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Uhrmacher und Bildungsbürger - Stefan Kudoke ist ein etwas anderer Unternehmer

Die Kunst des Einzigartigen Uhrmacher und Bildungsbürger - Stefan Kudoke ist ein etwas anderer Unternehmer

Es ist ein eher unscheinbares Hinterhofgebäude in der Inneren Neustadt. Von außen deutet nichts darauf hin, dass hier Einzigartiges entsteht. Vielleicht liegt es daran, dass Stefan Kudoke in Japan oder den USA wesentlich bekannter ist als in Deutschland.

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In einem Hinterhof in der Inneren Neustadt betreibt Stefan Kudoke seine Uhrenmanufaktur - 2009 gründete er das Unternehmen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Es ist ein eher unscheinbares Hinterhofgebäude in der Inneren Neustadt. Von außen deutet nichts darauf hin, dass hier Einzigartiges entsteht. Vielleicht liegt es daran, dass Stefan Kudoke in Japan oder den USA wesentlich bekannter ist als in Deutschland. Der Uhrmacher hat besonders den Nerv der Asiaten getroffen mit seinen Uhren, die einmalig sind. Der Kunde kann sich die Uhr quasi aufs Armgelenk schneidern lassen. Kudoke fertigt individuelle Uhren an. Jede einzelne ist ein Unikat.

Individualität heißt Handarbeit. Kudoke graviert und skelettiert die Uhrwerke nach dem Wunsch der Kunden. Eine Frau, die im Gebirge groß geworden ist, wünschte sich eine Uhr mit Bergen. Kein Problem, Kudoke gravierte sie auf die Platine. Genauso wie er beispielsweise persönliche Initialen einbaut, die dann als Teil des Uhrwerks ihre Arbeit verrichten. "Kein Problem" ist relativ. Mit Pinsel und Lupe arbeitet Kudoke an seinen Unikaten. Manche werden mit Farbe hervorgehoben. "Es gibt ganz viele unterschiedliche Entwürfe und Variationen", sagt er.

Sein Meisterstück ist das "KudOkTourbi". ein fliegendes Tourbillon mit Uhrzeigern in Form von Fangarmen eines Tintenfischs, der sich gewissermaßen durch das Uhrwerk "tentakelt". Die ganz hohe Schule der Uhrmacherkunst hat ihren Preis - 29 900 Euro kostet dieses Unikat. Wer den Tintenfisch als "KudOktopus" mit skelettiertem Uhrwerk haben will, muss 7990 Euro bezahlen.

Dass er den größten Teil seiner Kollektion nach Asien verkauft, erklärt der Uhrmacher mit der Frage des Geschmacks. In Deutschland seien schlichte Uhren gefragt. Während Asiaten eher das Verspielte, Verschnörkelte mögen würden. Und Tintenfische sowieso: Als auf einer Internetseite ein Text zum Thema Design mit Tintenfischen erschien, gab es an einem einzigen Tag 10 000 Zugriffe.

"Ich will etwas Besonderes schaffen, dass man nicht überall bekommt", erklärt Kudoke seinen Antrieb. In der Boutique "Tempus Arte" in der Schloßstraße ist er mit seinen Uhren vertreten. Da kann es schon mal passieren wie 2014, dass an einem Tag fünf Kudoke-Uhren über den Ladentisch gehen. Eine Reisegruppe aus China hatte gezielt die Vitrine leergekauft.

Die Wartezeit auf eine Kudoke-Uhr beträgt zwischen drei Monaten und einem Jahr. 50 bis 70 Uhren baut der Uhrmacher mit zwei festangestellten Mitarbeitern und zwei Freiberuflern im Jahr. "Dieses Jahr werden es vielleicht 60", sagt er. Mehr sollten es auf lange Sicht nicht werden. "Man kann nur über mehr Personal wachsen", sagt Kudoke, "ich will ein Unternehmen mit maximal fünf Angestellten haben. Wenn es mehr werden, sitzt man nur noch hinter dem Schreibtisch und nicht mehr an der Uhr."

