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Termindruck und Wochenendarbeit - Dresdens Führungskräfte über Stress im Berufsalltag

Termindruck und Wochenendarbeit - Dresdens Führungskräfte über Stress im Berufsalltag

43 Prozent der Berufstätigen in Deutschland klagen über wachsenden Stress. Das geht aus dem am Dienstag vorgelegten „Stressreport Deutschland 2012“ hervor.

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Stress am Computer (Symbolbild)

Quelle: dpa

Insbesondere in leitenden Positionen gehören 60-Stunden-Wochen und Wochenendarbeit zum Arbeitsalltag. DNN-Online hat Dresdner Führungskräfte nach ihrem Stresspegel und Bewältigungsstrategien befragt.

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Insbesondere in leitenden Positionen gehören 60-Stunden-Wochen dazu, wie der "Stressreport Deutschland 2012" belegt.

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Für Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH , besteht die Arbeitswoche aus 60 Stunden und mehr. „Ich habe da eine große Verantwortung, dazu gehört auch, dass ich in meiner Freizeit und im Urlaub erreichbar bin“, so Bunge. Wie in vielen Führungspositionen verlaufen auch bei ihr die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben fließend: „Wenn ich abends ins Theater gehe, treffe ich dort oft Geschäftspartner, mit denen dann doch auch Berufliches geklärt wird.“

Auch an Wochenenden ist sie des Öfteren für Dresden bei Terminen im Einsatz. Wirklich stressig wird es für die Dresdner Marketing-Chefin erst, wenn Unvorhersehbares wie Verkehrshindernisse oder ausfallende Flüge Termine bedroht. „Ich lege viel Wert auf Pünktlichkeit und bin gestresst, wenn ich mich verspäte.“ Entspannung findet Bunge unter anderem beim Yoga und bei geistiger Erbauung, mit Freunden und Familie. Erreichbar bleibt sie dabei jedoch fast immer: „Mein Mobiltelefon schalte ich grundsätzlich nur im Flugzeug aus. Auf stumm schalte ich es bei Sitzungen und bevor ich schlafen gehe.“  

Ulrich Finger: "Zurückrufen kann ich ja immer noch..."

„Zwischen September und Juni ist bei uns am meisten los, da ist größeres Engagement gefragt. Dafür geht es in der Sommerpause dann ruhiger zu“, sagt Ulrich Finger, Chef der Messe Dresden GmbH . Im Schnitt arbeite er täglich acht bis zehn Stunden, fallen Abendveranstaltungen an, könnten es aber auch locker mal 14 werden. „Die Wochenenden und Feiertage versuche ich mir gewöhnlich freizuhalten, aber wenn Messen sind, kann es auch zwei, drei Mal im Monat vorkommen, dass ich für ein paar Stunden präsent sein muss.“ Stress bedeutet für Finger vor allem die Auseinandersetzung mit der Politik: „In unserer speziellen Situation der Abhängigkeit sind manche Kehrtwendungen schon sehr stressig.“

Damit alles im erträglichen Rahmen bleibt, habe er gelernt, zu delegieren. Großen Wert legt er auf Ausgleich in der Freizeit, ob beim Sport, mit der Familie, im Garten oder beim Kochen.  „Außerdem habe ich einen sehr schönen Job, das kann auch schon Teil der Entspannung sein.“ Gegen den Dauerstress durch ständig klingelnde Telefone weiß Ulrich Finger ein probates Mittel: „Ich schalte es öfter leise, damit es mich nicht stört. Zurückrufen kann ich dann ja immer noch.“

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Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP). (Archiv)

Quelle: Dominik Brüggemann

Alles andere als stressfrei ist auch der Arbeitsalltag von Dresdens Erstem Bürgermeister, Dirk Hilbert (FDP) . Mindestens zehn Stunden am Tag und 60 in der Woche ist auch er in seinen Beruf eingebunden. Dazu gehört auch regelmäßige Wochenendarbeit. „Ich arbeite eigentlich fast jedes Wochenende, versuche aber, es auf einen Tag zu beschränken“, so Hilbert, der verheiratet und Vater eines zweijährigen Sohnes ist. „Mindestens einen Wochenendtag und möglichst auch den Mittwochnachmittag halte ich mir daher für meinen Sohn und meine Familie frei. Manchmal reicht es auch für einen kleinen Ausflug oder einen Kurzurlaub.“

Für stressbedingte Schweißausbrüche sorgen beim Bürgermeister vor allem Situationen, in denen ihm nicht mehr genügend Vorbereitungszeit für einen Termin bleibt. Das Mobiltelefon klingelt auch bei Dirk Hilbert ohne Unterlass. Ausgeschaltet, so der Bürgermeister schmunzelnd, wird es lediglich im Flugzeug.

