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Studie der TU Dresden: Dresden stinkt den Kindern

Studie der TU Dresden: Dresden stinkt den Kindern

Noch immer beeinflusst der soziale Status ihrer Eltern die Bildungs-Chancen von Kindern und Jugendlichen spürbar. Allerdings bemühen sich immer mehr junge Dresdner darum, diese Klassenschranken durch einen im Vergleich zu den Eltern ambitionierteren Bildungsweg zu überwinden.

Das geht aus der neuen "Dresdner Kinderstudie 2012" hervor, die ein Forscherteam um Prof. Karl Lenz vom Soziologie-Institut der TU gestern Abend dem Jugendhilfeausschuss präsentiert hat.

Demnach leben dank des Wirtschaftsaufschwungs nun zwar insgesamt weniger junge Dresdner in arbeitslosen Familien. Davon betroffen sind "nur"10,8 Prozent der Befragten - 2005 waren es noch 14,3 Prozent. Bemerkenswert ist aber: Unter Förderschülern ist der Anteil der Kinder aus arbeitslosen Elternhäusern mit 21,3 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Stadtdurchschnitt, während zum Beispiel lediglich 5,8 Prozent der Gymnasiasten arbeitslose Eltern haben. "Dies deutet darauf hin, dass sich die Arbeitslosigkeit der Eltern negativ auf die Bildungschancen der Kinder auswirkt", warnte Lenz.

Allerdings streben nun zunehmend auch junge Dresdner aus schlechter gestellten Familien eine bessere Ausbildung als ihre Eltern an. So sagte jedes zweite Kind aus Elternhäusern mit niedrigem sozialen Status, es wolle das Abitur ablegen - vor acht Jahren waren es in dieser Gruppe nur 36 Prozent. "Status und Bildungschancen sind ganz offensichtlich eine Baustelle in Dresden" kommentierte Stadtrat Jens Hoffsommer (Bündnisgrüne) die Befunde.

Um die Studie zu erstellen, hatten Lenz sowie seine Kollegen und Studenten im März 2010 rund 2000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen neun und 15 Jahren befragt. Dass die Ergebnisse erst jetzt ausgewertet vorliegen, begründete der Soziologe mit Geldmangel. Denn die Studie wird mit recht geringem Budget erstellt. So gibt die Stadt nur etwa 5000 Euro dazu - normalerweise würden solche Erhebungen gut und gerne zehnmal so viel kosten. Aus Forscherinteresse stellen die TU-Soziologen diese Untersuchungen dennoch immer wieder auf die Beine. Nach den Umfragen in den Jahren 2000 und 2005 handelt es sich bereits um die dritte Kinderstudie in Dresden.

Die Befragungen haben zum Beispiel auch ergeben, dass jedes vierte Kind findet, dass die Stadt nach Abgasen stinkt, ein Fünftel beschwerte sich zudem über zuviel Krach in Dresden. Dies werde bei der Stadtentwicklung zu wenig beachtet, findet Hoffsommer - und schlägt vor, die Studie auch dem Stadtentwicklungs- und dem Sozialausschuss vorzustellen.

Auch starke psychosomatische Störungen der Schüler lassen aufhorchen: 93 der jungen Befragten gaben an, zumindest manchmal völlig erschöpft zu sein, 83 Prozent klagten über Kopfschmerzen, 61 Prozent über gelegentliche oder häufige Angstzustände. Parallel dazu sehen die Schüler eine sinkende Hilfsbereitschaft ihrer Altersgenossen und eine wachsende Neigung von "Kameraden", Sachen kaputt zu machen.

Insbesondere den Jugendpolitiker sollte die wachsende Politikverdrossenheit der jungen Dresdner zu denken geben. Denn laut Umfrage sind die Schüler durchaus gesellschaftlich engagiert, interessieren sich aber in wachsendem Maße nur noch für ganz naheliegende Dinge wie etwa die Mitgestaltung von Spielplätzen. "Massiv haben die Kinder und Jugendlichen an Interesse verloren, auf Entscheidungen der Stadt einwirken zu können", verweist Lenz auf deutliche Unterschiede zu früheren Kinderstudien in Dresden. Für die Demokratie in ihrer klassischen Form wohl kein gutes Omen...

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.04.2013

Heiko Weckbrodt

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