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Ulrike Schatz holt das „World Doctors Orchestra“ in die Kreuzkirche Dresden

Ulrike Schatz holt das „World Doctors Orchestra“ in die Kreuzkirche Dresden

Sie hält die Violine zwischen Schulter und Kinn, setzt den Geigenbogen auf die Saiten und schließt die Augen. Zarte Töne erklingen. Immer schneller spielt sie, wiegt ihren Kopf im Takt der Musik.

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Ulrike Schatz hat Musik im Blut.

Quelle: Carola Fritzsche

Das Besondere: die Violinistin trägt einen Arztkittel. Ulrike Schatz ist Musikerin und Medizinerin zugleich. Beides tut sie mit Leidenschaft. Wer denkt, dass diese Fachgebiete nichts miteinander zu tun haben, der irrt. „Basis beider ist eine gewisse Präzision, Technik, Geschick und viel Wissen. Das kann man nur in unzähligen Stunden des Übens und Lernens erreichen“, sagt die Ärztin. „Natürlich gehört auch Talent dazu. Aber die perfekte Technik nützt nichts, wenn man nicht die Emotion in der Musik und die Empathie in der Medizin sprechen lässt.“ Sie kenne viele Ärzte, die die Musik als Ausgleich für ihren oft kräftezehrenden Job betreiben.

 „Ich sang, bevor ich sprach, wenn man das schon als Singen bezeichnen kann“, sagt Ulrike Schatz lachend. Besonders für die klassische Musik hege sie schon immer eine Leidenschaft. Klavier und Geige entdeckte sie bereits früh für  sich. Seit dem fünften Lebensjahr musiziert sie. Anders als andere Kinder wurde sie jedoch niemals gedrillt: „Wenn ich brav war, durfte ich spielen“. Ihre Familie setzt sich aus Ärzten, Wissenschaftlern und Musikern zusammen. Die Musikalität wurde Ulrike Schatz also schon in die Wiege gelegt und blieb immer Teil ihres Lebens.

Während des Lernmarathons im Medizinstudium half das Musizieren, einen klaren Kopf zu bewahren. „Schon damals habe ich beim European Medicals Students Orchestra mitgespielt“, erzählt Ulrike Schatz. Das sei das junge Pendant zum World Doctors Orchestra, das im April erstmals in Dresden zu sehen und hören sein wird. Während ihres Staatsexamens bewarb sie sich für das „erwachsene“ Orchester, wurde aufgenommen, noch bevor sie die Examina schrieb.

Der einladende Satz des Präsidenten: „Wir dürfen Sie nicht nur in das europäische Orchester aufnehmen, sondern auch in die Ärzteschaft, denn wir gratulieren Ihnen bereits im Voraus zum Staatsexamen“ sei eine zusätzliche Motivation für den Endspurt im Studium gewesen, erinnert sie sich. Heute sagt sie: „Ich sehe in meinem Beruf manchmal schlimme Szenarien. Die Musik gibt mir dann Kraft“. In ihrem Fachgebiet, der Inneren Medizin, beschäftigt sie sich mit Stoffwechselerkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen und Diabetes sowie Behandlungsmöglichkeiten dafür.

256 Profi-Musiker und 654 Laien

Seit 2007 musizieren 910 Ärzte aus 50 Ländern in unterschiedlicher Zusammensetzung mit je rund 100 Mitgliedern. Die Musiker verbinden das Musikalische mit einer karitativen Idee, der Erlös kommt verschiedenen Hilfsprojekten zugute. Nur 256 Orchestermitglieder haben eine professionelle musikalische Ausbildung. Die anderen sind hervorragende Laienmusiker. Unter der Leitung seines Gründers und Dirigenten Stefan Willich, Medizinprofessor an der Charité Berlin und früherer Rektor der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, gastierte das World Doctors Orchestra schon in den USA, Taiwan, Armenien, China, Südafrika, Österreich, Japan und Chile.

