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TU Dresden erforscht, was Menschen von Fischen lernen können

TU Dresden erforscht, was Menschen von Fischen lernen können

Was für die TU Dresden ein bahnbrechender Erfolg war, ist für das Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) fast schon ein "alter Hut".

Bereits zum zweiten Mal wurde das Institut, das gleichzeitig eines von nur sieben Forschungszentren der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist, zum Exzellenzcluster gewählt. Die DNN fragten Direktor Michael Brand, weshalb die Forschung mit Zebrafischen so exzellent ist und wie es die Dresdner Wissenschaftler an die weltweite Spitze geschafft haben.

Professor Brand, das CRTD ist zum zweiten Mal zum Exzellenzcluster gekürt worden. Überraschung oder Selbstverständlichkeit?

Weder das eine noch das andere. In den vergangenen sechs Jahren haben wir sehr hart am Aufbau dieses Exzellenzclusters gearbeitet. Dieser Erfolg ist aber keineswegs ein Selbstläufer, und die Konkurrenz schläft nie, es gibt durchaus Nachahmer in unserem Forschungsgebiet. Doch das eigentliche Problem liegt im Prozess der Exzellenzinitiative selbst. Es ist schwierig, verschiedene hochkomplexe Themen miteinander zu vergleichen. Deswegen sind wir sehr erleichtert, dass das alles so geklappt hat.

Sie gelten als überragendes Forschungsinstitut in Deutschland. Wie haben Sie es an die Spitze geschafft?

Von sich selbst zu sagen, man ist sehr gut oder gar überragend ist immer schwierig. Sagen wir es so: Wir wissen, dass wir gut sind. Sehr früh haben wir erkannt, wie wichtig es ist, die natürlichen Regenerationsprozesse zu erforschen. Und welches immense Potenzial in eben diesen Prozessen steckt.

Welches immense Potenzial steckt denn in eben diesen Prozessen?

Letztlich geht es darum Volkskrankheiten zu bekämpfen. Darunter zählen unter anderem Diabetes sowie Leukämie und Neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer. Diese Krankheiten betreffen Millionen Menschen weltweit. Sie bringen großes Leid über Erkrankte und Angehörige. Zudem kosten deren Behandlungen uns alle auch sehr viel Geld. Warum also nicht erforschen, wie sich der Körper selbst heilen kann?

Wie soll das gelingen?

Das Ziel ist, das Heilungspotenzial der Stammzellen zu mobilisieren. Stammzellenforschung wird in der öffentlichen Debatte oftmals leider auf embryonale Stammzellen reduziert. Doch Stammzellen gibt es im ganzen Körper. Wenn Sie sich schneiden, wächst Ihre Haut wieder zu, sie regeneriert sich - durch die Stammzellen der Haut. Leider sind unser Gehirn oder unsere Bauchspeicheldrüse zur Regeneration nicht mehr imstande. Manche Wirbeltiere hingegen können das leisten - zum Beispiel die Zebrafische und Axolotl mit denen wir arbeiten. Es geht darum, von diesen Tieren zu lernen, den kleinen Unterschied zu finden - zwischen ihnen und uns. Ich glaube, das ist keine Fiktion.

Doch wie wollen Sie von Flossen nachbildenden Zebrafischen auf das menschliche Gehirn schließen?

Wir stammen nicht nur vom Affen ab. Bezüglich unserer Gene sind wir mit den Zebrafischen zu 80 Prozent verwandt. Diese Tiere können nicht nur Flossen, sondern sehr viele Gewebe nachbilden - zum Beispiel auch Gehirnzellen, wie wir gerade herausgefunden haben. Die meisten Wirbeltiere stehen uns genetisch sehr nah und können sich gut regenerieren. Säugetiere haben diese Regenerationsfähigkeit leider weitgehend verloren. Wir haben uns da in eine evolutionäre Sackgasse hineinmanövriert. Jetzt gilt es 350 Millionen Jahre Evolution zu überbrücken.

Die Idee haben mittlerweile auch andere Forscher. Wie gefährlich wird Ihnen die Konkurrenz?

Gefährlich wird uns bislang niemand. Erst vor kurzem hat uns der internationale wissenschaftliche Beirat attestiert, wir würden zu den fünf besten Instituten der Welt gehören.

Für diese Exzellenz werden Sie jetzt vom Bundesforschungsministerium gefördert. Wie viel Geld erwarten Sie?

Wir haben über 40 Millionen Euro beantragt. Wie viel Geld genau bewilligt ist, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden.

Das ist eine große Summe. Wie wollen Sie es investieren?

Ein Großteil wird in die Weiterführung, aber auch den Ausbau des CRTD fließen. In den nächsten Jahren stellen wir weitere 140 Mitarbeiter ein, über die Partnernetzwerke kommen etwa weitere 150 Forscher hinzu. Wir planen zwei neue Professuren auszuschreiben.

Lohnt es sich überhaupt, so viel Geld in die Forschung zu stecken?

Es wird ja oft kritisiert, dass viel Geld in die Forschung fließt. Dazu kann ich nur sagen: Die Forschung hilft uns allen, sie ist für uns alle wichtig. Es gibt sogar Untersuchungen, die nachweisen, wie positiv sich die Forschungen auf das Bruttosozialprodukt auswirken. Wir können nicht immer darauf hoffen, allein gute Autos zu bauen. Wissen und Wissenschaft ist unsere größte Ressource.

Gespräch: Katrin Tominski

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.07.2012

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