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Tango statt Fango - Teil 8 der DNN-Serie "Gesund + aktiv"

Tango statt Fango - Teil 8 der DNN-Serie "Gesund + aktiv"

Cornelia war blond, blauäugig und besser als ich. Sie musste nicht mehr leise mitzählen bei Walzer, Rumba und Jive. Ihr Rhythmusgefühl war klasse, die Haltung ideal und der Hüftschwung irritierend.

André Juschten

Beim Tanzstundenabschlussball trug sie ein rosafarbenes Kleid oder ein rotes - dieses Detail ist mir entfallen. Und ein Blick ins Album hilft auch nicht weiter: Das Foto ist schwarz-weiß. Mein Abschlussball war im Sommer 1975.

Im zarten Alter von 15 Jahren waren die Tanzstunden in der Zittauer Tanzschule eine ganze Menge: Jahrgangsjux der 9. Klassen, von den Eltern nicht nur genehmigte, sondern auch bezahlte erste Annäherung an das andere Geschlecht, Benimm-Kurs mit Regeln für den obligatorischen Anstandsbesuch bei den Eltern der Ballpartnerin - aber ganz bestimmt kein Sport.

Dass Tanzen sehr wohl sogar Hochleistungssport sein kann, habe ich erst später begriffen. Turniertänzer, Rock'n'Roll-Formationen und Line-Dancer trainieren als Laien oder Profis genauso hart wie Turner, Ruderer oder Leichtathleten. Und es gibt für fast alle Tanzarten inzwischen Meisterschaften von der Kreisklasse bis zum Weltcup.

Aber wie immer seit acht Monaten geht es an dieser Stelle weder um Weltmeisterschaften noch um Wertungen für Pflicht und Kür, sondern um die Aktivierung des unbeweglichen Menschen im Industriezeitalter, der Rückenschmerzen vom vielen Sitzen hat und außer Puste kommt, wenn im Kaufhaus mal die Rolltreppe kaputt ist. Seit April gebe ich Ihnen in unserer Serie Tipps, auf welche und wie viele verschiedene Arten man den inneren Schweinehund überwindet und etwas für seine Gesundheit tut. Der erste Schritt ist immer schwer. Und bei manchem hält sich vielleicht das Vorurteil der eigenen Unsportlichkeit ("Alles nix für mich") bis heute.

Wenn Sie also weder Qi Gong noch Nordic Walking mögen, wenn Sie sämtliche Ballsportarten hassen und die Schwimmhalle in Ihrer Nähe nicht die Öffnungszeiten hat, die zu Ihrer Arbeitszeit passen - dann ist vielleicht Tanzen das Richtige für Sie. Man kann dabei die Lieblingsjeans tragen oder sich außergewöhnlich chic machen. Das Begleitgetränk eines solchen Bewegungsabends muss kein isotonisches Fitnessgetränk, sondern kann durchaus ein Glas Wein sein. Und man hält in der Regel den liebsten Menschen dabei im Arm. Romantik ist erlaubt!!!

Jeder mag schließlich irgendeine Art von Musik. Zu fast jeder Musik kann man sich rhythmisch bewegen. Ob das im Walzer-Dreivierteltakt ist, schweißtreibend beim Pogo oder eher schleichend beim Tango - das Herz schlägt schneller (nämlich ungefähr 166 Mal pro Minute), der Kreislauf kommt in Schwung und die Fettverbrennung auch (ca. 360 bis 450 Kalorien werden bei einer Stunde Tanzen verbraucht). Tanzen produziert außerdem Glückshormone wie kaum eine der Bewegungsarten, über die wir bisher in unserer Serie gesprochen haben. Das wirkt sich günstig aufs Immunsystem aus. Und eine Studie der Universität Tübingen hat festgestellt, dass all diese Faktoren sogar dafür sorgen, dass Menschen, die regelmäßig tanzen, länger geistig fit bleiben. Körper und Geist profitieren in wunderbarer Symbiose.

Eine kleine Einschränkung aus der Sicht des Orthopäden muss ich allerdings doch machen. Meine Damen: Schuhe mit 12 Zentimeter hohen Stiletto-Absätzen haben schon Models auf dem Laufsteg zu Fall gebracht. Auf der Tanzfläche geht es nicht nur ums Geradeausgehen, sondern um teils schwierige Schrittkombinationen in flottem Tempo und mit dem Risiko von Zusammenstößen. Ihre Gelenke, Sehnen, Bänder und Fußballen danken es Ihnen, wenn Sie den Kompromiss zwischen Höhe und gesunder Sicherheit bei maximal fünf Zentimetern Absatzhöhe für den Tanzabend finden.

Bälle, Discos, private Tanzkreise - Gelegenheiten gibt es in und um Dresden genug, und zwar für jede Altersgruppe. Tanzschulen bieten Kurse für jedes Alter, für Anfänger und Könner, für (Ehe)paare und Singles. In diversen Lokalitäten vom Gare de la Lune bis zum Theaterrestaurant im Schauspielhaus gibt es Tanzabende oder Tanztees mit vorgelagerten kostenlosen Schnupperstunden. Und wem das doch alles zu wenig sportiv ist, der kann ja immer noch im Fitness-Studio (auch in der Reha Nord) Aerobic-Kurse belegen. Aerobic hieß Popgymnastik, als ich im Tanzstundenalter war. Und wenn die Ikone des Aerobic im Westen die Hollywood-Legende Jane Fonda war, so gibt es beim MDR eine Legende des Ostens: Vorturnerin in der Popgymnastik-Fernsehsendung "Medizin nach Noten" war Anfang der 1980er Jahre Almut Rudel, die heute den Sport beim MDR-"Sachsenspiegel" moderiert.

Das Prinzip war im Westen wie im Osten damals wie heute dasselbe wie beim Tanzen: Bewegung nach Musik. Und weil immer mal wieder ein neuer Trend die Lust zum Mitmachen aktivieren muss, heißt Aerobic in einer sehr speziellen Art seit ein paar Jahren Zumba. Das ist ein Latin-inspiriertes Fitness-Programm, das nach Samba-, Salsa- oder Mambo-Rhythmen Leute in Bewegung bringt.

Lateinamerikanische Tänze mit ihrem Hüftkreisen sind schon auf der Tanzfläche besonders empfehlenswert im Hinblick auf die Lendenwirbelsäule. Also ist dieser neue Fitnesstrend ganz ausdrücklich auch etwas für Menschen mit Rückenproblemen. Noch übersteigt die Nachfrage nach Zumba-Kursen bei weitem das Angebot. Die Reha Nord sucht händeringend eine ausgebildete Trainerin.

Deswegen ist mein letztes Wort für heute schon fast ein Geheimtipp: Morgen steigt in der Großröhrsdorfer Festhalle am Rödertalplatz die ultimative Zumba-Probier-Party: AOK PLUS und Zumba-Trainerin Dana Herrlich laden Frauen, Männer, Kinder, Familien und Einzelgänger - also alle zum Zumba-Schnuppern ein.

Danach wird es Ihnen phantastisch gehen. Schokolade gegen den Novemberblues, wie von AOK-Ernährungsberaterin Cornelia Münster (nicht identisch mit meiner Balldame von vor 36 Jahren) empfohlen, haben Sie dann zwar nicht mehr nötig. Aber als Belohnung für den Kampf gegen die eigene Trägheit ist ein Stück durchaus erlaubt: süß oder zartbitter.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2011

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