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US-Ehepaar gründet freie Gemeinde im Dresdner Süden

Vom Offiziersanwärter zum Missionar US-Ehepaar gründet freie Gemeinde im Dresdner Süden

Seit die Zahl ihrer Mitglieder abnimmt, müssen die beiden großen Kirchen überlegen, was sie mit dem einen oder anderen Kirchgebäude anfangen. Bei manchen protestantischen Freikirchen mit ihren kleinen, selbstständigen Gemeinden, ist es umgekehrt. Bei Jeff und Anne Ingram zum Beispiel.

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Anne und Jeff Ingram im Gespräch auf ihrer Couch. In einer etwas größeren Wohnung von Mitgliedern ihres Teams reden sie jeden Dienstag in der „Sofarunde“ über Bibeltexte und beten.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Seit die Zahl ihrer Mitglieder abnimmt, müssen die beiden großen Kirchen, die evangelische und die katholische, überlegen, was sie mit dem einen oder anderen Kirchgebäude anfangen. Bei manchen protestantischen Freikirchen mit ihren sehr kleinen, selbstständigen Gemeinden, ist es umgekehrt. Bei Jeff und Anne Ingram zum Beispiel: Die haben in Dresden mehr als ein Dutzend Frauen und Männer um sich geschart, treffen sich zu Gesang, Gebet und Bibelstudium - nur eine Kirche haben sie nicht. Auch die Gemeinde entsteht gerade erst. Jeff und Ann Ingram sind dabei, sie zu gründen. Für diese Pionierarbeit zogen die beiden US-Amerikaner nach Dresden.

Einmal als Missionar in den weitgehend entkirchlichten Osten Deutschlands zu gehen, daran hat Jeff Ingram in seiner Jugend nie gedacht, wie er erzählt. Als Sohn eines Offiziers der US-Army 1959 in West Virginia geboren, lebte er mit seinen Eltern einige Jahre in Gießen. Im hessischen Hanau besuchte er die englischsprachige High-School. Dann folgte er zunächst dem Berufsweg seines Vaters: auf die Militärakademie in West Point (New York), eine Eliteeinrichtung.

„Damals habe ich über die großen Lebensfragen nachgedacht“, erinnert er sich. Gottesdienste waren ihm vertraut. „Doch ich dachte: Du nennst dich Christ, aber hast keine Ahnung, was das bedeutet. Ich wollte den Glauben besser verstehen.“ Er versuchte es mit Bibelstudium in einer Gruppe an der Militärakademie. Nach zwei Jahren entschied er sich gegen die Offizierslaufbahn, studierte in Blacksburg (Virginia) Maschinenbau und wurde Ingenieur bei der Raumfahrtbehörde NASA. Doch sein Interesse für Mission im Ausland war stärker. Also studierte er noch Theologie in South Carolina.

Dort traf er Anne, heute seine Frau. Sie, vier Jahre jünger als Jeff, wuchs mit einem Vater auf, der aus England stammt und Missionar in Afrika war. Ihre Mutter ist in Angola geboren. „Meine Eltern haben mir einen Glauben vorgelebt, der natürlich war, menschenorientiert, nie engstirnig“, erzählt sie. Zunächst aber studierte Anne Ernährungswissenschaft, fand eine Stelle als Ernährungsberaterin. Auf die Hochschule, wo Jeff studierte, wollte sie nur für ein Jahr gehen – „um meinen Glauben zu festigen“. 1987 heirateten die beiden.

Die erste Stelle als Hilfspastor bekam Jeff Ingram auf dem Land in Pennsylvania. Dann ging das Paar im Auftrag einer Missionsgesellschaft nach Polen, bauten siebeneinhalb Jahre lang in Warschau eine protestantische Gemeinde auf. 1999 zogen Anne und Jeff Ingram in den Westen der Bundesrepublik, lernten Deutsch und gründeten in Ramstein eine Freie evangelische Gemeinde.

