Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
TU Turnhallen in Dresden werden renoviert

Flüchtlinge ausgezogen TU Turnhallen in Dresden werden renoviert

Die Flüchtlingskrise hat sich im Freistaat entschärft. Jetzt beginnt das große Reinemachen in den TU Turnhallen an der Nöthnitzer Straße. 2,7 Millionen Euro sollen fließen, damit bald wieder Sport getrieben werden kann.

Flüchtlingskinder haben ihre Handabdrücke mit Fingerfarbe auf einer Wand hinterlassen.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Von außen deutet in der Nöthnitzerstraße 60a nichts mehr auf die ehemaligen Bewohner aus aller Herren Länder hin. Ein Baucontainer steht vor dem Haupteingang der Turnhallen, der einzige Hinweis auf die Renovierung. Die Bauzähne, die zahlreichen Müllcontainer, der Sicherheitseinlass und das DRK-Banner sind verschwunden. Der Lärm und das Gewusel von 600 Menschen verstummt. Laut Landesdirektion kamen im ersten Halbjahr lediglich 9000 Asylbewerber nach Sachsen. Zum Vergleich: Im Dezember 2015 waren es 8000, im November 17 000.

Die Flüchtlingskrise hat sich im Freistaat entschärft. Jetzt beginnt das große Reinemachen. „Wir hätten nicht gedacht, dass wir die Hallen so schnell wieder zurück bekommen“, erklärt Niederlassungsleiter Ulf Nickol vom Staatsbetrieb Immobilien und Baumanagement (SIB). Das Sportzentrum der Technischen Universität Dresden diente bis zur Räumung am 11. Mai als Erstaufnahmeeinrichtung (EAE). Jetzt liegt der Komplex in der Zuständigkeit des SIB, welcher sich nun um die Renovierung kümmert.

„Die Schäden sind dem baulichen Zustand und der intensiven Nutzung als EAE geschuldet“, so die Sprecherin des Staatsbetriebs Andrea Krieger. Vandalismus könne bei den Schäden ausgeschlossen werden – weder durch die Bewohner, noch durch Rechtsextreme. Türen sind verzogen, Klinken verbogen – überall gibt es Gebrauchsspuren.

Ein Großteil der Schäden, wie die Kugelschreibergraffiti auf den Trennwänden, sind unkompliziert zu beheben. Auf arabisch steht dort „Ich liebe Deutschland“ oder „In Syrien war es besser“ – eine chemische Reinigung wird auch diese Spuren beseitigen. Die Arbeiten, wie beispielsweise der Rückbau von provisorischer Trennwände, Maler- und Fliesenarbeiten, Reparaturen sowie Reinigung, sind zu Beginn des Wintersemesters abgeschlossen. Der Sand im Beachvolleyballfeld und viele Türen müssen ausgetauscht werden. 175 000 Euro kosteten diese ersten Maßnahmen bisher.

Schwerwiegender sind die Schäden am Sportparkett. In Halle 2 ist an einer Stelle der Unterboden durchgedrückt und am Eingang ist Wasser eingedrungen. Der Böden in den Hallen 1 und 3 sind stärker beschädigt. Sie wurde mit hohen Lasten befahren zusätzlich liegen Hinweise für hohe Belastungen mit Paletten vor. Wer den Sportboden befahren hat, ist nicht bekannt. Die Unterkonstruktion wurde geschädigt – der Boden ist unebenen geworden und das Verletzungsrisiko für Sportler gestiegen. Halle 1 und 3 sind für Ballsportarten erst einmal gesperrt. Bis zum Abschluss der Untersuchungen ist weder der genaue Planungs- noch der Bauaufwand bekannt.

Krieger weist darauf hin, dass eine Trennung in Verschleiß durch die EAE und vorherigem Instandhaltungsrückstau nicht möglich sei. Der Bezug durch die Flüchtlinge ging schnell vonstatten und vorherige Schäden wurden nicht dokumentiert. „Jegliche Nutzung bedeutet Verschleiß, egal ob durch Flüchtlinge oder durch Sportler“, erklärt Krieger. Die Renovierungen betreffen auch vorgeschädigten Bereiche. Dafür hat der Freistaat 570 000 Euro zur Wiederherrichtung eingeplant. Da es sich um eine provisorische Herrichtung handelt, liegt die Gewährleistung bei 2 bis 3 Jahren.

