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Thomas Haase ist einer von 40 Dresdner Asylpaten des "Save me-Programms",

Thomas Haase ist einer von 40 Dresdner Asylpaten des "Save me-Programms",

Die Pegida-Demonstrationen haben Dresdens Ruf in der Welt nachhaltig geschädigt. Ausländer sind in der Stadt nicht willkommen, könnte man vorschnell denken. Dabei wird leicht übersehen, dass es auch in Dresden viele Menschen gibt, die sich für Einwanderer und Flüchtlinge einsetzen.

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Zeiad Alkassem (li.) lässt sich von Thomas Haase in seinem Wohnzimmer ein amtliches Schreiben erklären.

Quelle: Stephan Hönigschmid

Bestes Beispiel: Das Asylpatenprogramm der Initiative "Save me". Etwa 40 Dresdner beteiligen sich daran und helfen Flüchtlingen im Alltag bei der Eingewöhnung in Deutschland.

Einer der Ehrenamtlichen ist der 32-jährige Lehrer Thomas Haase. Seit einem Jahr kümmert er sich um eine vierköpfige syrische Familie, die vor dem Bürgerkrieg geflohen ist. "Wenn ich im Fernsehen die Bilder von ertrinkenden Flüchtlingen auf dem Mittelmeer sehe, bin ich immer wieder geschockt. Aus diesem Grund wollte ich unbedingt helfen", sagt Haase und fügt an: "Viele Leute sehen nur Probleme und vergessen, dass man auch vor Ort ganz konkret etwas tun kann." Schwierig ist für die Flüchtlinge am Anfang oft die Sprache. Nur die wenigsten sprechen Deutsch. "Die Menschen sind dann auf sich allein gestellt, weil die Ausländerbehörde sich kaum um sie kümmert. Sie werden einfach in eine Wohnung gesteckt und ab und zu schaut mal jemand nach." Eine gelungene Integration sei so nicht möglich, denkt der 32-Jährige.

Ihm selbst war es deshalb umso wichtiger, "seiner" Flüchtlingsfamilie das Gefühl zu geben, dass sie in Deutschland erwünscht ist. Noch vor ihrer Ankunft putzte er die verschmutzten Schränke der Unterkunft und stellte zur Begrüßung ein paar Blumen auf den Tisch. Als die Familie schließlich in Dresden eintraf, lud er sie spontan zum Picknick ins nahe gelegene Moritzburg ein. "Weil gerade so schönes Wetter war, hat sich das angeboten. Beim Essen lernt man sich ohnehin am besten kennen", sagt Haase.

Dass er damit genau richtig lag, betätigt Familienvater Zeiad Alkassem. "Ich empfinde pure Dankbarkeit. Thomas hat uns den Start in Deutschland sehr erleichtert", so der 41-Jährige. Besonders wichtig war die Hilfe beim Kontakt mit den Behörden. "Ich habe ja nirgendwo anrufen können, um etwas zu regeln", erinnert sich Alkassem. Obwohl er neben Arabisch auch Englisch beherrscht, nützte ihm das beim Stellen des Asylantrages nichts.

"In der Ausländerbehörde hat die Bearbeiterin konsequent Deutsch gesprochen. Vielleicht tat sie das auch aus rechtlichen Gründen. Aber Fakt ist: Ohne meine Übersetzung hätte Zeiad nichts verstanden", sagt Haase. In der Zwischenzeit hat der 41-jährige Syrer einen Sprachkurs besucht. Trotzdem ist es für ihn immer noch anstrengend, Deutsch zu sprechen. Aber er bemüht sich. "Zeiad schreibt mir häufig ganz bewusst deutsche SMS, um zu üben", freut sich Thomas Haase.

Weniger Probleme mit der Sprache haben die sieben und elf Jahre alten Töchter von Zeiad Alkassem. Allerdings war auch für die Kinder die Eingewöhnung nicht einfach. "Bevor wir nach Deutschland kamen, waren sie zwei Jahre lang nicht in der Schule. Das tut Kindern nicht gut. Auch sie brauchen ein Sozialleben. Ich war daher glücklich, dass sie mit Thomas' Kindern und denen der anderen Asylpaten spielen konnten", sagt Alkassem. Mittlerweile hat seine älteste Tochter sogar die Bildungsempfehlung fürs Gymnasium bekommen, was den studierten Informatiker sehr stolz macht.

Die Familie ist in Deutschland angekommen und fühlt sich sichtlich wohl. Zeiad Alkassem kann das manchmal kaum glauben. Zu aufregend und gefährlich waren die zurückliegenden Jahre. Als Oppositioneller organisierte er in Syrien Demonstrationen gegen das Assad-Regime und saß dafür im Gefängnis. "Ich musste dort einmal von Donnerstag bis Montag mit gefesselten Armen im Stehen verbringen. Anschließend konnte ich kaum noch meine Füße fühlen", so Alkassem. Das war im Oktober 2011. Zahlreiche lokale Oppositionsführer wurden damals inhaftiert. "Gleichzeitig hat Assad jede Menge Extremisten freigelassen, die heute für den Islamischen Staat kämpfen. Es scheint so, als habe man bewusst für Unruhe sorgen wollen, um anschließend einen Kampf gegen den Terror zu rechtfertigen", vermutet Alkassem.

Nach vier Monaten kam er zwar frei, war seitdem aber ständig auf der Flucht vor den Geheimdiensten der syrischen Regierung. Aus diesem Grund lebte er auch getrennt von seiner Familie. "Ich musste alle drei Monate das Handy wechseln. Nur die Sim-Karte hätte nicht gereicht, weil die Geheimdienste das Gerät geortet haben", berichtet Alkassem. Als es immer unsicherer wurde, siedelte er 2012 in die Türkei über und unterstützte aus der Ferne den Kampf gegen das Assad-Regime. Er tat das mit Leidenschaft und großem Einsatz, bis eine Chance kam, die er vor allem mit Blick auf seine Familie nicht ausschlagen konnte.

"Als die deutsche Regierung 2014 anbot, 5000 Menschen aus Syrien im Rahmen des Resettlement-Programms aufzunehmen, habe ich keine Zeit verloren und mich dafür beworben", so Alkassem. Anders als manchen seiner Freunde und Bekannten blieb ihm so die riskante Flucht mit dem Boot über das Mittelmeer erspart. "So was kann man eigentlich nur machen, wenn man keine Familie hat. Wir kamen zum Glück mit dem Flugzeug in Leipzig an", sagt der Syrer.

Kurze Zeit später war er in Dresden und traf Thomas Haase. Heute verbindet die Beiden mehr als ein professionelles Betreuungsverhältnis. "Wir sind in der Zwischenzeit Freunde geworden", sagt Haase. Ob auch in Zukunft derartige Erfolgsgeschichten möglich sind, ist gegenwärtig unklar. Da "Save me" von drei Frauen ehrenamtlich koordiniert wird und diese demnächst keine Zeit mehr haben, steht das Patenprogramm Ende Juni vor dem Aus. "Es wäre unser Wunsch, dass es von der Stadt weitergeführt wird", sagt eine der Koordinatorinnen, Caroline Trübenbach. Möglicherweise geht dieser Wunsch auch in Erfüllung. "Wir können zwar für 'Save me' keine Personalstelle einrichten, allerdings könnte ich mir gut vorstellen, das Programm in die bestehenden Strukturen des Sozialbereiches zu integrieren", betont Dresdens Integrations- und Ausländerbeauftragte Kristina Winkler.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2015

Stephan Hönigschmid

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