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Suche nach "perfekter Verpackung" - Das Fraunhofer-Institut in Dresden-Gittersee bekommt ein neues Technikum

Suche nach "perfekter Verpackung" - Das Fraunhofer-Institut in Dresden-Gittersee bekommt ein neues Technikum

Greifen wir heute ins Supermarktregal, erwarten wir, dass weder der Tetrapack in der Hand platzt noch der Joghurt überquillt. Das erscheint uns selbstverständlich, ist es aber nicht, wie jeder bezeugen kann, der in der DDR aufgewachsen ist und sich an dem notorischen Gestank aufgeplatzter Milchbeutel in den Kaufhallen erinnert.

Die Zeiten sind gottlob vorbei und Anteil daran haben Dresdner Fraunhofer-Ingenieure: Deren An-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) tüftelt seit fast 20 Jahren an immer haltbareren, konsumentenfreundlichen und ressourcenschonenden Technologien für den Verpackungsmaschinenbau in ganz Deutschland und im EU-Raum. Weil die Nachfrage nach ihren Erfindungen wächst, haben die Fraunhofer-Forscher gestern im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee ein neues Technikum eingeweiht.

Dort wollen die Ingenieure an haltbareren Verpackungstechnologien feilen, beschäftigen sich aber auch mit Folgen des demografischen Wandels, der Überbevölkerung und der weltweiten Müllprobleme, die Laien sonst kaum wahrnehmen. Der Trend zum "Easy Opening" (leichtes Öffnen) ist ein Beispiel: "Die Kollegen hier messen genau aus, wieviel Kraft es kostet, eine Verpackung zu öffnen", erklärte Fraunhofer-Vorstand Prof. Alfred Goßner während der Einweihungsfeier für das Technikum an der Heidelberger Straße. "Darüber macht man sich normalerweise keine Gedanken, aber versuchen sie mal als Senior einen klassischen Schraubverschluss zu öffnen, wenn sie Arthrose haben."

Insofern mag das Dresdner IVV zwar das kleinste Fraunhofer-Institut am größten Standort der Fraunhofergesellschaft, in Dresden, sein, aber es gilt doch als Perle. Seit den zaghaften Anfängen 1995 als bloßes Anwendungszentrum mit drei Mitarbeitern hat sich das IVV einen guten Ruf in der gesamten Branche erarbeitet, gilt inzwischen als eine Leit-Forschungseinrichtung für die Verpackungs- und Lebensmittelindustrie, wie Richard Clemens vom Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) betonte. Mittlerweile hat das IVV rund 50 Mitarbeiter - die Hälfte davon feste - und hat seinen Forschungsetat auf 1,8 Millionen Euro verdreifacht, wie Außenstellen-Leiter Prof. Jens-Peter Majschak berichtete.

Die starke Vernetzung der Dresdner Tüftler mit der Industrie manifestiert sich übrigens auch im Technikums-Neubau: Der wurde nämlich vom Industriepartner "Knüppel Verpackung GmbH" errichtet und an das IVV weitervermietet, damit dessen Forschungen mehr Platz bekommen. "Für uns ist Dresden ein ganz wichtiger Standort", unterstrich Knüppel-Chef Gerhard Hahn.

Denn die sächsische Landeshauptstadt hat lange Traditionen in der Verpackungsforschung und das Know-How der 1995 hinzugekommenen Fraunhofer-Einrichtung sucht bundesweit ihresgleichen. So wissen die Industriepartner zu schätzen, dass die IVV-Ingenieure eben auch Wirtschaftlichkeit und Ökologie in Verbindung bringen, beispielsweise Maschinen entwickeln, die weniger Kunststoffe für die Verpackung brauchen. Das spart nicht nur für die Hersteller Kosten, sondern soll auch das Wachstum der Müllberge weltweit bremsen. Das Ziel der Dresdner ist deshalb anspruchsvoll: Sie wollen nichts weniger als "die perfekte Verpackung" ertüfteln.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.06.2014

Heiko Weckbrodt

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