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Trompeten aus Dresden sind in Japan begehrt

Trompeten aus Dresden sind in Japan begehrt

Mit dem Erwerb des Grundstücks Radeburger Straße/Ecke Weinbergstraße hat sich Berndt Meyer viel vorgenommen. Vergangenes Jahr begann der Metallblasinstrumentenbauer seine Werkstatt von Laubegast - wo er 2002 heftig mit dem Hochwasser und seinen Folgen zu kämpfen hatte - nach Trachenberge zu verlegen.

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Blechblasinstrumente, auch solche mit zerknautschten Schalltrichtern, sind bei Berndt C. Meyer jederzeit in guten Händen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Von Genia Bleier

Sein neues Heim, das markante Eckgebäude Weinbergstraße 1, hat schon städtische Bedienstete der Hebestelle (eine Art Steuereinnahme) beherbergt, Mädchen, die im Heim untergebracht waren und Mitarbeiter der Stasi, berichtet er. Nun will der Obermeister der Musikinstrumentenbauerinnung Dresden das Haus auf Vordermann bringen und sich zugleich um sein klingendes Arsenal kümmern.

Die Firma Berndt C. Meyer ist in der Branche ein Begriff. Staatskapelle und Philharmonie vertrauen dem Ein-Mann-Betrieb ihr "Blech" an, und auch Ludwig Güttler hatte schon Wünsche.

Er habe immer gern "gebastelt", erzählt Meyer. Sein Studium an der Spezialschule für Musik gab er wieder auf und begann stattdessen lieber eine Lehre als Mechaniker für Musikinstrumente. In Klingenthal und Suhl konnte er sein Handwerk vervollkommnen. Dann fand er es an der Zeit, den Meister zu machen (Abschluss 1992 in Markneukirchen). Bereits im Sommer 1989 konnte er in Dresden eine eigene Werkstatt eröffnen. "Vier Tage nach dem Mauerfall kam die Einberufung", erzählt Meyer. So folgte in dieser Umbruchphase noch ein kurzes Kapitel als Bausoldat und Krankenpfleger.

Dann aber ging es Schlag auf Schlag: Meyer beteiligte sich mehrfach an der Frankfurter Musik-Messe und entwickelte eine Kindertrompete, die durch ihre kürzere Bauart für kleine Musiker anatomisch besser geeignet ist. Seine Instrumente und sein Fachwissen erregten auch in Japan Aufmerksamkeit. 1996 erwarb Meyer die Traditions-Werkstatt Heckel/Windisch. Damit führt der heute 48-Jährige ein langes Erbe des Dresdner Instrumentenbaus fort.

Beim Namen Heckel klingen Blasmusikern die Ohren. Seit über 150 Jahren hat die Konzerttrompete aus der Dresdner Firma von Johann Adam Heckel, später vom Sohn Friedrich Alwin Heckel weitergeführt, ihren Siegeszug in der Welt angetreten. Eigens für die Uraufführung von Richard Wagners "Tristan und Isolde" baute der Unternehmensgründer auch eine Holztrompete. Zum Begriff in der Fachwelt wurde der von ihm entwickelte breite Kranz aus Neusilber, der zur Stabilisierung des Blechblasinstrumentes auf den Schalltrichter aufgesetzt wird - er ist nach ihm benannt und heißt der "Heckel-Kranz".

Die "Dresdner Trompeten" aus dünnwandigem Messingblech fertigt und repariert Meyer. Spezielles Markenzeichen seiner Instrumente ist die filigrane Verarbeitung bestimmter Teile. Das Schallstück bezieht er gewissermaßen als Rohling. Aber allein macht es noch kein Blasinstrument. Für den Laien ist es schwer durchschaubar, wie die "Maschine" mit den Ventilen hinzugefügt werden muss und auf welche Weise die Mensur (das Verhältnis der Länge zur Weite) den Ton beeinflusst.

"Der gute Ton entsteht nur mit dem Üben", spielt Meyer sein eigenes Können eher herunter. Dabei hat er schon für die Semperoper ein neues Instrument gebaut. Gemeinsam mit Professor Peter Lohse, Solotrompeter der Staatskapelle, konstruierte er für die Neuinszenierung von Strauss' "Frau ohne Schatten" eine C/g-Doppeltrompete.

In diesem Instrument stecken eigentlich zwei für die Erzeugung verschiedener Grundstimmungen. Meyer konnte diese Trompete auch zweimal nach Japan verkaufen. Die Preisskala für ein handgefertigtes Instrument beginnt bei etwa 1000 Euro. "Dafür hält es aber auch ohne Probleme 100 Jahre", so der Meister. Industriellen Stücken gibt er eine Haltbarkeit von zehn bis 15 Jahren.

Weniger spektakulär, aber notwendig sind Reparaturen, wie die Reinigung und Instandhaltung der Ventile. Auch von der Beseitigung der Ablagerungen im Rohr kann der Instrumentenmacher eine nicht so appetitliche Geschichte erzählen. Eigentlich mache er alles gern, was mit dem Beruf zu tun habe, sagt Meyer. Seine bisher zehn Lehrlinge sahen das wohl anders. Sie studierten, wechselten später den Beruf oder gaben schon gleich zu Beginn auf.

Jetzt will Meyer einen Verkaufsraum im Haus herrichten und nächstes Jahr Schauvorführungen anbieten. Der Obermeister musiziert auch selbst. Im Posaunenchor der St. Pauli-Gemeinde und im Orchester des Fördervereins der Dresdner Philharmonie bläst er das Waldhorn.

Das Orchester des Fördervereins der Philharmonie ist am 25. November, 19 Uhr im Schloss Albrechtsberg und am 20. Januar 2012, 19 Uhr in der Kreuzkirche zu hören.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.11.2011

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