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Trendsportler machen in der Dresdner Heide Probleme

Trendsportler machen in der Dresdner Heide Probleme

Davon können die meisten Großstädte nur träumen: Ein über 50 Quadratkilometer großer Wald vor ihrer Haustür. Dresden hat ihn mit seiner Dresdner Heide. Für die Mitarbeiter des Forstbezirkes Dresden heißt das, direkt unter den Augen der Dresdner zu agieren.

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Heiko Müller, Abteilungsleiter Staatsforstbetrieb im Forstbezirk Dresden

Sie wissen: die Dresdner Heide ist nicht nur forstwirtschaftliche Nutzfläche, sondern auch Erholungsgebiet. DNN-Mitarbeiter Bernd Lichtenberger sprach dazu mit Heiko Müller, Abteilungsleiter Staatsforstbetrieb beim Forstbezirk Dresden.

DNN: Waldzuwachs ist in Sachsen ein politisches Ziel. Ist die Dresdner Heide in diesem Jahr flächenmäßig auch gewachsen?

Heiko Müller: Ja, die Dresdner Heide ist in diesem Jahr wieder um einen halben Hektar größer geworden. Im Frühjahr haben wir bei Liegau-Augustusbad am Leichenweg unter Mitwirkung des Forstministers einen halben Hektar Ackerland mit Bergahorn, Vogelkirche und verschiedenen Straucharten aufgeforstet. An dieser Stelle wollen wir auch künftig weiter pflanzen, um vielleicht eines Tages den direkten Anschluss an die Dresdner Heide zu schaffen. Ich habe schon jetzt meine helle Freude daran, wie sich diese Fläche inzwischen entwickelt hat, weil wir dort mit Obstbäumen und Hecken am Wegesrand und Mischwald in der Mitte fast eine Struktur geschaffen haben, wie sie im Lehrbuch steht.

Gegenwärtig wird im Revier Klotzsche Holz geerntet. Wie viel Festmeter sollen es in diesem Jahr in der Dresdner Heide werden?

Geplant sind etwa 24 000 Festmeter. 17 500 davon haben wir bereits geschlagen. Bis Jahresende werden noch etwa 5000 Festmeter in den Revieren Klotzsche, Bühlau, Ullersdorf und aus der Jungen Heide hinzukommen.

Was bringt das an Geld?

Obwohl der Holzpreis nach mehreren guten Jahren etwas zurückgegangen ist, rechnen wir im Forstbezirk Dresden mit Einnahmen aus der Holzernte in Höhe von 2,6 Millionen Euro (davon entfallen etwa 1,5 Mio € auf die Dresdner Heide). Ich betone: Einnahmen, nicht Gewinn. Nach Abzug der Kosten kann man grob rechnen, dass wir zwischen 20 und 25 Euro an einem Festmeter verdienen. In guten Jahren sind auch mal 30 Euro pro Festmeter möglich. Damit müssen wir dann alles mitfinanzieren. Von der Aufforstung bis zum Spielplatzbau. Weil das Geld dafür nicht reicht, bekommen wir nach wie vor einen Zuschuss vom Freistaat Sachsen. Insbesondere für die Sozialleistungen und den Waldumbau.

Bei der Holzernte werden die Forstwege stark beansprucht. Wie steht es mit dem Wegebau?

Bei der Holzernte sind in diesem Jahr sehr wenig Schäden entstanden, weil wir die Frostperiode sehr intensiv für den Holztransport genutzt haben. Im letzten Winter wurde auch sonnabends und sonntags gearbeitet. Trotzdem wurden wieder Wege instand gesetzt, wo wir größere Holzeinschläge hatten. Zum Beispiel am Kannenhenkel und am Dresdner Saugarten. Insgesamt wurden 30 bis 50 Wegekilometer gepflegt und etwa sechs Kilometer instand gesetzt. Aber es gibt auch einen Wegeneubau. Parallel zur Ullersdorfer Straße entsteht gegenwärtig zwischen der Ullersdorfer Todmühle und Bühlau ein Radweg. Finanziert wird er durch die Landeshauptstadt.

Werden Bäume aus der Dresdner Heide bei der diesjährigen Wertholzversteigerung angeboten?

Wir wollen im Revier Langebrück ein paar stärkere Roteichen und ein paar größere Birken fällen und auf der Submission anbieten. Unsere starken alten Buchen kommen dafür nicht in Frage. Die hüte ich wie meinen Augapfel, weil sie unsere Mutterbäume sind und derzeit auf dem Holzmarkt ohnehin keinen Erlös erzielen würden, der ihrem Alter angemessen wäre.

Die Herbstjagden stehen an. Wie viel Wild wird in der Heide jährlich geschossen?

