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Umschulungs- und Fortbildungswerk macht Angebote für Asylbewerber

Umschulungs- und Fortbildungswerk macht Angebote für Asylbewerber

Auch das ist Dresden: Beim Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerk (SUFW) im Dresdner Norden können junge Asylbewerber verschiedene Berufsrichtungen ausprobieren. Möglicherweise schließt sich daran irgendwann eine Ausbildung an. Damit verbindet sich ganz praktische Integration.

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Handwerksferienkurs für Flüchtlinge: Natnael Kidane aus Eritrea probiert sich in der Holzbearbeitung aus.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Natnael Kidane lächelt etwas verlegen. "Tischler ist gut", sagt der 24-Jährige. So sicher gehen ihm die deutschen Vokabeln noch nicht über die Lippen. Seit etwa einem Jahr ist er in Deutschland. Sein etwa gleichaltriger Landsmann Sied Nur ist schon etwas sicherer. In Eritrea hätten sie keine Zukunft, dort herrsche eine Diktatur, vor der Polizei müsse man sich in Acht nehmen, übersetzt er. Beide wollen hier gern einen Beruf lernen, in Eritrea hat Natnael bislang nur die Schule besucht. Dresden gefällt ihnen, Anfeindungen hätten sie bislang nicht erlebt.

Beim SUFW konnten die beiden Eritreer gemeinsam mit mehr als 30 anderen Asylbewerbern jetzt in verschiedene Beruf hineinschnuppern: Holzbearbeitung, Kfz-Technik, Farbgestaltung, Bautechnik/Fliesenlegen und Gartenlandschaftsbau standen zur Auswahl. Alle haben sich freiwillig beteiligt, erläutert Uwe Gries, Bereichsleiter Bildung und Vermittlung beim SUFW. Er hat das Projekt in den drei Beruflichen Schulzentren in Dresden vorgestellt, wo die Asylbewerber derzeit in sogenannten DaZ-Klassen unterrichtet werden. DaZ steht für Deutsch als Zweitsprache und macht den Hauptanteil der Ausbildung aus.

Da sind die praktischen Arbeiten beispielsweise mit Hobel und Säge, bei denen am Ende des Tages auch ein fertiges Produkt vorzeigbar ist, eine gute Alternative. "Etwas Praktisches ist den Teilnehmern wichtig", meint Gries. Sie seien hochmotiviert und müssten in ihren handwerklichen Fertigkeiten den Vergleich mit Lehrlingen im ersten Lehrjahr nicht scheuen.

126 Plätze hat das Fortbildungswerk für solche praktischen Arbeiten. Sie sind eigentlich für Dresdner Förder- und Hauptschüler gedacht. 50 000 Euro steuert der Europäische Sozialfonds (ESF) dazu bei. Doch in der letzten Zeit hätten sich nicht mehr ausreichend einheimische Jugendliche dafür gefunden, nur noch 90 Plätze konnten belegt werden.

Daraufhin hat Gries bei der Sächsischen Aufbaubank wissen wollen, ob das Programm auch für junge Menschen aus Beruflichen Schulzentren genutzt werden könne und ob dies auch für DaZ-Schüler gelte. Die Förderbank des Freistaats gab grünes Licht und es konnte losgehen. "Wie lassen dafür nichts anderes weg, es ist ein zusätzliches Angebot", tritt Gries gleich absehbaren Sorgen entgegen.

Bislang ist das Projekt nur auf Ferienzeiten beschränkt, den nächsten Kurs soll es im Februar geben. Gries würde sich ein regelmäßiges Angebot wünschen. "Wenn wir das jede Woche einmal machen könnten, wäre es noch besser." Der Bereichsleiter hat ein großes Ziel. Mit der berufsnahen Arbeit will er möglichst auch fachspezifisches Vokabular vermitteln. "Wie müssten die jungen Leute so weit bekommen, dass sie in der Theorie in der Schule nicht mehr aufgrund von Sprachproblemen scheitern", erklärt Gries. Im Anschluss an einen Projekttag könnte das SUFW möglicherweise sogar interessierten Firmen den Kontakt zu den Asylbewerbern vermitteln, falls sie Lehrlinge bräuchten.

Das Fortbildungswerk engagiert sich auch in anderen Bereichen für Flüchtlinge. 700 Menschen werden durch SUFW-Mitarbeiter im Alltag betreut, da geht es um die Wohnung, Papiere, Fahrkarten für den Nahverkehr und andere Dinge. 48 ältere Asylbewerber sind in der Obhut des Fortbildungswerks an verschiedenen Stellen in der Stadt gemeinnützig tätig, sie arbeiten beim Möbeldienst, reinigen Haltestellen oder richten einen Friedhof wieder her.

Demnächst könnte das SUFW auch eine Unterkunft für unbegleitete ausländische Minderjährige anbieten. Das Quartier wäre in unmittelbarer Nähe der Werkstätten, wo Natnael Kidane und Sied Nur sich jetzt in der Holzbearbeitung erprobt haben. "Die praktischen Arbeiten sind hilfreich für die Integration", ist Gries überzeugt. Das sehen die jungen Eritreer genauso. Sie bedauern, dass die Einheimischen sonst kaum Kontakt mit ihnen aufnehmen würden. Sied Nur würde gern mit ihnen sprechen. "Ich kann viel besser Deutsch lernen", sagt er ziemlich fließend.

Ingolf Pleil

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