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Thilo Daniel wird als neuer Rektor der Diakonissenanstalt Dresden begrüßt

Thilo Daniel wird als neuer Rektor der Diakonissenanstalt Dresden begrüßt

Die Diakonissenanstalt Dresden hat einen neuen Rektor. Thilo Daniel wird morgen in einem Festgottesdienst von Landesbischof Jochen Bohl offiziell begrüßt. Die DNN fragten den neuen Mann an der Spitze des beliebten christlichen Krankenhauses, wie moderne Medizin und Religion zusammenpassen, welche Rolle Glauben spielt und warum das traditionelle Haus auf Versöhnung setzt.

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Das Symbol für die Schöpfung und Ewigkeit zugleich: Thilo Daniel vor dem imposanten Bild-Gleichnis in der Notaufnahme des Diakonissenkrankenhauses.

Quelle: Dietrich Flechtner

Herr Daniel, morgen werden Sie von Landesbischof Jochen Bohl offiziell in Ihr Amt eingeführt. Eine Formalie?

Die feierliche Einführung im Festgottesdienst ist für mich wichtig. Der Gottesdienst ist öffentlich, wie auch mein Amt in die Öffentlichkeit wirkt. Insofern ist die Begrüßung für mich wesentlich und eine große Ehre.

Was verkörpert die Stelle des Rektors in der Diakonissenanstalt Dresden?

Das Amt ist für mich eine ganz beson-dere Pfarrstelle mit der Möglichkeit, an der Schnittstelle zwischen Kirche und Gesellschaft zu gestalten, zu prägen und zu vermitteln. Die Dresdner Diakonissenanstalt ist eine traditionsreiche Einrichtung in einem der jüngsten Stadtteile Dresdens, der sich ständig wandelt wie ein Chamäleon. Sie bewegt sich wie eine Membran zwischen Moderne und Tradition. Zudem schließt sich ein Kreis: Nur wenige Meter entfernt in der Martin-Luther-Kirche wurde ich ausgebildet.

Wie passt moderne Medizin mit christlichen Werten zusammen?

Unsere christlichen Werte werden von den Mitarbeitenden getragen und gelebt. Das gehört zum Leitbild unseres Hauses: "Zuwendung leben". Das Bild in der Notaufnahme hängt nicht ohne Grund: Gott, der Herr ist Sonne und Schild zugleich. Im Portal zur Behandlung der Kranken finden wir ein Symbol für Schöpfung und Ewigkeit.

Sie lassen also rationale Effizienz-Zwänge mit der Kraft des Glaubens einfach abprallen?

Was oft als Spagat empfunden wird, ist in Wirklichkeit eine ergänzende Angelegenheit. Natürlich sind auch wir nicht frei von rationalen Zwängen. Natürlich ist es eine Herausforderung, sich das eigene Bekenntnis jeden Tag vor Augen zu führen. Doch das ist nicht nur im Krankenhaus so, sondern in jedem Bereich. Kurzum: Wichtig und essenziell ist es, die eigenen Werte so stark einzubringen, dass es die Herausforderungen aufwiegen kann. Als Pfarrer bin ich der Meinung, dass dies möglich ist. Es ist anstrengend, doch moderne Medizin und Zwischenmenschlichkeit schließen sich nicht aus.

Schulmedizin und Religion passen also doch zusammen?

Biologie und auch Medizin haben etwas mit der Beobachtung der Schöpfung zu tun. Glauben und Medizin stärken sich gegenseitig. Dazu gehört, dass sich die Medizin kritische Fragen des Glaubens und umgekehrt, der Glauben kritische Fragen der Medizin gefallen lassen.

Ein Krankenhaus ist auch immer ein Ort von Verletzlichkeit und Vergänglichkeit. Kann Glaube helfen, diese Situation zu überstehen?

Glaube gibt Gewissheit, Schutz und Zuversicht. In den Gottesdiensten zeigt sich die große Chance des Glaubens, weil hier immer in Gemeinschaft gefeiert wird. Danach können sich Patienten austauschen, über Schönes, aber auch Dinge, die ihnen fehlen.

Was möchten Sie als Rektor erreichen?

Natürlich will ich in erster Linie dafür sorgen, dass das Diakonissenkrankenhaus auch in Zukunft erfolgreich bleibt. Wichtig ist mir jedoch auch, das Leben der diakonischen Gemeinschaft weiterzuführen und zu entwickeln. Die Diakonissenanstalt soll nicht nur so heißen, sondern auch in diakonischer Gemeinschaft gelebt werden.

Was sind die ersten Höhepunkte Ihrer Amtszeit?

Die Diakonissenanstalt ist seit 50 Jahren Teil der Nagelkreuzgemeinschaft. Sie wurde 1965 als Zentrum der Versöh-nung zwischen Coventry und Dresden wieder aufgebaut. Das Jubiläum feiern wir im September mit einer Tagung und einem Festgottesdienst. Die Nagelkreuzgemeinde steht für die Aussöhnung nach einem vernichtenden Krieg.

In der Welt häufen sich blutige Konflikte. Wie wichtig ist der Gedanke des Versöhnens und die Erinnerung an den Krieg?

Meine Eltern gehören zu einer Generation, deren Biografien durch den Krieg geprägt sind. Deswegen hat der Krieg auch mein Leben geprägt. Krieg gehört längst nicht mehr zur Geschichte. Und wenn ich die Nachrichten sehe, wird mir bewusst, wie fragil unser Frieden ist. Kinder, die heute bei uns geboren werden, haben glücklicherweise keine Ahnung mehr vom Krieg. Das wird sich hoffentlich nie ändern. Versöhnung kann nicht nur dazu beitragen, Leid zu mindern, sondern auch zu vermeiden.

Der Festgottesdienst beginnt am morgigen Sonntag, 14 Uhr, in der Diakonissenhauskirche.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.02.2015

Katrin Tominski

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