Ulrike Schatz ist von Anfang an dabei. Zwei bis drei Mal im Jahr ist sie als Musikern in der Welt unterwegs. Dabei sieht sie auch die Zustände in armen Ländern wie Rumänien. „Wir wurden dort eingeladen und bespeist wie Könige in einem Palast, obwohl wir eigentlich in einer heruntergekommenen Baracke saßen“, erzählt die Violinistin. Am berührendsten war für sie ein Konzert in Südafrika. Dort spielte das außergewöhnliche Orchester im Dorf einer karitativen HIV-Klinik. „Diese Klinik war mitten in der Botanik irgendwo in Südafrika, aber die Ausstattung war beeindruckend“, erzählt die Ärztin. Jeder Patient werde gratis behandelt –  eine Seltenheit. Die Dorfbewohner hätten noch nie in ihrem Leben klassische Musik gehört und seien in eine Art Taumel versetzt worden. „Es war sehr bewegend. Sie hatten offensichtlich sofort Zugang zu der klassischen Musik“, schwärmt die Violinistin. „Bei den Moll-Stücken haben die Kinder zu weinen angefangen und bei Passagen in Dur haben sie getanzt.“

Auch hierzulande konnte das internationale Orchester schon vielen Menschen zeigen, dass die klassischen Musik ihr angestaubtes Image zu unrecht trägt. „Der Funke muss überspringen, sonst macht es keinen Sinn“, sagt die musikalische Medizinerin. Das Konzert in Dresden solle auch ein klares Zeichen für die Weltoffenheit ihrer Stadt sein, die einen fruchtbaren Boden biete für kulturellen und wissenschaftlichen Austausch. Vor zwei Jahren konnte die Ärztin, ihre internationalen Kollegen für die sächsische Landeshauptstadt begeistern. Seither organisiert sie das Projekt. Auf die Frage, wie sie das neben ihren langen Tagen in der Klinik schaffe, zitiert sie augenzwinkernd Leonard Bernstein: „Um Großes zu erreichen, sind zwei Dinge notwendig: ein Plan und nicht genug Zeit dafür.“

90 Ärzte aus 14 Ländern werden [link:700-NR_DNN_91281-1] dabei sein. Reise- und Hotelkosten finanzieren die musizierenden Mediziner stets aus eigener Tasche. Eigentlich hatte die 36-Jährige es sich in den Kopf gesetzt, das Ensemble in die Semperoper zu holen. Aber es war unmöglich, einen Termin zu bekommen. So fragte sie in der Kreuzkirche nach. „Das Konzert  ist ein schönes Symbol, bei dem Kultur und Religion ineinanderfließen“, meint Ulrike Schatz. Die Erlöse gehen an die Hope-Kapstadt-Stiftung gegen HIV/AIDS in Südafrika sowie an die „Stiftung Michael - eine Stiftung für Epilepsie“. Die Schirmherrschaft haben Ministerpräsident Stanislaw Tillich und die zurückgetretene Oberbürgermeisterin Helma Orosz. Übernommen. „Ohne die Unterstützung, die ich von Kollegen wie Dr. Timo Siepmann, vom Universitätsklinikum, von der Stadt, Spendern, Partnern und Sponsoren erhalte, wäre dieses Projekt nicht möglich“, sagt Ulrike Schatz.

Die Dresdnerin möchte aber auch den Kleinen und Kranken die Möglichkeit geben, das Konzert zu erleben. Deshalb reisen einige Orchestermitglieder früher an und gehen am 20. April auf musikalische Benefiztour durch Schulen und Kliniken. Mit hiesigen Ärzten und Mitgliedern der Dresdner Philharmonie finden sie sich zu Formationen zusammen. „In den Krankenhäusern wollen wir jenen, die nicht zum Konzert in die Kreuzkirche kommen können, den Konzertsaal ans Bett bringen und so Freude und Hoffnung spenden“, erklärt Ulrike Schatz.

In den Schulen wiederum sollen junge Menschen für klassische Musik begeistert werden – nicht nur durch Zuhören, sondern auch mit Workshops zu den Instrumenten. „Gleichzeitig wollen wir die Schülerinnen und Schüler aber auch über die Krankheitsbilder Epilepsie und HIV aufklären“, sagt die Fachärztin und zitiert eine Kollegin: „Wir heilen mit dem Skalpell den Körper und mit der Geige die Seele.“

Juliane Just

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