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Superwaldtracht mit großem Wermutstropfen - Imker erntete so viel Waldhonig wie noch nie

Superwaldtracht mit großem Wermutstropfen - Imker erntete so viel Waldhonig wie noch nie

Danil Zocher hatte den richtigen Riecher. Schon Anfang Juli war der Langebrücker Imker überzeugt, es werde eine tolle Waldtracht geben. Er hat Recht behalten. DNN-Mitarbeiter Bernd Lichtenberger sprach mit ihm über seine diesjährigen Imker-Erfahrungen.

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Danil Zocher bei einer Kontrolle seiner Bienenvölker - hier war es Anfang Juni, als er auf Schönborner Flur die Kornblumen-Tracht nutzen wollte.

Quelle: Bernd Lichtenberger

Frage: Der September scheint mir ein geeigneter Zeitpunkt für eine Bilanz. Wie war das Bienenjahr 2013?

Daniel Zocher: 2013, so viel steht für mich als Imker schon fest, war ein gutes Jahr. Zwar war der Start mit dem überlangen Winter und der darauf folgenden Regenzeit ganz mies, geradezu katastrophal, weil es kaum Frühjahrsblütenhonig gab. Aber danach war das Bienenjahr absolut top.

Dazu hat auch die reiche Waldtracht beigetragen?

Auf jeden Fall. Sie war spektakulär. Selbst unsere alten Imker im Ort können sich nicht erinnern, schon einmal so viel Waldhonig geerntet zu haben. Sie sagen, so etwas habe es in der Menge und Zusammensetzung noch nicht gegeben. Allerdings hat sich in unsere Freude ein großer Wermutstropfen gemischt.

Warum?

Ein erheblicher Teil des Waldhonigs ist sogenannter Melezitose-Honig. Wir Imker sprechen auch von Zementhonig, weil er in der Wabenzelle kristallisiert und sich deshalb nicht schleudern lässt. Schuld ist eine bestimmte Blattlausart auf der Fichte, die diesen schnell kristallisierenden Zucker ausscheidet, der dann von den Bienen gesammelt wird. Nicht einmal als Winterfutter eignet sich solcher Honig für die Bienen. Es macht ziemliche Mühe, wenigstens einen Teil des Honigs aus den Waben zu bekommen. Der muss dann solange gerührt werden, bis er auch im Glas kremig bleibt. Das Rühren zerstört die Zuckerkristalle. Trotzdem ist es sehr guter Waldhonig.

War das ein Dresdner Phänomen?

Nein, das Melezitose-Problem gab es in ganz Mittel- und Süddeutschland.

Woher kam Ihre Vermutung, es werde 2013 viel Waldhonig geben?

Dr. Gerhard Liebig, ein Bienenexperte, hat in einem seiner Bücher über die Faktoren geschrieben, die für eine gute Waldtracht nötig sind. Das schien mir in diesem Jahr alles gegeben.

Wie lange betreiben Sie schon die Imkerei und mit wie vielen Bienenvölkern?

Erst im vierten Jahr. In diesem Jahr habe ich 16 Völker.

In Langebrück hat die Imkerei Tradition. Die Imkerei war es, die vor 725 Jahren zur ersten bekannten urkundlichen Erwähnung führte, was in diesem Jahr gefeiert wurde.

Ja, aber mein Entschluss Imker zu werden, hatte damit wenig zu tun. Vor allem ist er meinem Interesse an der Bienenzucht geschuldet. Bereut habe ich es bisher nicht, obwohl die Imkerei nicht nur ein zeitintensives und teilweise auch anstrengendes, sondern auch risikoreiches Hobby ist.

Risikoreich? Warum denn das?

Ich kenne Imker, die im Frühjahr nach dem langen Winter und dem anhaltenden Regen bei ihren Völkern einen Totalverlust hatten und ich weiß auch von Fällen, wo daraufhin Imker aufgegeben haben. Auch meine Völker waren geschwächt. Noch im Juni hatte ich Sorgen, dass sich die Bienen wieder entwickeln, weil das Pollenangebot so schlecht war. Während der Flutzeit musste ich dann sogar zufüttern, sonst wären mir die Bienen verhungert. Bei Kälte und Futtermangel unterbricht die Königin ihre Eilage. Dabei fällt bei täglich bis zu 2000 Eiern jeder einzelne Tag ins Gewicht. Im Ergebnis fehlt den Bienenvölkern also der Nachwuchs.

Aber es gibt auch noch einen anderen Aspekt für das Risiko - das Wandern. Mit wie vielen Völkern wandern Sie?

In diesem Jahr waren es neun Bienenvölker. Dabei ist der Aufwand groß und das Ergebnis nicht immer befriedigend. Es ist von Tracht und Wetter abhängig. Die Obstblüte war 2013 schlecht, der erhoffte Robinien-Honig ist fast völlig ausgefallen und auch die Kornblumen-Tracht war nicht toll. Noch schlimmer war es mit den Sonnenblumen, weil die Bienen lieber in den Wald geflogen sind.

Wer sind Ihre Honig-Abnehmer?

Dazu gehören neben Freunden und Bekannten auch meine Kollegen bei der Dresdner Berufsfeuerwehr. Außerdem bieten zwei Läden meinen Honig an. Über den Absatz muss ich mir keine Sorgen machen, im Gegenteil, meine Stammkundschaft wächst kontinuierlich. Umso ärgerlicher ist es, wenn ich meinen Kunden wie im Frühjahr wegen Honigmangel absagen muss.

Was wünschen Sie sich als Imker, was ärgert Sie?

Ich wünsche mir den Erhalt vorhandener Bienenweiden, weniger Koniferen in der Stadt, mehr Bäume, die als Bienenweide taugen. Mich ärgert, wenn Leute auf ihren Grundstücken verbissen gegen den Weißklee im Rasen kämpfen oder im Frühjahr gegen jede Löwenzahn-Pflanze in den Krieg ziehen. Gerade der blühende Löwenzahn ist es, auf den die Bienen nach dem Winter warten.

Wohin sollte sich jemand wenden, der sich für die Imkerei interessiert?

Am besten an den örtlichen Imkerverein. In unserem Fall ist das der Imkerverein Langebrück und Umgebung e.V. Ansprechpartner ist der Vereinsvorsitzende Michael Wagner, Telefon 035201/71301.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.09.2013

Bernd Lichtenberger

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