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"Trauer hört nicht einfach auf": Joachim Klose moderiert die Arbeitsgruppe 13. Februar

"Trauer hört nicht einfach auf": Joachim Klose moderiert die Arbeitsgruppe 13. Februar

Frage: Sie haben im vergangenen Jahr die Moderation der Arbeitsgruppe 13. Februar von Frank Richter übernommen.Joachim Klose: Der Vorteil am Neuland ist, dass man die ganzen alten Zöpfe nicht kennt.

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Gegengewalt führt nicht zum Erfolg: Joachim Klose plädiert für hör- und sichtbaren Protest gegen Rechtsextreme und spricht nicht von Protest in Hör- und Sichtweite.

Quelle: Christian Juppe

Frage: Sie haben im vergangenen Jahr die Moderation der Arbeitsgruppe 13. Februar von Frank Richter übernommen. Wie groß war das Neuland für Sie?

Joachim Klose: Der Vorteil am Neuland ist, dass man die ganzen alten Zöpfe nicht kennt. Ich konnte mir die verschiedenen Ansichten anhören und eine gemeinsame Sprechweise suchen. In den vergangenen Jahren haben sich die Gesprächspartner gut kennengelernt und sich auf die wesentlichen Dinge konzentriert. Das war für mich als Moderator von Vorteil.

Was sind die wesentlichen Dinge?

Wir brauchen gemeinsam als Zivilgesellschaft eine Antwort auf die Provokation der Rechtsextremen. Dieser gemeinsame Konsens war notwendig. Die Menschenkette bringt diesen Konsens zum Ausdruck und bündelt ihn. Insofern waren die großen Entscheidungen getroffen und wir konnten uns auf die konkrete Fragen der Durchführung konzentrieren. Die Menschenkette ist die Hauptaufgabe der Arbeitsgruppe. Die Menschenkette trägt das stille Gedenken an die Zerstörung der Stadt nach außen.

Wird es die Menschenkette auch in zehn Jahren noch geben?

Das wünsche ich mir. Die Menschenkette sollte bleiben, auch wenn die Provokationen der Nazis aufgehört haben. Die Menschenkette ist nicht nur ein Symbol gegen etwas. Sie steht auch für die Bitte um eine friedfertige Zukunft. Sie symbolisiert, dass die Stadt die Lektion der Vergangenheit verstanden hat und sich ihre Bürgerschaft für Frieden und Demokratie engagiert.

Im nächsten Jahr begehen wir den 70. Jahrestag der Zerstörung Dresdens. Reicht da eine Menschenkette?

Die eigentliche Herausforderung ist der 13. Februar 2015. Da wird sich die mediale Aufmerksamkeit auf Dresden richten. Wer die Bürgergesellschaft provozieren möchte, nutzt solche Daten. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Meine große Sorge ist aber, dass die Bürgerschaft ihre Teilnahme an der Menschenkette zu leicht nimmt. Es kommt auf jeden Einzelnen an. Wir brauchen diesen Ort der Selbstverständigung und den Ausdruck unseres Engagements.

Das Bündnis "Dresden nazifrei" ruft zu Blockaden von Naziaufmärschen auf. Wie gehen Sie damit um?

Es gibt zwischen uns und dem Bündnis einen Konsens: Wir wollen nicht, dass Rechtsextreme den 13. Februar für ihre Zwecke missbrauchen. Aber die Arbeitsgruppe billigt nicht alle Aktionsformen. Friedfertigkeit und Gewaltfreiheit sind ein hohes Gut. Daran werden wir festhalten. Wir können den Nazis das Demonstrieren nicht verbieten. Aber wir können unsere Position deutlich machen. Eine Blockade ist nicht das einzige Mittel, um einen rechtsextremen Aufmarsch zu verhindern. Wenn wir den Nazis zeigen, dass wir nichts mit ihnen zu tun haben wollen, ist das auch eine aktive Auseinandersetzung.

Verhindern Menschenketten Naziaufmärsche?

Ja, denn ich glaube nicht, dass Gegengewalt zum Erfolg führt. Das ist doch die Schere im Kopf. Im Gegenteil, nur wenn rechtsextremes Gedankengut keinen Raum in der Gesellschaft erhält, wird es aufhören. Ich persönlich spreche nicht von Protest in Hör- und Sichtweite. Ich spreche von hör- und sichtbarem Protest. Hör- und sichtbar kann man auch bleiben, wenn es die Rechtsextremen nicht mehr auf die Straße drängt.

Wann werden Sie beginnen, den 13. Februar 2015 vorzubereiten?

Wir haben in der Arbeitsgruppe vereinbart, uns gleich nach den Winterferien wieder zu treffen und mit den Vorbereitungen zu beginnen. Wir müssen uns über die Bedeutung des 70. Jahrestages austauschen, uns intensiv mit den Inhalten befassen.

Sollte Dresden im nächsten Jahr nach 70 Jahren einen Schlussstrich ziehen und aufhören mit dem Gedenken an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg?

Nein. Trauer hört nicht einfach auf. Das stille Gebet und die Erinnerung sind wichtig. Wir können die Spuren des Krieges bis heute sehen. Wir müssen in unserem Gedenken deutlich machen, dass sich dieses Leid nie wiederholen darf. Gleichzeitig müssen wir uns bewusst sein, dass die Deutschen in diesen Zweiten Weltkrieg involviert waren und Schuld auf sich geladen haben, für die wir Verantwortung tragen. Dresden war keine unschuldige Stadt, wie es diejenigen behaupten, die den 13. Februar für ihre Zwecke missbrauchen wollen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.02.2014

Thomas Baumann-Hartwig

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