Um den Wildschaden im Forst möglichst gering zu halten, jagen wir in einem guten Jahr etwa 200 Stück Rehwild. Beim Rotwild werden jährlich fünf bis zehn Tiere geschossen. Aber auch das Schwarzwild müssen wir reduzieren, weil es nicht nur den Landwirten rund um die Dresdner Heide zu schaffen macht. Seit ein paar Jahren hat es die sehr ärgerliche Angewohnheit, frisch gepflanzte Bäume wieder herauszureißen. Das ist eine Marotte, die die wir uns gar nicht erklären können. Da es in den letzten beiden Wintern sehr viele Eicheln und Bucheckern gab, rechnen wir damit, dass bei den Herbstjagden relativ viele Wildschweine zur Strecke gebracht werden.

Was macht der Borkenkäfer in der Dresdner Heide?

Borkenkäfer waren in diesem Jahr gar kein Thema. Erfreulicherweise. Das hängt mit der guten Verteilung der Niederschläge zusammen. Wir hatten in diesem Jahr weniger als 30 Festmeter Käferholz. Zum Vergleich: 2006 hatten wir allein im Revier Langebrück 5000 Festmeter Borkenkäferholz. Aber das heißt nicht, dass der Borkenkäfer ausgerottet ist. Seine Population kann sich in einem oder zwei Sommern ganz schnell wieder aufbauen.

Dafür gab es in diesem Sommer Eichenprozessionsspinner-Alarm.

Ja, aber der Schaden für den Wald ist minimal gewesen. Die befallen Bäume sind nicht abgestorben, sie haben sich wieder erholt. Größer war die Gefahr für Waldbesucher, die mit den Nesselhaaren der Raupen in Berührung gekommen sind. Trotzdem haben wir bei der Bekämpfung auf Chemie verzichtet und die Spinner einfach abgesaugt. Ich rechne aber damit, dass der Eichenprozessionsspinner in den nächsten Jahren wieder auftauchen wird.

Gibt es Ärger mit Reitern und Bikern?

Das ist stets ein Konfliktfeld. Aber für besonderen Ärger sorgen Mountainbiker, die abseits der Wege ihre Strecken ziehen. So bilden sich am Steingründchen, das sich von der Hofewiese hinab ins Prießnitztal zieht, schon Erosionsrinnen. Außerdem werden von den Bikern die Treppen zerschlagen und der kleine Weg regelrecht zerstört. Was uns ebenfalls beschäftigt und wo wir nur mit dem Kopf schütteln, sind solche Trendsportarten wie das Geocachen. Bei dieser elektronischen Schnitzeljagd werden inzwischen auch Suchpunkte auf großen Buchen oder auf Jägerhochsitzen angelegt. Damit begeben sich die Leute nicht nur in Gefahr, sie überschreiten auch deutlich, was im Waldgesetz als Betretungs- und Erholungsrecht definiert ist. Ärgerlich sind auch illegale Sportveranstaltungen, die ganz bewusst in den Nachtstunden durchgeführt werden. Sie führen dazu, dass das Wild in der Heide gar keine Ruhe mehr hat.

Die Dresdner Heide ist für ihre historischen Wegemarkierungen bekannt. Wer sorgt dafür, dass diese Zeichen erhalten bleiben?

Das sind die ehrenamtlichen Mitglieder des Arbeitskreises Dresdner Heide. Doch fast alle, die sich da verdient gemacht haben, sind in inzwischen in einem relativ hohen Alter. Deswegen habe ich ein bisschen Sorge, dass das irgend wann gar keiner mehr macht, denn die historischen Wegezeichen sind hier eine einmalige Sache. Als Forstverwaltung können wir die Pflege dieser Markierungen mit Pinsel und Farbe unterstützen. Aber die Nachwuchssorgen können wir nicht lösen.

Und wie steht es mit dem Nachwuchs unter den Forstleuten?

Der Forstbezirk bildet jährlich im Schnitt fünf Facharbeiter aus, durfte aber über viele Jahre niemanden einstellen. Daher ist der Altersdurchschnitt sehr hoch, obwohl dieser Beruf mit körperlich schwerer Arbeit verbunden ist. Vor zwei Jahren gab es einen Lichtblick. Wir durften zwei junge kräftige Burschen dauerhaft einstellen. Jetzt steht es in den Sternen, ob wir die Möglichkeit haben, mal wieder einen Waldarbeiter einzustellen. Wir wollen ja in Zukunft nicht gänzlich auf Waldarbeiter verzichten und die Arbeit Fremdbetrieben übertragen. Gerade in einem Erholungsgebiet wie der Dresdner Heide muss man manchmal sehr schnell reagieren. Das ist mit privaten Unternehmen viel schwieriger.

Wie viel Mitarbeiter stehen Ihnen derzeit zur Verfügung?

Im Schnitt haben wir nur noch zwei bis drei Waldarbeiter pro Revier. Deshalb findet je nach anfallender Arbeit durchaus schon ein Austausch zwischen den Revieren statt. Aber in machen Revieren werden wir in Zukunft gar keine Stammmannschaft mehr haben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.10.2012

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