Dann würde die Zeit fehlen - Zeit für die Familie etwa, wie der Vater von zwei kleinen Kindern erklärt. Und Zeit dafür, seinen Wissensdurst zu stillen. Mit 22 Jahren hatte Kudoke seinen Meisterbrief in der Tasche. Er setzte sich in den Hörsaal und studierte Betriebswirtschaftslehre. 2012, da war sein Unternehmen schon drei Jahre alt, begann er ein Studium der Politikwissenschaft. Als eine Art Hobby, wie er sagt. Seit diesem Jahr darf er sich neben Diplom-Betriebswirt auch Master of Public Policy nennen.

Das klingt einzigartig in einer Welt der Beschleunigung und Globalisierung. Einzigartig ist der Weg von Kudoke tatsächlich. 1978 wurde er in Frankfurt/Oder geboren und besuchte die Sportschule, ehe er sich nach der 10. Klasse zu einer Uhrmacherlehre beim Innungs-Obmeister in seiner Heimatstadt entschloss. Der theoretische Unterricht fand in Glashütte statt, sozusagen im Mekka der sächsischen Uhrmacherkunst. Kudoke wechselte nicht Batterien bei Quarzuhren, sondern reparierte historische Uhren. Die Lehre schloss er als Landessieger Brandenburg und 3. im Bundeswettbewerb ab.

Nach der Lehre blieb er als Geselle bei seinem Meister in Frankfurt, ehe er mit 21 Jahren zu Glashütte Original wechselte. Er wurde Meister und ging 2002 für die Swatch Group nach New York, war im Kundendienst für namhafte Hersteller tätig. Bis er den Entschluss fasste, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Er ging an die Hochschule Lausitz, lernte beim Studium seine Frau kennen und begann allein mit seinem bisschen Bafög, sein Unternehmen aufzubauen.

"Ich habe direkt im Internatszimmer an meinen ersten Uhren herumexperimentiert", sagt Kudoke lächelnd. Er habe viel getestet, probiert und die ersten Uhren für Bekannte hergestellt. "Das alles ohne Investor und ohne Fördermittel", betont er stolz. Er habe den Markt genau analysiert und nach Nischen gesucht. "Als ich mit dem Studium fertig war, habe ich schon die ersten Uhren verkauft", sagt er. Schwerpunkt sei schon immer das Skelettieren und Veredeln der Uhrwerke gewesen. "Damals gab es nur einen Kollegen in der Schweiz, der mit solchen Uhren nach außen gegangen ist", sagt der Uhrmacher, "ansonsten gab es nichts Vergleichbares. So reifte bei mir die Idee."

Von den Umsätzen seiner ersten Verkäufe schaffte er Maschinen und Technik an und startete von seinem Elternhaus aus seine Firma. Er stellte auf der weltweit größten Uhrenmesse in Basel aus, suchte sich Vertriebspartner - "Und dann ging es richtig los", sagt er. 2009 wurde er mit dem Unternehmerpreis des Landes Brandenburg geehrt, 2013 zog er nach Dresden um.

Seine Frau ist Dresdnerin, aber das war nicht der einzige Grund für den Umzug. "Wir hatten in Frankfurt Probleme, geeignetes Personal zu finden." Dresden sei eine wunderschöne Stadt mit einer großen Tradition in der Herstellung von Uhren. Und einem kleinen, aber feinen Netzwerk von unabhängigen Uhrenherstellern. Marco Lang, Geschäftsführer von Lang & Heyne, ist nicht nur ein guter Bekannter von Kudoke. Er ist auch der Arbeitgeber von Kudokes Frau.

"Alles, was hier steht, habe ich selbst bezahlt", betont Kudoke seine Unabhängigkeit, "ich bin keinem Investor verpflichtet, ich muss keine Stückzahlen bringen. Ich kann es mir leisten, nebenbei zu studieren." Wachsen werde auch sein Unternehmen, aber nicht in eine überdimensionierte Größenordnung. "Wenn es mal 150 Uhren im Jahr werden, wäre das okay", gibt der Uhrmacher das Ziel vor.

Thomas Baumann-Hartwig

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