Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Trotz Hausverbot: Angeklagter zündelte in Regio-Zügen und S-Bahnen

Trotz Hausverbot: Angeklagter zündelte in Regio-Zügen und S-Bahnen

t sich und ich gehe davon aus, Herr M. mag mich nicht", sagte gestern der Polizeibeamte Andreas P. im Amtsgericht. Die beiden haben sich schon häufig getroffen.

Frank M. Frank M. ist bei der Bundespolizei und dem Zugpersonal der S- und Regionalbahnen bekannt wie ein bunter Hund. "Der ist bei uns Stammkunde", erklärte ein Zugbegleiter. Allerdings kein gern gesehener, denn als Fahrgast ist der 62-Jährige eine Katastrophe. Er raucht in den Bahnen, vermüllt die Abteile, klaut in den Geschäften der Bahnhöfe, beschimpft und beleidigt Bundespolizisten und er kokelt in den Zügen. Mit Vorliebe zündet er die Papierhandtücher in den Toiletten der Züge an - egal ob er mitfährt oder nur an den Bahnhöfen einsteigt, Feuer legt und wieder aussteigt. "Den kennt jeder von uns, wenn der im Zug sitzt beobachten wir ihn immer", erklärte eine Zugbegleiterin. "Wenn er mitfährt sage ich immer: ,Herr M. heute machen wir aber kein Feuer im Zug", sagte eine andere. Dank der Aufmerksamkeit konnten die Brände immer schnell und ohne größeren Schaden gelöscht werden. Aber es könnte auch einmal böse ausgehen.

Erinnern kann sich Frank M. nicht, nur eine Fahrt zu Silvester 2012 ist ihm, zumindest etwas, in Erinnerung. Er hatte da in einem Abteil eines Regionalzuges mit reichlich Alkohol den Jahreswechsel gefeiert. "Fahrgäste kamen zu mir und sagten, dass es in einem Abteil qualmt. Ich bin hin, da standen Kerzen rum, sogar unter der Sitzbank, alles war mit Wachs, Zigarettenkippen und Getränkeresten verunreinigt", erzählte die Zugbegleiterin Katrin N. Der Angeklagte hatte sogar auf die Sitzbank gepinkelt. Das Abteil konnte nicht mehr benutzt werden. Da die Züge eine Einheit sind und einzelne Abteile nicht gewechselt werden können, musste ein neuer Zug eingesetzt werden. Als die Bundespolizei anrückte, beleidigte er die Beamten unter anderem als "Bullenschweine", drohte ihnen Prügel an und versuchte eine Beamtin zu attackieren. Kein Einzelfall. "Da kommt immer wieder mal ein Anruf: ,Holt den M. hier raus'. Je nach Tagesform wehrt er sich oder nicht", erzählte ein Polizeibeamter.

Frank M. kann es einfach nicht lassen. Er ist EU-Rentner und darf mit seinem Schwerbehindertenausweis kostenlos mit S- und Regionalbahnen fahren und das nutzte er aus. Zwar hat ihm die Deutsche Bahn inzwischen ein bundesweites Hausverbot ausgesprochen - er darf Bahnhöfe, Gleisanlagen und Züge nicht betreten - nur interessiert ihn das nicht. Insgesamt 220 Vorfälle liegen der Bundespolizei vor. Viele wurde im Sommer der Staatsanwaltschaft übergeben, aktuell gibt es aber 70 neue Vorwürfe, so ein Polizeibeamter. Erst am 9. Oktober hatte der 62-Jährige wieder in einem Zug gezündelt. Auch gestern Morgen war er in Meißen erwischt worden, als er, trotz Hausverbots, in die S-Bahn steigen wollte und dann noch eine Zugbegleiterin schubste. Von dort wurde er direkt nach Dresden ins Gericht gebracht. Von der Verhandlung wusste der Angeklagte gar nichts. Er hatte zwar die Hosen voll, aber keine Angst vorm Gericht. Es interessiert ihn wohl gar nicht.

2010 war Frank M. schon einmal verurteilt worden, weil er in einem Zug randaliert hatte. Ein Gutachter hatte damals festgestellt, dass er unter Schizophrenie leidet. Vielleicht ein Grund für seine Zündelei? Die Verteidigung forderte ein erneutes Gutachten. Beendet werden konnte der Prozess nicht. Nachdem sich der Angeklagte in einer Pause im Gericht eine Zigarette angezündet und nach draußen geschickt worden war, kam er nicht zurück. Man wird ihn finden. Der Prozess wird fortgesetzt.

Monika Löffler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
16.12.2017 - 12:34 Uhr

Die Schwarz-Gelben wollen nach dem Auswärtserfolg bei Aufstiegsaspirant Union Berlin ihre Siegesserie auch in Duisburg fortsetzen.  Alle Infos und Tore gibt es im Liveticker.

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.