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Technische Werke Dresden fahren überraschend gutes Ergebnis ein

"Hier ist ein ostdeutscher Konzern entstanden" Technische Werke Dresden fahren überraschend gutes Ergebnis ein

Die Technischen Werke Dresden (TWD) haben 2015 ein überraschend gutes Ergebnis erwirtschaftet: Der Gewinn liegt bei 82 Millionen Euro. Im DNN-Interview erklären die TWD-Geschäftsführer Ursula Gefrerer und Reinhard Richter, wie es zu diesem Ergebnis gekommen ist.

Prüfen verschiedene Optionen: Die TWD-Geschäftsführer Ursula Gefrerer und Reinhard Richter im Enso-Gebäude am Hauptbahnhof, das ein Standort für den gemeinsamen Firmensitz von Drewag und Enso sein könnte.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Die Technischen Werke Dresden (TWD) haben 2015 ein überraschend gutes Ergebnis erwirtschaftet: Der Gewinn liegt bei 82 Millionen Euro, wobei davon bereits ca. 40 Millionen Euro Quersubventionierung für die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) und ca. 10 Millionen Euro Unterstützung für die städtischen Bäder abgezogen wurden. Im DNN-Interview erklären die TWD-Geschäftsführer Ursula Gefrerer und Reinhard Richter, wie es zu diesem Ergebnis gekommen ist.

Wie schafft man es, in der kriselnden Energiebranche solche Ergebnisse zu erzielen?

Reinhard Richter: Unser Ziel für 2015 war, innerhalb der TWD mit den anteiligen Ergebnissen der Drewag - Stadtwerke Dresden GmbH, der Energie Sachsen Ost AG (Enso) und der Stadtreinigung Dresden den öffentlichen Personennahverkehr in Dresden und die Bäder zu finanzieren und die Kredite aus dem Geso-Erwerb planmäßig zu tilgen. Das ist uns gelungen. Die rund 80 Millionen Euro kommen nicht überraschend, sind erforderlich und sollen zweckgebunden zur Kredittilgung verwendet werden. Unser Ergebnis spiegelt die Erwartungen wider, die 2010 mit dem Ankauf von Anteilen an der Drewag und der Enso verbunden waren. Insofern zeigen die Ergebnisse, dass wir keinen überhöhten Kaufpreis gezahlt haben.

Womit verdienen Sie Geld in einer Branche, in der großen Tankern wie E.on oder RWE der Untergang droht?

Reinhard Richter: Wir sind ein mittelgroßer Tanker, gut manövrierfähig und trotzdem mit stabiler Lage. Besonders schwer haben es die großen Unternehmen, die über keine Netze mehr verfügen und schwerpunktmäßig Strom erzeugen, wie RWE und E.on. Die kleineren Stadtwerke klagen zunehmend über die hohen und sich ständig ändernden Anforderungen durch die Regulierung der Netze und die Liberalisierung des Vertriebes. Für sie wird es immer schwieriger, ihr Tagesgeschäft selbstständig zu handhaben. Durch die Zusammenarbeit von Drewag und Enso verfügen wir über ausgewiesene Kompetenzen, den Anforderungen zu entsprechen und sogar mit kleineren Stadtwerken zu kooperieren. Im regulierten Netzbereich und im Vertrieb sinken die Renditen, aber überschaubar und demzufolge planbar, anders als im Erzeugungsbereich, wo der Umbruch zu drastischen Abwertungen von Kraftwerken führt. Die Enso ist zu einem großen Teil mit ihrer Tochter Enso Netz ein regionaler Netzbetreiber. Die Drewag besitzt zwar neben dem städtischen Netz mit dem Kraftwerk Nossener Brücke auch eine erhebliche Erzeugungskapazität, die jedoch hocheffizient mit Kraft-Wärme-Kopplung Wärme und Strom produziert und somit wirtschaftlich ist.

Wie kommt dabei ein Gewinn heraus?

Reinhard Richter: Ein großer Block resultiert aus dem hohen Anlagevermögen, also insbesondere den Netzen, in die wir jedes Jahr auch erheblich investieren. Das ist dann die "Eigenkapitalverzinsung", die uns mit der Regulierung zugesprochen wird. Außerdem wirtschaften wir kostengünstig und sind mit attraktiven Produkten am Markt.

Wohin fließt der Gewinn?

Ursula Gefrerer: In die Tilgung der Schulden für den Ankauf der Anteile. Wir werden 73 Millionen dafür ausgeben. Die vergangenen fünf Jahre liefen besser als erwartet, deshalb haben wir mehr getilgt als geplant. Wir gehen davon aus, dass die nächsten Jahre nicht mehr so gut sein werden. Da ist es gut, dass wir uns einen Vorsprung erarbeitet haben. Somit sind wir mittelfristig auf Kurs.

Hat sich der Rückkauf der Anteile bezahlt gemacht?

Ursula Gefrerer: Betriebswirtschaftlich auf jeden Fall.

