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Tresore und Bankschließfächer bei Kunden hoch im Kurs

Nachfrage in Dresden wächst Tresore und Bankschließfächer bei Kunden hoch im Kurs

In Zeiten, in denen selbst Banken darüber nachdenken, ihr Geld lieber in einen Tresor zu legen, als es strafzinsbewehrt bei der EZB einzulagern, steigt die Nachfrage nach Tresoren und Bankschließfächern. Versicherer führen das nur zum Teil auf eine wachsende Einbruchrate zurück.

Wo ist Geld heute am sichersten? Auf einem Konto nicht wirklich, weil viele Angst vor Strafzinsen haben. Bleiben als Alternativen: Wertanlagen kaufen, Schließfächer mieten oder einen Tresor einbauen lassen.

Quelle: dpa

Dresden/Berlin. In Zeiten, in denen selbst Banken darüber nachdenken, ihr Geld lieber in einen Tresor zu legen, als es strafzinsbewehrt bei der EZB einzulagern, steigt die Nachfrage nach Tresoren und Bankschließfächern. Versicherer führen das zum einen auf eine wachsende Einbruchrate zurück. Doch auch all jene, die den Weg von Nullzins zu Strafzins für kurz halten, räumen ihr Bankkonto vorsorglich und bewahren das Geld an einem Ort auf, wo es vor Banken und staatlichem Zugriff sicher ist.

Dass Schließfächer knapp werden, lässt sich in Dresden zwar nicht bestätigen, eine wachsende Nachfrage schon. Die Dresdner Volks- und Raiffeisenbank zum Beispiel bietet gut über 1300 Schließfächer an (nicht in allen Filialen), die Auslastung ist nach Auskunft von Sprecher Dieter Hoefer von rund 65 Prozent im vergangenen Jahr auf derzeit etwa 70 Prozent gestiegen. Die Ostsächsische Sparkasse Dresden verfügt insgesamt über rund 18 000 Schrankfächer in unterschiedlichen Größen, zwei Drittel davon in Dresden. Sprecher Andreas Rieger zufolge sind rund 60 Prozent der Schrankfächer vermietet. Hier habe sich die Nachfrage im letzten halben Jahr nicht verändert. Dafür meldet die Commerzbank mehr Zuspruch für ihre 781 Bankschließfächer im Stadtgebiet Dresden und in Radebeul. „Je nach Standort verzeichnen wir eine Auslastung von 80 bis 90 Prozent“, teilweise sind die großen Schließfächer komplett ausgelastet“, erklärt Commerzbank-Sprecherin Heike Ziegenbalg. Gerade für die großen Schließfächer gebe es inzwischen bereits Wartelisten.

Als wesentlichen Grund für das große Interesse an Schließfächern führen mehrere Geldhäuser an, dass viele Kunden Angst vor Einbrüchen hätten und ihre Wertgegenstände nicht daheim aufbewahren wollen. Aber auch die Angst vor Strafzinsen für Privatkonten bringe Kunden dazu, ihr Geld vom Konto zu räumen und einzulagern.

Kostenlos ist ein Bankschließfach natürlich nicht. Bei der Commerzbank zahlen Nutzer je nach Fachgröße 75 Euro bis 445 Euro im Jahr. Die Sparkasse nimmt – nur als Beispiel – für ein 27-Liter-Fach jährlich 95,20 Euro, bei der Dresdner Volksbank gibt es größenabhängig sichere Plätze für 24 bis 108 Euro im Jahr. Ob die Kunden dort jedoch Bargeld, Schmuck, Gold oder wichtige Unterlagen lagern, ist wegen des Bankgeheimnisses nicht bekannt.

Immer mehr Menschen aber haben gar kein Vertrauen mehr in eine Bank. Viele erwägen daher sichere Depots daheim. Zahlen der Zertifizierungsgesellschaft European Certification Body, aus denen jüngst der Tagesspiegel zitierte, belegen, dass in den vergangenen zwölf Monaten 27 Prozent mehr Tresore an Privatkunden verkauft wurden.

Dresdner Anbieter bestätigen diesen Trend durchweg. „Grundsätzlich ist die Nachfrage aus dem Privatbereich in den letzten zwei bis drei Jahren angewachsen, insbesondere jedoch in den letzten Monaten sprunghaft angestiegen“, erklärt zum Beispiel Holger Faust, Chef von „Faust-Tresor“.

Die Paderborner „Hartmann Tresore AG“, die auch eine Filiale in Dresden betreibt, hat „in den beiden letzte Quartalen (Oktober 2015 bis März 2016) bundesweit rund 14 Prozent mehr Tresore an Privatkunden verkauft“, teilte Marketingleiter Christian Fretter mit. Auch Uwe Dornig vom gleichnamigen Tresorvertrieb aus Oberhermsdorf bestätigt gegenüber DNN „eine steigende Nachfrage nach Tresoren und Waffenschränken im Privatbereich“.

Tresore haben unterschiedliche Preise, Größen, Ausführungen und Sicherheitsstufen. Die jeweilige Eignung hängt von der Wohnsituation ab. Wandsafes, die fachleute für sicherer halten, sind für Mietwohnungen meist ungeeignet, weil oft die Wände oft zu dünn sind. Hier helfen Möbeltresore, die meistens in die Ecke des Kleiderschranks geschraubt werden. Die kosten ab 280 Euro.

Jedes Tresormodell hat eine bestimmte Sicherheitsstufe. Die hängt davon ab, wie hoch die Summe ist, die verwahrt wird. Wer das Geld versichert hat, sollte im Vertrag nachlesen, welche Stufe vorgeschrieben ist. Die gängigste Anforderung für einen Tresor ist Sicherheitsstufe B. Darin sind Summen von 40 000 bis 80 000 Euro versichert.

Von Barbara Stock

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