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Turbulenzen im Kaffeebecher: Schüler streben nach dem Titel Juniordoktor

Turbulenzen im Kaffeebecher: Schüler streben nach dem Titel Juniordoktor

Ein kleiner Seminarraum im Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme. Klingt kompliziert, doch heute wird es etwas einfacher. Die angehenden Juniordoktoren sollen schließlich nicht abgeschreckt, sondern motiviert werden.

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Xenia Neumann möchte einmal Ärztin werden.

Quelle: Anja Schneider

Zum Beispiel zu einem Physik- oder Mathematikstudium. Der Seminarraum ist gut bestuhlt, doch heute sind nur fünf Teilnehmer anwesend. Im echten Hörsaal bleiben ja auch oft viele Stühle leer. Die 16-jährige Xenia Neumann aus Radebeul ist heute bei ihrer zweiten Juniordoktor-Veranstaltung dabei. Vor einigen Wochen hat sie sich Experimente mit flüssigem Stickstoff angeschaut, die von Physikstudenten der Technischen Universität gezeigt wurden. An diesem Tag veranstaltete die Uni ihren Tag der offenen Tür für Gymnasiasten und Xenia konnte sich noch durch viele andere Experimente und Vorlesungen schnuppern. Für sie ist der "Juniordoktor" eine Art des Schüleraustauschs. So wie eine Fremdsprache durch einen Auslandsaufenthalt reift, funktioniert es mit den Naturwissenschaften auch: "Ich möchte so meine Kenntnisse aus dem naturwissenschaftlichen Unterricht außerschulisch vertiefen."

Das Programm für Schüler der dritten bis zwölften Klassen wird vom Netzwerk "Dresden - Stadt der Wissenschaften" veranstaltet. Im Dezember ist es bereits zum siebenten Mal gestartet und läuft noch bis zum dritten Juli. Fast das gesamte Schuljahr also können sich die rund 200 Teilnehmer (40 Prozent sind übrigens Mädchen) in über 90 Veranstaltungen über Forschung und Ingenieurwissenschaften in Dresden informieren. Der Schwerpunkt liegt im Bereich der Naturwissenschaften: in der Mathematik, der Informatik und Technik. Außerdem gibt es Kunst- und Kulturangebote. So zum Beispiel die Veranstaltung "Kamerastadt Dresden", die sich mit der Dresdner Foto- und Kinoindustrie beschäftigt und das Thema "Ausgegrabene Geschichte" im Stadtmuseum. All diese Angebote haben laut Bürgermeister Dirk Hilbert vor allem ein Ziel: "Dresden braucht gut ausgebildete Nachwuchskräfte". Und das können dann die Juniordoktoren von morgen sein.

Auch Xenia könnte in einigen Jahren tatsächlich eine echte Frau Doktor sein, denn sie möchte Ärztin werden. Deshalb wird sie sich noch einen Vortrag zum Thema Nervensystem anhören. Heute geht es im Max-Planck-Institut aber erst einmal um die spannende Frage, wie Streifen, Punkte, Kopf und Schwanz, also Muster in der Biologie entstehen. Doktorand Steffen Werner erklärt den Schülern, was Wärme ist. Er hat theoretische Physik studiert und forscht jetzt im Bereich der Biophysik. "Wärme entsteht durch die ungerichtete Bewegung der Moleküle", erklärt er. Das klingt den Schülern wohl zu theoretisch. Deshalb wählt er ein bekanntes Beispiel - den Morgenkaffee. Wenn dem heißen Kaffee ein kleiner Tropfen Milch zugegeben wird, vermischt sich die Milch bald mit dem Kaffee. Der Grund dafür ist die Bewegung der Moleküle, erklärt Steffen Werner. Wird die Milch hingegen in den Kaffee geschüttet, wird es dem Kaffee schnell zu turbulent und es bilden sich Kringel und Schlieren. Auch wenn die Schüler noch keinen Kaffee trinken, haben sie dieses Beispiel sicher verstanden, denn theoretische Physiker mögen es gern einfach, witzelt der Doktorand.

Um am Ende den Doktortitel samt Hut verliehen zu bekommen, müssen die Teilnehmer mindestens sieben Veranstaltungen besuchen und zu jeder jeweils eine Frage richtig beantworten. Xenia geht in die zehnte Klasse und hat für das nächste Schuljahr bereits die Leistungskurse Mathematik und Chemie gewählt. Die Juniordoktorfrage "Was sind Morphogene?" wird sie am Ende des Vortrages sicher locker aus dem Ärmel schütteln.

Anmeldungen sind jederzeit unter www.juniordoktor.de möglich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.03.2015

Beate Erler

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