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Torkelkäfer auf Datingflug: Junikäfer-Schwärme sorgen für Verwunderung

Torkelkäfer auf Datingflug: Junikäfer-Schwärme sorgen für Verwunderung

Sie kommen in der Dämmerung. Erst brummt ein einzelner dicker, anderthalb bis zwei Zentimeter langer Käfer wie eine Propellermaschine heran. Er torkelt im Flug, dass man nicht weiß, trifft er mich jetzt, oder trifft er mich nicht.

Fast ist er vorbei, da verfängt er sich doch in den Haaren, zwei Sekunden später ist er wieder weg. Wenige Meter weiter im Garten steigt über dem Ahorn eine schwarze Wolke Käfer auf. Beim Nachbarn auch. Und plötzlich brummt es überall auf dem Balkon. Die Insekten schwirren durch die Blüten der Blumenkästen, halten kurz Rast auf dem Sonnenschirm, starten erneut. Sie scheinen miteinander zu tanzen und dafür den gesamten Luftraum für sich in Beschlag zu nehmen. Völlig unbeeindruckt davon, ob da Menschen sind. Das Schauspiel dauert vielleicht 20 Minuten. Dann kehrt urplötzlich Ruhe ein. Wie von Geisterhand sind die Käfer wieder weg.

Die zunächst unbekannten Flugobjekte entpuppen sich bei näherem Hinsehen als so genannte Junikäfer. Unter diesem Namen ist der Gerippte Brachkäfer bekannt. Er schwärmt jetzt aus, um sich zu paaren. Weil sie so unkoordiniert und tollpatschig fliegen, werden die Insekten auch Torkelkäfer genannt. Landen Sie auf der Kleidung oder in den Haaren, sind sie manchmal gar nicht so leicht wieder loszuwerden. "Sie haben an ihren sechs Beinen jeweils zwei Krallen, mit denen sie sich festklammern", erklärt Klaus-Dieter Klass von den Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden. Aber: "Die Käfer beißen und stechen nicht", beruhigt der Insektenmorphologe.

Doch sind die Junikäfer nicht etwas spät dran? Schließlich ist jetzt schon Juli! "Ja die deutschen Namen sind manchmal etwas verwirrend", sagt Olaf Jäger, Präparator in der Senckenberg-Käfersammlung in Dresden. Der Käfer fliege nicht nach dem Kalender, sondern wenn die Umweltbedingungen für ihn stimmen. "Der Junikäfer ist eine Hochsommerart, hat sich durch seine Lebensweise eine ökologische Nische erobert. Die Larven leben im Boden an den Wurzeln von krautigen Pflanzen. Es dauert ein, zwei oder manchmal drei Jahre, bis sich aus den Larven Käfer entwickeln. Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren wie Nahrungsangebot und Umweltbedingungen ab."

Wenn die Käfer ausschwärmen, haben sie nur eines im Sinn: Sie wollen sich paaren. "Dafür suchen sie sich abends einen Zeitpunkt aus, wo sich die Vögel schon zur Ruhe begeben haben und die Fledermäuse noch nicht da sind", weiß Olaf Jäger. Das tollpatschig erscheinende Flugverhalten sei auf den eher plumpen Körperbau und die im Verhältnis relativ geringe Flügelfläche zurückzuführen. Geht die Dämmerung in die Nacht über, suchen sich die Käfer am Boden oder im Gebüsch geschützte Plätze. Dort warten sie auf den nächsten warmen Abend und eine neue Chance.

Ein langes Leben haben die Käfer nicht. Das Männchen stirbt nach der Befruchtung, das Weibchen, wenn es seine etwa 35 Eier im Boden abgelegt hat. Das ist einer Veröffentlichung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen zu entnehmen. "Zwar schneiden ... Junikäfer Löcher in die Blätter von Bäumen und Sträuchern... Schäden können Junikäfer-Larven in begrenztem Maße in Zierrasen bzw. bei Zierpflanzen hervorrufen. Eine Ausnahme bilden die Jahre, in denen Junikäfer Massenentwicklungen durchlaufen, dann kann es lokal auch zu Wurzel-Fraßschäden in Gehölz-Plantagen kommen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.07.2015

Catrin Steinbach

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