Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 19 ° wolkig

Navigation:
Google+
Tagesmütter in Dresden: Jeder zehnte Betreuungsplatz ist frei

Tagesmütter in Dresden: Jeder zehnte Betreuungsplatz ist frei

Nominal gibt es in Dresden 1909 Tagespflege-Plätze. Dahinter stehen 406 Frauen und Männer, die - meist in ihrer eigenen Wohnung - jeweils bis zu fünf Kleinkinder tagsüber betreuen, als Alternative zum Krippenbesuch.

Davon sind 60 Plätze aus Mini-Betriebs-Kitas nicht frei vermittelbar, bleiben also 1871 Plätze, von denen derzeit 198 unbesetzt sind - bis vor kurzem wegen des Kita-Mangels noch unvorstellbar.

Um ab August den neuen Rechtsanspruch auf Krippen-Betreuung zu erfüllen, hatte die Stadt vor allem in den vergangenen anderthalb Jahren massiv neue Kitas gebaut und Container-Kitas aufgestellt. Seit die in Betrieb sind, wächst der Leerstand bei den Tagesmüttern, wie Tagesvater Titus Parade von der IG Kindertagespflege berichtet. "Und jedes Kind weniger bedeutet für eine Tagesmutter gleich 20 Prozent weniger Monatseinkommen - das ist ein existenzieller Verlust."

Ähnlich sieht dies Stephan Kirsche - der Dresdner ist Vorstand des Landesarbeitskreises Kindertagespflege Sachsen: "Die Tagesmütter kümmern sich gern um Kinder, darin kennen sie sich aus - aber von Unternehmensführung haben viele von ihnen kaum Ahnung. Sie haben ihre ganze Kalkulation auf die Erwartung aufgebaut, ständig fünf Kinder zu haben. Wenn das nicht mehr klappt, haben sie ganz ernste Probleme - anders als Krippen, die dann einfach mit der Wochenarbeitszeit ihrer Erzieherinnen runtergehen", sagt er.

Und diese Sorgen hegen nicht etwa nur Tagespflege-Vertreter, auch der städtische Kita-Eigenbetrieb sieht ein Problem nahen. Chefin Sabine Bibas könnte bald mit einem Dresdner Tabu brechen: "Wir erwägen, im Einzelfall für Tagespflegeplätze am Stadtrand auch Kinder aus anderen Kommunen zuzulassen", sagte sie. Zudem wolle man betroffene Tagesmuttis dabei unterstützen, ihr Profil zu schärfen oder zu modifizieren, damit diese ihre Plätze wieder besser auslasten können.

Auch stellt sie perspektivisch einen Stadtratsbeschluss in Frage: Obwohl die Umfragen des Kita-Eigenbetriebes klar gezeigt haben, dass nur etwa 14 Prozent der Eltern Interesse an der Krippen-Alternative "Tagespflege" haben, hatte der Stadtrat beschlossen, dass 20 Prozent aller Betreuungsplätze für Kleinkinder bei Tagesmüttern und -vätern eingerichtet werden müssen. Solange Mangelwirtschaft herrschte, waren die Dresdner Eltern dankbar für jeden Platz, den sie bekommen konnten, ob nun in der Kita oder bei der Tagesmutter. Nun haben sie erstmals seit Jahren wieder die Wahl - und die fällt oft zu Ungunsten der Tagespflege aus.

Dabei spielen DDR-Traditionen eine Rolle, auch der Ruf der Kita-Erzieherinnen als Profis. Viele Eltern fürchten aber auch, dass ihr Kind nicht sofort einen Kindergartenplatz bekommt, wenn es drei Jahre alt wird und von der Tagesmutter in eine Kita kommt, statt nur innerhalb des Hauses von der Krippen- in die Kiga-Gruppe zu wechseln. Parade und Kirsche schlagen daher vor, dass Eltern künftig über das neue eKita-Portal der Stadt gleich einen Anschluss-Kindergartenplatz mitbuchen dürfen, wenn sie ihr Kind bei einer Tagesmutter anmelden. Parallel dazu bereiten derzeit 62 Tagesmütter in Dresden eine Initiative vor, die zu einem höheren Entgelt pro Kind führen soll - damit würde sich das Leerstandsproblem entspannen, allerdings kämen auf die Rathauskasse wohl erhebliche Mehrausgaben zu.

Wenig halten die Tagespflege-Interessenvertreter hingegen von den Forderungen einiger Tagesmütter, keine neuen Tagespflege-Plätze in Dresden mehr zuzulassen. "Wir wollen nicht zurück zu einer Mangelverwaltung", betont Parade. "Wettbewerb tut den Tagesmüttern durchaus gut - sie müssen sich jetzt mehr anstrengen, Eltern von sich zu überzeugen." Tagespflege müsse sich durch überlegene pädagogische Qualität durchsetzen, die dem Modell "Tagespflege" jüngst erst von einer Studie der Universität Wien attestiert worden sei.

"In Krippen muss sich statistisch gesehen jede Erzieherin um acht Kinder kümmern, bei Tagesmüttern sind es nur vier oder fünf Kinder", argumentiert auch Kirsche. "Damit ergeben sich natürlich ganz andere Möglichkeiten, sich jedem einzelnen Kind individuell zuzuwenden. Mit diesem Argument kann man Eltern sehr wohl von der Tagespflege überzeugen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.11.2013

Heiko Weckbrodt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
21.07.2017 - 10:25 Uhr

Zur Generalprobe gegen Wolfsburg können die Schwarz-Gelbven wohl erneut nicht in Bestbesetzung antreten .

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.