Je nachdem, was man alles als Arbeit anrechnet, beschäftigt sich Wilfried Schulz, Intendant des Dresdner Schauspielhauses , rund 60 Stunden in der Woche mit der Welt des Theaters. Und selbstverständlich gehört bei ihm die Arbeit an Wochenenden dazu. „Theater findet nun einmal in der Freizeit vieler Menschen statt“, so Schulz, der das Schauspielhaus seit 2009 als Intendant führt. Als belastend empfindet Schulz seine Tätigkeit nur selten. „Ich finde das Theater und damit meinen Job ziemlich toll“, steht für ihn fest. Eher sei es die Verantwortung, die manchmal drücke.

Einzig Interviewanfragen, die innerhalb kurzer Zeit zu beantworten seien, stressten ihn wirklich. Die Zeit die er nicht dem Theater widmet, verbringt er unter anderem mit seiner Familie, beim Kochen und Lesen oder beim Tatort-Schauen. Das Handy bleibt bei ihm auch im Urlaub aus – und selbstverständlich in Theatervorstellungen.

Arbeitspensum von 12 bis 14 Stunden am Tag

Die wichtigste Entspannung für Rainer Zieschank, unter anderem Geschäftsführer der Drewag , ist der Spaß an seiner täglichen Arbeit. Sein Pensum liegt bei rund 12 bis 14 Stunden pro Tag, in der Woche kommt er so auf etwa 70 Stunden. Regelmäßig nehme er Arbeit mit nach Hause. Zusätzlich kommen Abendveranstaltungen hinzu. „Diese hieran empfinde ich schon als stressig“ meint Zieschank.

Wichtig für ihn sind Prioritäten. „Ich entscheide immer individuell, was in welcher Situation wichtig ist“, erklärt er seinen Arbeitsstil. Auch sein Handy ist häufiger aus. „Davon lasse ich mich nicht terrorisieren.“ Beim Ski- und Motorradfahren kann er dann richtig abschalten und sich erholen.

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Hans-Jürgen Credé, Vorstand bei den Dresdner Verkehrsbetrieben. (Archiv)

Quelle: Dominik Brüggemann

Hans-Jürgen Credé arbeitet bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB). Dort leitet er als Vorstand den Betrieb und das Personal des Verkehrsunternehmens. Rund zehn Stunden arbeitet er täglich, kommt wöchentlich auf etwa 60 Arbeitsstunden. Denn neben den täglichen Aufgaben warten häufig noch Empfänge und andere Abendtermine auf ihn, bei denen Credé die Grenze zwischen Arbeit und Unterhaltung häufig als fließend empfindet. „An 80 Prozent der Wochenenden bin ich auch für die Verkehrsbetriebe unterwegs.“

Als besonders stressig empfindet Credé die Vorbereitungen auf Aufsichtsratssitzungen und Tarifverhandlungen. Als Ausgleich versucht er regelmäßig schwimmen und joggen zu gehen. Freiräume schaffe er sich auch durch ein funktionierendes Netzwerk, so Credé. „Wenn man die richtigen Ansprechpartner kennt und auf sie vertrauen kann, lassen sich viele Aufgaben schneller erledigen“, meint er.

Der Patient geht vor

Prof. Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie , schaltet sein Mobiltelefon nie aus, rund um die Uhr eilt er bei dringenden Fällen zur Dresdner Universitätsklinik. „Das ist ein negativer Aspekt meiner Arbeit. Man sitzt in der Oper, und dann klingelt das Telefon. Allerdings habe ich eine sehr gute Mannschaft, auf die ich mich verlassen kann“, so Weitz, der seit September die Klinik leitet. Sein hohes Arbeitspensum, das die 40-Stunden-Woche weit überschreitet, empfindet er nicht als Stress.

Der entstehe erst bei Überschneidungen von Terminen mit schwierigen Operationen. „Dann geht der Patient immer vor. Dafür sind wir schließlich hier.“ Wichtige Termine, zum Beispiel in der Verwaltung, müssten dann eben verschoben werden. Als Ausgleich betreibt Weitz in seiner Freizeit Sport und widmet sich der Familie, allerdings sei der Übergang zur Arbeit fließend. Selbst im Urlaub erhält er täglich einen Bericht aus der Klinik, auf den er mit einer kurzen E-Mail antwortet. Seine Arbeit nehme ihn positiv in Beschlag, trotz der Belastung.

Dominik Brüggemann/Jane Jannke

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