdner Grünen schlagen einen städtebaulichen Wettbewerb für die Bebauung des Bereichs zwischen Blockhaus und Finanzministerium vor. "Das Neustädter Ufer an dieser Stelle ist eine absolute 1a-Lage in Dresden, es ist das städtebauliche Pendant zum ,Balkon Europas', der Brühlschen Terrasse. Entsprechend sorgsam muss dieser Stadtraum geplant werden", erklärte Thomas Löser, Baupolitiker der Grünen, gestern. Bei einer Mitgliederversammlung habe sein Vorschlag für einen Wettbewerb einhellige Zustimmung gefunden.

Überlegungen für ein Konzerthaus hätten sich mit der Sanierung des Kulturpalastes überholt. "Nun ist die Stadtgesellschaft aufgerufen, sowohl hinsichtlich Gestaltung als auch Nutzung neue Ideen zu entwickeln", sagte Löser. Er könne sich beispielsweise eine Art Museumsufer wie in Frankfurt am Main vorstellen, mit dem Japanischen Palais und dem Blockhaus wäre dafür schon ein Grundstein gelegt. Aber auch die Idee einer kleinteiligen Auftaktbebauung auf der Neustädter Seite mit Cafés und Restaurants erscheine ihm "sehr reizvoll". Es sei zu prüfen, ob die "Wiedererrichtung des historischen Narrenhäusels diesen Ansprüchen gerecht wird".

Hier widerspricht Torsten Kulke. Der Vorsitzende der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden, die sich auch für die Gestaltung des Bereichs rund um den Neustädter Markt engagiert, sieht keinen Zusammenhang zwischen städtebaulichem Wettbewerb und Wiederaufbau-Plan. "Das ist vollkommen unabhängig vom Narrenhäusel", erklärte Kulke gegenüber DNN. Ein Wettbewerb sei denkbar. Es sollten jedoch klarer Kriterien aufgestellt werden, in welche Richtung es gehen soll und die Jury müsse ausgewogen zusammengesetzt werden. Kulke: "Es ist aber gar kein Problem, trotzdem jetzt das Narrenhäusel zu errichten." Die Neumarkt-Gesellschaft hat bereits einen Investor gefunden, es gebe eine breite Unterstützung der Bevölkerung und das Narrenhäusel sei auch geschichtlich und städtebaulich bedeutsam für Dresden. Alles andere ist in Kulkes Augen nur eine Verzögerungstaktik.

Das sehen Architekten und Denkmalschützer teilweise deutlich zurückhaltender. "Der Verkauf eines für die weitere städtebauliche Entwicklung des Neustädter Elbufers hochwichtigen Grundstückes mit einer eventuellen Rekonstruktion des Narrenhäusels ist nur in ein Gesamtkonzept eingebunden möglich", erklärte Werner Bauer, Regionalgruppensprecher des Bundes Deutscher Architekten in einem Schreiben an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP).

"Das Narrenhäusel war weder Leitbau im lokalen, baulichen Kontext, noch war es von überregionaler Bedeutung", erklärte auch der Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, Wilfried Krätzschmar. Für die Entwicklung des Neustädter Elbufers und des Neustädter Marktes sei "nicht der Blick in die Vergangenheit, sondern dringlich ein Blick in die Zukunft anzudenken".

Der frühere Landeskonservator Gerhard Glaser sieht das ähnlich. Er fordert für die "nun fast letzte Wiederaufbauplanung seit 1945" in der Stadt in einer DNN vorliegenden Stellungnahme zum Narrenhäusel eine "komplexe Planung, die alle Aspekte einbezieht". Es gehe um die generelle städtebauliche Entwicklung im Kontext zur historischen Inneren Neustadt, denkmalpflegerische Überlegungen, aber auch Gebäudenutzung, Freiflächengestaltung, endgültige Verkehrslösungen und die Hochwassersituation. "Einen Baukörper ohne Sicht auf diesen Zusammenhang vorab errichten zu wollen, wäre der Aufgabe unangemessen und leichtfertig."

Im Stadtrat wird derzeit über einen Antrag der SPD zum Wiederaufbau des Narrenhäusels diskutiert. Löser rechnet nicht mit der Zustimmung der Grünen. Seine Partei werde einen Ergänzungsantrag einbringen, mit dem die Wettbewerbsidee verankert werden soll. Eine Mehrheit für den Wiederaufbau dürfte trotzdem zustande kommen.

Ingolf Pleil

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Grundstücke an der Augustusbrücke werden ausgeschrieben
Machen sich für das Narrenhäusel stark: Bauunternehmer Frank Wießner, Historischer-Neumarkt-Chef Torsten Kulke und Hofnarr Fröhlich (von rechts).

Der Wiederaufbau des Narrenhäusels an der Augustusbrücke ist nicht unumstritten. Der Bauausschuss des Stadtrats hat jetzt die Weichen für den Bau des Gebäudes am Kopf der Brücke gestellt. Den Grünen schmeckt der Beschluss gar nicht.

mehr
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.