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Tausende Teile unter der Laubsäge

Tausende Teile unter der Laubsäge

Die Stunden hat Egon Tebarts nicht gezählt, die er hauptsächlich in den Wintermonaten in seinem Bastelkeller zugebracht hat. Auch die Teile nicht, aus denen seine Frauenkirche besteht.

Nur so viel ist klar: Das Modell des George-Bähr-Bauwerks ist in mehr als dreijähriger Arbeit entstanden und allein die Kuppel ist aus 2700 Einzelteilen zusammengefügt. Etwa 1000 weitere Holzplättchen wurden für die Fenster benötigt.

Der 76-jährige Pensionär, gelernter Täschner und langjähriger Polizeibeamter, ist nicht etwa Dresdner. Er lebt in Kalkar in Nordrhein-Westfalen (Landkreis Kleve). Dort kennt man ihn als passionierten Modellbauer. Die mittelalterlichen Bauten seiner Stadt hat er ebenso minutiös nachgebaut wie auch andere historische Bauwerke. Einige seiner naturgetreuen Modelle stehen im Museum von Kalkar. "Das mittelalterliche Rathaus wird jedes Jahr zum Hansetag gezeigt", berichtet Tebarts stolz. "Jetzt bin ich schon wieder mit einem Stadttor beschäftigt."

Alle seine Miniaturen sind Laubsägearbeiten. Die Fertigkeit dazu hat der Senior schon früh erworben. Sie war sozusagen aus der Not geboren. Denn im Nachkriegsdeutschland gehörte Spielzeug für einen kleinen Jungen zu den Raritäten. So bastelte er es sich eben selbst. Die erste Arbeit war ein Bauernhof. Spätestens 1991, als sein Sohn nach Leipzig übersiedelte, kam der Modellbauer auch mit der Dresdner Frauenkirche in Berührung. Er sah den Trümmerberg und beobachtete während weiterer Besuche ihr Wachsen. Das barocke Gotteshaus hatte ihn gepackt. Nach einem kleinen Pappmodell formte sich mit Gefühl und Konzentration seine Kirche im Maßstab 1:100. Jetzt gehört sie zu seinen schönsten Werken.

Von innen hat Tebarts das Wunder von Dresden bisher noch gar nicht gesehen. "Als wir vor der wiederaufgebauten Kirche standen, war die Warteschlange zu groß", berichtet er. Aber der rüstige Rentner will wiederkommen. Vielleicht sogar auf dem Elberadweg. Und so lange er Lupe und Pinzette handhaben kann, werden auch weiterhin Modelle entstehen.

Die Frauenkirche ist derzeit noch Blickfang der Kellerwerkstatt. Sie hätte aber durchaus mehr Öffentlichkeit verdient. Tebarts wäre bereit, sein Prunkstück "für einen angemessenen Preis", wie er sagt, abzugeben. Wer Interesse hat, kann sich gern unter Telefon 02824/51 94 melden. Genia Bleier

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.08.2012

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