Reinhard Richter: Strukturpolitisch auch, denn mangelnde Konzernzentralen sind ein ostdeutsches Defizit. Mit dem Energieverbund Drewag/Enso ist ein mittelgroßer Konzern entstanden, der seine Interessen in der Region hat, aus der seine Mitarbeiter stammen. Die Aufträge werden überwiegend regional vergeben und das Ergebnis erhalten fast vollständig kommunale Anteilseigner aus der Region. Wir sind schon längst vergleichbar mit der Verbundnetz Gas AG, die ja immer als einziger ostdeutscher Konzern bezeichnet wird. Der Rückkauf war eine politisch-strategische Leistung der Stadt, die sich gelohnt hat.

Wie viele Mitarbeiter hat der Konzern?

Ursula Gefrerer: 5300 im TWD-Konzern, davon rund 2800 bei Drewag/Enso. Bei der Drewag und bei der Enso haben wir je 110 Auszubildende. Wir stellen jedes Jahr rund je 30 neue Auszubildende ein. Der Personalbestand wird mittelfristig konstant bleiben.

Wie planen Sie für das nächste Jahr die Ergebnisentwicklung?

Ursula Gefrerer: Mit einem Gewinn von 50 Millionen Euro nach Abzug der Finanzierung der DVB und der Bäder. Ca. 40 Millionen Euro kostet der ÖPNV, ca. zehn Millionen Euro gehen an die Bäder. Dann bleiben 50 Millionen Euro für die erforderliche Kredittilgung.

Die Stadt soll eine Woba gründen. Stehen die TWD bereit?

Reinhard Richter: Das ist eine politische Diskussion, zu der wir uns ungern äußern. Wir verweisen aber gern darauf, dass wir keine immobilienwirtschaftlichen Kompetenzen im Wohnungsbereich haben. Die liegen nicht bei uns, sondern bei der Stesad.

Die Stadt will ein neues Rathaus bauen, Drewag und Enso sollen einmal unter ein Dach ziehen. Eine Chance für Rathaus und Firmensitz am Ferdinandplatz?

Reinhard Richter: Wir favorisieren eine andere Lösung. Für die Enso-Mitarbeiter benötigen wir einen verkehrszentralen Standort, weil viele Mitarbeiter aus der Region kommen oder zur Arbeit in die Regionalbereiche mit der S-Bahn fahren. Da ist der Ferdinandplatz nicht die erste Wahl. Wir prüfen aktuell verschiedene Standorte, zum Beispiel einen Neubau auf dem Gelände des Kraftwerks Mitte oder einen Anbau an das Enso-Gebäude am Hauptbahnhof. Für das Rathaus am Ferdinandplatz könnte eine TWD-Finanzierungsvariante wie beim Kongresszentrum interessant sein.

Wie viel werden die Technischen Werke in diesem Jahr investieren?

Ursula Gefrerer: Drewag und Enso planen mit 150 Millionen Euro. Investitionsschwerpunkte sind die Erneuerung und Erweiterung der Netze sowie das Kraftwerk Nossener Brücke. Für die erneuerbaren Energien stehen zehn Millionen Euro zur Verfügung. Aber das hängt von den konkreten Projekten ab. Da müssen wir sehen, welche Möglichkeiten sich auftun. Bei den Verkehrsbetrieben geht es auch darum, welche Baumaßnahmen die Stadt in Angriff nimmt. Spektakuläre Vorhaben stehen nicht an.

Wie geht es mit dem Kraftwerk Mitte weiter?

Reinhard Richter: Wir hatten ja mal angenommen, dass die Stadt das gesamte Gelände für TJG und Operette entwickelt. Aber dann sind die schwierigen Gebäude bei uns geblieben. Wir sind dabei, die Gebäude kleinteilig zu entwickeln. Es gibt genug Mietinteressenten, aber die Gebäude sind stark sanierungsbedürftig, also weit weg von bezugsfertig. Wir können das Vorhaben nur mit Fördermitteln stemmen. Die Stadt hat dies erkannt und unterstützt uns. Wir freuen uns über Mut und Weitsicht der Musikhochschule, die als erster Mieter eingezogen ist und ausstrahlt, so dass sich mit dem Heinrich-Schütz-Konservatorium und der Heinrich-Böll-Stiftung weitere Ankermieter angeschlossen haben. Ein weiterer wäre die Puppentheatersammlung, um die wir werben. Das sind alles wichtige passende Bausteine. Mit der Eröffnung der Staatsoperette und des Theaters Junge Generation wird es einen weiteren Schub geben. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, nicht artfremd zu vermieten, sondern nach Bausteinen zu suchen, die zu dieser einzigartigen Kulturmeile passen. Da nehmen wir Verantwortung für die Stadt wahr. Eine prosperierende Stadt ist ja auch das Beste, was sich ein Energieerzeuger vorstellen kann.

Eine persönliche Frage an Frau Gefrerer: Wie fühlt man sich als Supermanagerin der Landeshauptstadt Dresden?

Ursula Gefrerer: Ich bin doch nicht die Supermanagerin. Wir beide sind Kollegen im Enso-Vorstand und in der Geschäftsführung der Drewag und nicht neu im TWD-Konzern. Nur im Team sind wir stark und können die Herausforderungen meistern. Das gilt auch für unsere DVB-Kollegen Andreas Hemmersbach und Lars Seiffert bei der TWD.

Reinhard Richter: Teamarbeit gehörte schon immer zur Kultur bei uns, auch mit Reiner Zieschank.

Thomas Baumann-Hartwig

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