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Theatermacher entwickeln erstmals Inszenierung für Demenzkranke

Premiere in Dresden Theatermacher entwickeln erstmals Inszenierung für Demenzkranke

Speziell an die Vorlieben Jugendlicher angepasstes Theater gibt es in Form so genannter „Klassenzimmerstücke“ bereits. Inszenierungen aber, die sich an ein Publikum jenseits der 60 richten, suchte man bisher vergebens. Der Theaterpädagogische Zentrum Sachsen e.V. hat im Auftrag der Bürgerstiftung Dresden mit „Die Väter“ ein erstes Stück für Demenzkranke vorgelegt.

Wolfgang Boos (l.) und Klaus Frenzel spielen das Vater-Sohn-Gespann.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Speziell an die Vorlieben Jugendlicher angepasstes Theater gibt es in Form so genannter „Klassenzimmerstücke“ bereits. Inszenierungen aber, die sich an ein Publikum jenseits der 60 richten, suchte man bisher vergebens – und dass, obwohl diese Bevölkerungsgruppe immer größer wird. Der Theaterpädagogische Zentrum Sachsen e.V. hat sich im Auftrag der Bürgerstiftung Dresden an das Füllen dieser Lücke gemacht und mit „Die Väter“ ein erstes Theaterstück für Demenzkranke vorgelegt. Anfang des Monats feierte es im DRK Pflege- und Seniorenheim „Clara Zetkin“ Premiere.

Mehr als ein halbes Jahr Arbeit lag da bereits hinter Regisseur Dirk Strobel und Dramaturg Walter Henckel. Sie machten sich mit den Gegebenheiten in einem Pflegeheim vertraut, interviewten gesunde und erkrankte Bewohner, sprachen mit Angehörigen, Pflegern und Ärzten. „Wir wollten dem Thema gerecht werden, den Menschen auf Augenhöhe begegnen. Betroffenheit tut keinem gut“, erklärt Strobel.

Entstanden ist schließlich ein Stück, das sich behutsam an die Erkrankung herantastet. Die Protagonisten: der Vater (Klaus Frenzel) und sein Sohn, genannt A (Wolfgang Boos). Die Situation: Ankunft und Ankommen im Pflegeheim. Das Problem: die Demenzerkrankung des Älteren einerseits, die Zerissenheit des Sohnes zwischen dessen liebevoller Betreuung und dem Alltagsstress mit Frau und Kind andererseits. „Leicht fällt es mir nicht, meinen Vater hierher zu bringen. Aber es geht nicht anders“, gibt dieser dann auch Einblick in seine Gedankenwelt. Der Senior hingegen schwelgt in Erinnerungen an seine Zeit als Schauspieler, rezitiert Shakespeare, zählt das Mobiliar seiner Wohnung lückenlos auf und ertrinkt dann wieder im Meer des Vergessens. „Wo bin ich?“ „Können wir jetzt nach Hause gehen?“

Schwere Kost, der sich Strobel und Henckel mit diesem Modellprojekt angenommen haben, ohne dabei rührselig zu werden. Sie setzen dabei auch auf starke Reize, lassen etwa Zeitungspapier zerknüllen oder Schminkschwämme durch die Zuschauer wandern. „Selbst wenn die Verstehensbasis nicht mehr da ist, unser Stück ist immer noch ein Erlebnis“, sagt Strobel. Erfahrungen, die er bei der Premiere gemacht hat. Die Besucher hätten sich mitgenommen gefühlt. Auch, weil bestimmte Stränge der Geschichte immer wieder neu aufgenommen und wiederholt werden. Mit Respekt haben sich die Theatermacher den Betroffenen genähert. „Das sind schließlich erwachsene Menschen, die möchte ich nicht wie Kinder behandeln“, so der Regisseur.

Sechs Vorstellungen von „Die Väter“ werden von der Bürgerstiftung Dresden gefördert, alle finden in Pflegeheimen statt. Noch suchen Strobel und seine Mitstreiter drei weitere Aufführungsorte, auch darüber hinaus können Pflegeeinrichtung die Inszenierung buchen – „als wichtigen Aspekt der Teilhabe“, wie es Strobel ausdrückt.

Kontakt: Theaterpädagogisches Zentrum Sachsen e.V., Fechnerstraße 2a, Dresden, Tel.: 32 01 02 81, Mail: mail@tpz-sachsen.de, Internet: www.tpz-sachsen.de

Von Christin Grödel

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