Von dort kamen sie nach Dresden – auf Einladung von Ulrich Mann, dem Pastor der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) in Dresden-Trachau. Im Saal des „Goldenen Lamm“ werde es sonntags beim 11 Uhr-Gottesdienst mit jeweils über 400 Besuchern allmählich eng, erzählt er. Inzwischen wird zweimal monatlich 18 Uhr ein zusätzlicher Gottesdienst gefeiert. So entstand der Gedanke, im Süden der Stadt eine weitere Gemeinde zu gründen.

„Für manche ist der Weg in den Nordwesten der Stadt etwas weit“, hörten auch Jeff und Anne Ingram oft. So begannen sie, sich mit einem 13-köpfigen Team regelmäßig zu treffen: Dienstagabend beispielsweise zur „Sofarunde“, zum Nachdenken über Bibeltexte und Erzählen. Inzwischen organisieren sie einmal im Monat einen Brunch. Der nächste findet am Sonntag in einem Kochstudio in der Leubnitz-Passage statt.

Vor allem kontaktfreudig und initiativ müsse man als Gemeindegründer sein, sagt Jeff Ingram. Ideen müsse man haben und Ideen anderer aufnehmen können. Ihre jüngste: eine Aktion, bei der sie kirchenfernen Menschen anbieten, ihnen vertraulich Alltagssorgen, unbeantwortete Fragen mitzuteilen. „Wir verstehen uns nicht nur als Gemeinde für Christen, sondern auch für Menschen, die Gott nicht kennen und auf der Suche sind.“

Im Internet stellen sie sich ausführlich mit einer Seite vor. Jeff versendet Nachrichten über Twitter. Aber das sei nur eine Schiene, um Menschen kennenzulernen; die wichtigere: „persönliche Kontakte“.

Für andere da zu sein, das praktiziert Anne auch einmal pro Woche bei Treffen mit Flüchtlingen im Jugendhaus „Spike“. Außerdem hilft sie Flüchtlingen als Patin, sich im Alltag zurechtzufinden.

Als freie Gemeinde müssten sie sich zunächst darüber verständigen, worauf es ihnen ankomme, sagt Jeff Ingram, und diese Werte genau formulieren. „Sonst gibt es Konflikte.“ Auch auf die Form ihrer Gottesdienste müssen sie sich einigen. Als offiziellen Gründungstag der Gemeinde haben sie den 16. April vor Augen. Doch einige Jahre werden sie brauchen, meint Jeff Ingram - weil es um Vertrauen gehe. „Und das wächst nicht über Nacht.“

Freie evangelische Gemeinde Dresden-Süd

Muttergemeinde: Freie evangelische Gemeinde (FeG) Dresden; gegründet 1991; Gemeindehaus „Goldenes Lamm“, Leipziger Str. 220

Bund: FeG gehört zum Bund freier evangelischer Gemeinden in Deutschland (BFeG) mit fast 500 selbstständigen Gemeinden und rund 40 000 Mitgliedern. Gegründet wurde dieser 1874. Seit 1928 trägt er den heutigen Namen.

Prinzipien: FeG Dresden betrachtet die Bibel als Wertegrundlage; Zugehörigkeit zu Kleingruppe; geistliche Gaben eines jeden entdecken und fördern; Gebet und Anbetung in verschiedenen Formen; Menschen außerhalb der Gemeinde helfen

Finanzierung: Die Missionare Anne und Jeff Ingram werden aus Spenden finanziert – über The Evangelical Alliance Mission (TEAM). Das ist ein überkonfessionelles Missionswerk, 1890 von Fredrik Frenson gegründet als Scandinavian Alliance Mission. Es arbeitet mit der 1889 gegründeten evangelikalen Allianz-Mission (Ewersbach) zusammen, die zum Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland gehört.

Aktion: Gebetsdienst für Kirchendistanzierte und Menschen ohne Beziehung zu Gott, die gern Unterstützung durch Gebet hätten, es aber nicht formulieren können; „Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir beten für Sie!“ (Jeff Ingram)

Kontakt: Anne und Jeff Ingram, Tel. 0351/ 30936304; E-Mail kontakt@dresden-sued.feg.de

➦Internet: dresden-sued.feg.de

Tomas Gärtner

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