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Technische Sammlungen eröffnen Sonderschau "Mikroelektronik in Dresden"

Technische Sammlungen eröffnen Sonderschau "Mikroelektronik in Dresden"

Was haben ein Frosch, ein Herzschrittmacher und die weltweite Autoflotte gemeinsam? Sie haben mit der 50-jährigen Geschichte des Mikroelektronikstandortes Dresden zu tun, die sich jetzt in einer Sonderausstellung der "Technischen Sammlungen Dresden" (TSD) an der Junghansstraße spiegelt: Der Frosch war das zwischen den Leiterbahnen des DDR-Megabit-Schaltkreises versteckte Maskottchen von Chefkonstrukteur Jens Knobloch.

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Kurator Ralf Pulla begutachtet die plakatgroßen Layout-Schablonen, auf die in den 1970ern die Schaltkreisentwürfe übertragen wurden.

Quelle: Flechtner

Der Herzschrittmacher-Schaltkreis aus dem Zentrum für Mikroelektronik Dresden (ZMD) ersparte vor der Wende vielen Patienten OPs im Zwei-Jahres-Takt. Und wenn man auf einen Schlag die Chips von Infineon Dresden aus allen Fahrzeugen entfernen würde, dann stände ein Drittel aller Automobile weltweit still, so Ausstellungskurator Dr. Ralf Pulla.

Zu sehen sind in der Studioschau viele Hightech-Geräte, Filme, Fotos und Dokumente, wobei das Kürzel AMD den Kreis schließt: Von den ersten Logikschaltkreisen der "Arbeitsstelle für Molekularelektronik Dresden" (AMD, später: ZMD) um 1968 bis zum Athlon-Prozessor aus dem Wilschdorfer Werk des anderen AMD - des US-Chipkonzerns.

Der Rundgang repräsentiert ein halbes Jahrhundert einer Hochtechnologie, die untrennbar mit Dresden verbunden, der größte private Arbeitgeber in der Region ist und die "leider in unserem Museum bisher zu kurz weggekommen ist", wie TSD-Direktor Roland Schwarz einräumt. "Für uns ist diese Sonderausstellung nur der erste Schritt, um die große Bedeutung der Dresdner Mikroelektronik künftig auch in unseren Dauerausstellungen zu zeigen."

Anlass der Sonderschau ist der 100. Geburtstag des Mikroelektronik-Pioniers Werner Hartmann (30. Januar 1912 - 8. März 1988). "Wir haben uns darum bemüht, diese Hochtechnologie auch sinnlich erfahrbar zu machen, die Wirtschaftshistorie dahinter zu beleuchten und ästhetische Interpretationen der Mikrofotografie einzubauen", betonte Pulla.

Einen der ersten Dresdner Chips von 1968 kann der Besucher aus verschiedenen Perspektiven entdecken: Als stecknadelkopfkleinen Winzling im Original, als wandfüllenden Schaltkreisentwurf auf Millimeterpapier, als Layout-Schablone im Posterformat, aber auch als vieltausendfache Vergrößerung mit dem Elektronenrastermikroskop, unter dem das Gewirr aus Leiterbahnen. Widerständen und Transistoren wie eine mit Mondstaub verschüttete Stadt anmutet.

Zu sehen sind die ersten Wafer-Kristalle, der Megabit-Schaltkreis, ein Speicherriegel des untergegangenen Speicherkonzerns Qimonda und der DDR-Taschenrechner "Minirex 73" mit dem Original von Texas Instruments, von dem die Dresdner Ingenieure fleißig abgekupfert hatten. "Allerdings haben die Dresdner Mikroelektroniker nicht einfach nur kopiert, sondern selbst bei nachgebauten Chips viele eigene Lösungen gefunden", betont Pulla. Heiko Weckbrodt

Techn. Sammlungen, Junghansstra- ße 1, Di.-Fr. 9-17, Sa. u. So. 10-18 Uhr. Mehr Infos, Bilder und ein Video im Netz: dnn.de und computer-oiger.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.02.2012

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