Bis zum Abschluss der Fußbodensanierung ist aus Sicherheitsgründen ab Oktober nur eine eingeschränkte Nutzung für ausgewählte Sportarten möglich. „Da wir zeitnah sanieren wollen, müssen wir abklären, welche Sportarten die TU hier durchführen will“, so Nickol, „danach richtet es sich auch, ob wir einen neuen PVC-Belag aufbringen oder den Boden komplett austauschen.“

Parallel zu den Arbeiten plant der Staatsbetrieb, Teile der Hallen mit Mitteln des Energieeffizienz-Programms der Europäischen Union zu sanieren. „Wir wollen die Abluft des nahegelegen Hochleistungsrechners nutzen, um die Hallen zu heizen“, beschreibt Nickol das Energiekonzept. 2,7 Millionen Euro hat das SIB für die Sanierung der Halle 1 beantragt. Bis zu 80 Prozent der Kosten sind förderfähig. Der Baustart der beiden unsanierten Hallen steht noch nicht fest. Bereits jetzt werden die jahrzehntealten Sanitärräume umgebaut, damit sie den Energierichtlinien entsprechen.

Die Turnhallen sind DDR Bauten aus den 1970er und 80er Jahren. Die Hallen 1 und 2 mit einer Fläche von insgesamt 2600 Quadratmetern basieren auf den Bauplänen von Industriehallen – ein Provisorium der DDR-Architektur. Hier schliefen die bis zu 600 Asylbewerber auf Bundeswehrfeldbetten. Die Halle 3 ist ein typischer Dresdener Sporthallentyp mit 500 Quadratmetern Sportfläche und diente als Kantine. Bereits vor der EAE-Nutzung waren die Hallen 1 und 3 baulich in einem schlechten Zustand. Es bestand Sanierungsbedarf. Halle 2 hingegen wurde von 2009 bis 2011 im Rahmen des Konjunkturpakets II komplett saniert.

Die drei Turnhallen waren die einzigen, die der Freistaat in Dresden für Flüchtlinge belegt hat. Die Turnhalle in der August-Bebel-Straße wurde nicht als Unterkunft genutzt, sondern diente als Nebengebäude der Zeltunterkunft auf dem angrenzenden Sportplatz.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gab am 30. September 2015 bekannt, dass die Stadt vorübergehend Flüchtlinge in städtischen Turnhallen unterbringt – der Kommune dienten drei Sporthallen als Notunterkünfte. Die Renovierungskosten der beiden Turnhallen auf der Ginsterstraße und der Thäterstraße war mit etwa 40 000 Euro wesentlich günstiger – die Gebäude waren mit lediglich 170 Plätzen jedoch weniger stark belegt. Anfang Mai wurden die Objekte geräumt. Darüber hinaus wurde die Turnhalle in der Schleiermacherstraße im Zuge eines neuen Schulbauprojektes abgerissen.

In den Turnhallen wurden hauptsächlich Trocken- und Rückbauarbeiten wie das Entfernen der Trinkwasserleitung für die Sanitärcontainer oder der Abbau von Steckdosenleisten durchgeführt. Wanddurchbrüche wurden verschlossen, defekten Türen im Innenbereich ausgetauscht, Wände gestrichen und Parkettarbeiten am Sportboden durchgeführt. Nach der Grundreinigung der Halle steht die Thäterstraße seit dem 6. Juni den Sportvereinen wieder zur Verfügung, die Ginsterstraße seit dem 27. Juni.

In der Flüchtlingskrise mussten die Behörden bei der Unterbringung improvisieren. So wurden in Halle 1 Wände durchbrochen und neue Fluchtwege eingerichtet, sonst hätte es keine Baugenehmigung als Massenunterkunft gegeben. Die zusätzlichen Fluchtwege bleiben nach der Sanierung erhalten. „Wir planen die Hallen auch zukünftig als Notunterkünfte zu nutzen“, so Nickol. „Schon zum Elbehochwasser 2013 sind hier THW-Kräfte aus ganz Deutschland untergekommen.“ Auch die neuen Fahrradständer, asphaltierten Wege und gepflasterten Außenflächen bleiben bestehen.

Eine Sache liegt Nickol besonders am Herzen: „Das Wandgemälde im Spielzimmer ist sehr bewegend. Der Staatsbetrieb und die Universität wollen das als Zeitzeugnis bewahren.“ Ein Flüchtling malte einen Baum an die Wand und die Kinder drückten mit Farbe ihre Handfläche in die Baumkrone. Am Baumstamm befindet sich ein Abdruck in den deutschen Nationalfarben mit einem Herz in der Mitte.

d6f4cbce-5efd-11e6-b78d-79bbaa9ba2a5

Die provisorisch als Flüchtlingsunterkunft eingerichteten Turnhallen werden saniert und stehen bald wieder für den Sportunterricht zur Verfügung.

Zur Bildergalerie

Von Paul Felix Michaelis

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.