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Tobias K. ließ einen Dreijährigen fast verhungern

Verhandlung am Amtsgericht Dresden Tobias K. ließ einen Dreijährigen fast verhungern

„Er war sehr verängstigt, schrie wenn man ihn anfasste, war in einem schlechten Ernährungs- und Entwicklungszustand, sprach, außer dem Wort „Essen“, nicht, hatte ständig Hunger und aß dreimal so viel wie ein Gleichaltriger“, erzählte Kinderarzt Dr. Andreas Lachnit.

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Richter Markus Vogel verurteilte den Angeklagten wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Quelle: Archiv

Dresden. „Er war sehr verängstigt, schrie wenn man ihn anfasste, war in einem schlechten Ernährungs- und Entwicklungszustand, sprach, außer dem Wort „Essen“, nicht, hatte ständig Hunger und aß dreimal so viel wie ein Gleichaltriger“, erzählte Kinderarzt Dr. Andreas Lachnit. Der kleine Junge, nennen wir ihn „Adam“, hatte zudem Hämatome am Körper, die nicht durch einen Sturz oder Anecken entstanden waren, sondern weil er hart angefasst worden war – nicht von seiner Mutter, die war nicht da, sondern von Tobias K., dem sie das Kind überlassen hatte. Der 25-Jährige stand am Freitag vor dem Amtsrichter und wiegelte zunächst ab. „Ich kann mir das nicht erklären, ich habe ihm die Verletzungen nicht beigebracht.“ Später räumte er ein, doch kräftig zugegriffen zu haben, da er total überfordert gewesen sei.

Die Mutter des Kindes, Janine F., hatte den obdachlosen Bekannten am 31. Dezember 2014 bei sich aufgenommen. Anfang Januar zog sie zu ihrem Freund, kam nicht mehr in die Wohnung und überließ Tobias K. ihren Sohn, ohne zu kontrollieren, ob es dem Kleinen gut ging und er genug zu essen bekam. Sie verbrachte ihre Zeit mit anderen Dingen. „Ich wusste gar nicht, dass sie ein Kind und eine eigene Wohnung hat. Wir waren täglich stundenlang unterwegs und ich habe sie immer bei ihrem Freund abgeholt“, sagte eine Freundin. Am 6. Februar gingen die beiden Frauen in die Wohnung von Janine F., die genau wie der Kleine verwahrlost und verschmutzt war. Die Mutter räumte auf, die Freundin kümmerte sich um „Adam“. Wäre das andersherum nicht logischer gewesen? Dann ging Janine F. wieder – ohne Sohn. Als die Frauen Tage später zurückkehrten, saß „Adam“ weinend, in den Windeln und der Kleidung der Vorwoche, eingeschlossen im dunklen Kinderzimmer. Tobias K. war nicht da.

Das muss die Hölle für den Dreieinhalbjährigen gewesen sein. Janine F. fuhr zu ihrem Liebhaber, die Freundin nahm das Kind mit zu sich nach Hause. Sie war es auch, die die Verletzungen und den „Hungerbauch“ feststellte und Druck machte, dass das Kind zum Arzt und in die Klinik kam. Janine F. ließ sich dort selten blicken. „Sie hatte ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihrem Sohn“, so der Kinderarzt. „Adam“ hatte wohl nicht nur von Tobias K., sondern bereits vorher nur wenig zu essen bekommen. Der Junge kam in die Obhut einer WG, wo er noch heute lebt. Er hat sich gut entwickelt und spricht jetzt viel.

Richter Markus Vogel verurteilte den Angeklagten wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er 120 Arbeitsstunden leisten. Eine Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht sah er in seinem Fall nicht. Tobias K. hatte keine elterlichen Aufgaben. Das war allein die Pflicht von Janine F., die im August zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt wurde.

ml

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